Wo Taxifahren in Niedersachsen teurer wird
Wo Taxifahren in Niedersachsen teurer wird
Aktualisiert am 28.07.2026, 04:32 Uhr Vielerorts müssen Taxifahrer tiefer in die Tasche greifen. (Symbolbild) © dpa / Ole Spata/dpa Lesedauer:4 Min. Von Deutsche Presse-AgenturDieser Beitrag stammt aus dem Nachrichtenangebot der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und wurde nicht durch unsere Redaktion bearbeitet.
In mehreren Gebieten in Niedersachsen steigen die Preise für Taxifahrten. Woran das liegt und welche Alternativen es gibt.
Hannover - Der Bus fährt nicht oder lässt zu lange auf sich warten: Das sind Situationen, in denen Menschen auf das Taxi zurückgreifen. Anders als bei Bussen und Bahnen waren die Preise dort in den vergangenen Jahren meist stabil. In vielen Orten in Niedersachen ändert sich das nun. Warum das so ist und welche Alternativen es gibt.
Wie entwickeln sich die Taxi-Preise?
In zahlreichen Kommunen stehen derzeit Preiserhöhungen an oder sind bereits erfolgt. Zuvor waren vielerorts 2022 die Preise unter anderem als Reaktion auf die Energiekrise erhöht worden und danach größtenteils stabil. Die Preise und Preismodelle unterscheiden sich dabei regional. Häufig sind die ersten Kilometer teurer als später gefahrene.
- Im Landkreis Gifhorn zahlen Fahrgäste seit Mai mindestens 6 Euro statt 4,90 und auf den ersten vier Kilometern 2,90 statt 3,70 Euro.
- Im Landkreis Nienburg ist der Grundpreis von 4,50 auf 8,00 Anfang des Jahres gestiegen, dafür ist jetzt der erste Kilometer im Preis enthalten.
- Auch in den Städten Lüneburg und Oldenburg sowie den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Diepholz wurden die Preise erhöht, teilweise auch schon 2025.
Einige Kommunen planen höhere Preise erst noch, wieder andere haben trotz einer jüngsten Erhöhung bereits den nächsten Preisanstieg angekündigt.
- In Göttingen werden der Grundpreis und der Kilometerpreis für die ersten drei Kilometer erhöht - um 1,30 Euro und 70 Cent ab November (5,80 und 3,80 Euro).
- Im Landkreis Schaumburg steigen Grund- und Kilometerpreis im September verhältnismäßig moderat um je 20 Cent auf 5 und 3 Euro.
- Im Landkreis Leer und der Stadt Wilhelmshaven wurden die Preise gerade erst erhöht, sollen 2027 aber noch einmal steigen.
- Angepasst werden die Preise etwa auch in den Landkreisen Harburg und Goslar. Weitere Landkreise wie Wesermarsch, Rotenburg (Wümme) und Celle prüfen Preissteigerungen.
Es gibt aber auch Städte und Kreise, die ihre Preise seit 2022 nicht mehr verändert haben, dazu zählen etwa die Städte Salzgitter und Osnabrück oder die Landkreise Hildesheim und Wolfenbüttel. Teilweise gab es auch Vergünstigungen: Im Landkreis Verden wurde etwa der Zuschlag für Rollstuhlfahrer gestrichen - andere Preise wurden dort aber erhöht.
Was ist der Grund für die Veränderung?
Hauptgrund ist nach den Angaben der Städte und Kreise der Mindestlohn. Im Januar wurde der auf 13,90 Euro angehoben, 2027 soll er auf 14,60 Euro steigen. Lohnkosten machen nach Angaben der Stadt Wolfburg mitunter rund 65 Prozent der Kosten von Taxiunternehmen aus. Weitere Kostentreiber sind gestiegene Benzinpreise oder die Inflation.
Wie ist die wirtschaftliche Lage der Taxi-Unternehmen?
Im März hatte der Branchenverband GVN davor gewarnt, dass das Taxi- und Mietwagengewerbe in Niedersachsen kurz vor dem Zusammenbruch stehe. Aus dem Landkreis Cloppenburg heißt es dazu, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Taxi-Unternehmen ihre Genehmigung aus wirtschaftlichen Gründen abgegeben hätten. Der Landkreis Göttingen teilte mit, dass vor allem Nachtfahrten unter der Woche nicht kostendeckend möglich seien.
Andernorts ist die Lage weniger dramatisch. In den Landkreisen Harburg, Verden und Wittmund oder der Stadt Wilhelmshaven ist die Zahl der Unternehmen stabil. Teilweise kommen neue hinzu. Der Landkreis Leer betonte, es gebe keinen Taxi-Engpass.
Wie steht es um die Nachfrage von Fahrgästen?
Hierzu gibt es nur wenige Informationen. In der Stadt Emden sind die Fahrgastzahlen rückläufig. Der Landkreis Rotenburg (Wümme) teilte mit: "Aufgrund der Steigerung der Tarife sowie des veränderten Ausgehverhaltens seit der Corona-Pandemie sind die Fahrgastzahlen im Taxigewerbe zurückgegangen". Im Landkreis Diepholz gibt es einen Rückgang bei regulären Taxifahrten - jedoch einen Anstieg bei Sonderfahrten wie Krankentransporten.
Welche Alternativen gibt es?
Vielerorts gibt es neben den klassischen Taxis auch vergleichbare Angebote, die per App oder Anruf gebucht werden können - etwa Uber, Bolt oder sogenannte Minicars. Dabei handelt es sich rechtlich nicht um Taxis, sondern um Mietwagen, für die andere Vorgaben gelten. So dürfen diese nicht an Taxiständen halten oder spontan Fahrgäste aufnehmen. Dafür sind die Anbieter nicht tarifgebunden und bieten oft günstigere Preise an.
Weitere Alternativen sind On-Demand-Angebote des öffentlichen Nahverkehrs. Im Speckgürtel von Hannover fährt etwa Sprinti mit über App buchbaren Kleinbussen. Zur Mitfahrt genügt ein Nahverkehrs- oder Deutschlandticket. Vergleichbare Angebote gibt es in der Region Braunschweig mit Flexo oder auch im Landkreis Lüchow-Dannenberg.
Wer bestimmt die Preise für Taxifahrten?
Taxis zählen anders als Mietwagen zum Öffentlichen Personenverkehr, müssen zum Beispiel jede noch so kurze Fahrt annehmen und auch betrunkene Fahrgäste an ihr Ziel bringen. Die Preise legen die Städte und Landkreise fest, meist nach einem Antrag des Branchenverbandes GVN.
Grundlage dafür ist das Personenbeförderungsgesetz. Das schreibt für Taxis eine feste Tarifpflicht und ein Pflichtfahrgebiet vor. Eine Ausnahme bilden Krankenfahrten, für die Taxi-Unternehmen Vereinbarungen mit Krankenkassen abschließen. Kommunen berichten aber, dass diese Preise an die Taxitarife angelehnt sind.
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Derzeit prüft das niedersächsische Verkehrsministerium mit Branchenvertretern einen landesweiten Niedersachsentarif für Taxis, wie das Ministerium mitteilte. Damit soll Bürokratie abgebaut und mehr Transparenz geschaffen werden. Knifflig sei dabei unter anderem, die Anforderungen verschiedener großer Städte und Regionen unter einen Hut zu bekommen. Ob es zu einer Umsetzung kommt, ist noch offen. © Deutsche Presse-Agentur
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