Wirtschaftsweise warnt: "Die schlimmen Zeiten kommen erst noch"
Wirtschaftsweise warnt: "Die schlimmen Zeiten kommen erst noch"
Aktualisiert am 20.04.2026, 23:41 Uhr Monika Schnitzer glaubt, dass die schlimmsten Folgen des Iran-Krieges durch gestiegene Lebensmittelpreise und eine höhere Inflation erst noch auf Deutschland zukommen. © ARD/Claudius Pflug Lesedauer:3 Min.Jens Spahn muss bei Caren Miosga die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Energiekrise verteidigen. Dabei irritiert er mit einem Vorschlag, den sein Kanzler eigentlich schon abgeschrieben hatte. Eine Wirtschaftsweise lässt derweil kein gutes Haar an den Maßnahmen der Regierung
Eine TV-Nachlese von Leon Kottmann Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Leon Kottmann auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Die Bundesregierung versucht, der Energiekrise mit immer weiteren Maßnahmen Herr zu werden. Trotzdem bleiben die Preise an den Tankstellen hoch. Caren Miosga fragt deshalb: "Hohe Preise, wenig Zuversicht – wie findet Deutschland aus der Krise?"
Dabei sorgt die Sendung beim Zuschauer nicht für mehr Zuversicht – im Gegenteil. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer lässt kein gutes Haar an den Maßnahmen der Regierung. Sie befürchtet: "Die schlimmen Zeiten kommen erst noch."
Das waren die Gäste
- Unions-Fraktionsvorsitzender Jens Spahn (CDU)
- Wirtschaftsweise Monika Schnitzer
- Journalistin Karina Mößbauer ("The Pioneer")
Der besondere Moment des Abends
Ein großer Streitpunkt in der Diskussion ist der Tankrabatt. Diese von der Regierung beschlossene Senkung der Energiesteuer soll den Sprit um rund 17 Cent pro Liter senken. Der Bundesrat soll dieser Maßnahme in der kommenden Woche noch zustimmen, sodass der Rabatt zum 1. Mai in Kraft treten kann.
Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer rechnet vor, was dieser Rabatt bringt und warum sie ihn für "nicht zielgerichtet" hält. Sie rechnet an einem Beispiel durch: Wer 1.000 Kilometer im Monat fährt und dabei sechs Liter auf 100 Kilometer verbraucht, braucht 60 Liter. Bei diesem Verbrauch betrüge die zusätzliche Belastung im Monat laut Schnitzer rund 30 bis 50 Euro – je nachdem, ob man einen Benziner oder Diesel fährt.
Schnitzer meint: "Das werden die allermeisten tragen können. Das wird keinen so schnell ans Existenzminimum bringen. Und die wenigen, die das betrifft, denen sollte man helfen, aber auch wirklich nur denen." Der Tankrabatt dagegen sei eine "Gießkanne", die ohnehin nur sehr wenig entlaste. Schließlich würden Bürger in dieser Rechnung mit weniger als zehn Euro im Monat entlastet. Das sei ein Betrag, der nur für wenige einen Unterschied mache.
Jens Spahn scheint selbst nicht ganz überzeugt von der Maßnahme. Sein Mantra "Die perfekte Lösung gibt es nicht", wiederholt er dafür mehrmals. In Kombination mit der Anpassung des Kartellrechts glaube er aber, dass die Regierung auf dem richtigen Weg sei: "Die Frage ist, was wirkt schnell – nicht nur für Pendler sondern auch für Transportunternehmen." Dann schiebt er hinterher: "Und was war mehrheitsfähig in der Koalition."
Aus diesem Einschub lässt sich ablesen: Der Tankrabatt war nicht die bestmögliche Lösung, sondern der kleinste gemeinsame Nenner für die große Koalition. Schnitzer hätte es lieber gesehen, wenn man bestimmte Menschen gezielt mit Direktzahlungen unterstützen würde. Das sei für den Staat wesentlich günstiger.
Interview Grünen-Politiker Dzienus macht alternativen Vorschlag zum Tankrabatt vor 2 Tagen von Rebecca SawickiSchnitzer glaubt nämlich, dass die schlimmsten Folgen des Krieges im Iran durch gestiegene Lebensmittelpreise und eine höhere Inflation erst noch auf Deutschland zukommen: "Man muss sich fragen: Hätte man sich das Pulver nicht trockenhalten sollen? Die schlimmen Zeiten kommen erst noch."
Spahn gibt an anderer Stelle zu, dass die Mittel des Staates knapp sind: "Wir können bei dieser Weltlage nicht alles ausgleichen. Die Bazooka-Munition ist aufgrund der Schuldenlage mehr als leer."
Der Schlagabtausch des Abends
Spahn hat allerdings einen anderen Vorschlag zur Lösung der Energiekrise. Angesichts der höchsten Energiepreise der Welt solle man auch über bereits zurückgebaute Atomkraftwerke nachdenken.
Darauf ist Miosga offenbar vorbereitet, denn sie konfrontiert Spahn direkt mit einem Clip, in dem Kanzler Friedrich Merz diese Diskussion abräumt. Denn was Spahn "technologieoffen" nennt, findet sein Kanzler nicht praktikabel: "Technisch sind die drei Kernkraftwerke nicht rückholbar", stellt Merz in dem Ausschnitt klar fest.
Spahn nennt Arbeit in der Koalition "gelegentlich mühsam"
Aktualisiert am 20.04.2026, 08:21 Uhr Im ARD-Talk "Caren Miosga" zog Jens Spahn nach einem knappen Jahr schwarz-roter Koalition Bilanz. Diese fiel in Teilen, aber nicht ausschließlich positiv aus. © ProSiebenSat.1Spahn beteuert daraufhin: "Wir haben da doch gar keine Differenz." Miosga hakt nach: "Aber warum wollen Sie dann eine Debatte führen? Die Betreiber sagen, es geht nicht."
Spahn gibt zu: "Die Betreiber sagen das tatsächlich." Danach wiederholt er, dass er sich das trotzdem nur sachlich anschauen wolle: "Ich bin da kein Ideologe", versichert Spahn. Ganz anders als die Grünen – will er damit sagen, denn die unterstellten ihm, "AfD-Sprech" zu nutzen, nur weil er eine Diskussion über Atomkraftwerke führen will.
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Miosga lässt ihm das nicht durchgehen: "Es geht hier nicht um die Grünen oder die AfD. Der Kanzler hat gesagt, es geht nicht." Danach holt sie sich Unterstützung von Schnitzer, die nochmal erklärt, warum man die Atomkraftwerke nicht zurückholen kann. Grundsätzlich seien sie im Vergleich mit erneuerbaren Energien zu teuer. Zudem mangle es an Fachkräften, weil die entsprechenden Studiengänge mittlerweile abgeschafft worden seien.
Die Erkenntnis des Abends
Die Diskussion um den wenig ambitionierten Tankrabatt und die unrealistische Reaktivierung von Atomkraftwerken verhindern eine tiefere Diskussion über wichtigere Fragen.
So wird die Diskussion über eine Reform der Einkommenssteuer und des Spitzensteuersatzes nur angeschnitten. Auch eine Diskussion über eine Reichensteuer zur Finanzierung stärkerer Entlastungen blockte Spahn erfolgreich ab.
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