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Wie ein behinderter Papagei alle Rivalen in die Flucht schlägt

Forschung

Wie ein behinderter Papagei alle Rivalen in die Flucht schlägt

Aktualisiert am 22.04.2026, 10:13 Uhr Der in Neuseeland heimische Kea Bruce sitzt auf einem Baum. Forscher interessieren sich für seine innovative Kampftechnik. © dpa/Alex Grabham/Ximena Nelson Lesedauer:2 Min.

Ein Kea-Papagei in Neuseeland zeigt, wie Tiere körperliche Einschränkungen durch Einfallsreichtum ausgleichen können. Trotz fehlendem Oberschnabel ist "Bruce" das dominante Männchen seiner Gruppe – dank eines einzigartigen Tricks.

Ein Held trotz Handicap: Ein Kea-Papagei mit schwerer körperlicher Einschränkung hat sich in Neuseeland zum ranghöchsten Tier seiner Gruppe entwickelt. Der Vogel namens "Bruce", dem der komplette Oberschnabel fehlt, kompensiert sein Handicap durch eine neuartige Kampftechnik – und verschafft sich damit Vorteile bei Nahrung und Sozialkontakten. Das berichtet ein Forschungsteam der neuseeländischen Universität Canterbury im Fachjournal "Current Biology".

Der im neuseeländischen Naturschutzgebiet Willowbank Wildlife Reserve heimische Kea (Nestor notabilis) war schon vor der aktuellen Studie mit ungewöhnlichem Verhalten aufgefallen und hatte das Interesse der Wissenschaft geweckt, indem er Kieselsteine nutzte, um sich selbst zu pflegen. Diesmal richteten die Forschenden ihr Augenmerk darauf, wie der Vogel sich in Interaktionen und Kämpfen verhielt – und was daraus für seinen sozialen Status innerhalb der Tiergruppe folgte.

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Freiliegender Unterschnabel als Stärke

Bruce nutzt seinen freiliegenden Unterschnabel auf ungewöhnliche Weise: Er setzt ihn gezielt in stoßartigen Bewegungen ein. Dabei streckt er entweder den Hals oder springt und rennt auf Rivalen zu. In knapp drei Viertel (73 Prozent) der beobachteten Fälle führte diese Technik dazu, dass Gegner sofort zurückwichen. Seine Methode erwies sich sogar als effektiver als klassische Kampfstrategien wie etwa Tritte.

Insgesamt dokumentierte das Team 227 Auseinandersetzungen in der Gruppe der Keas, an denen insgesamt neun Männchen und drei Weibchen beteiligt waren. An 36 Auseinandersetzungen zwischen Männchen war Bruce beteiligt – und gewann alle dieser Kämpfe. Dies werten die Forscher als Beleg, dass der Vogel das Alphamännchen seiner Gruppe darstellt.

Dies hat der Studie zufolge positive Auswirkungen auf seine Lebensqualität: Der Vogel hat demnach bevorzugten Zugang zu Futterstellen und weist niedrigere Stresswerte auf. Zudem ist er das einzige Männchen, das von den anderen Männchen gepflegt wird – ein Verhalten, das von den Forschern als Zeichen sozialer Anerkennung gilt.

Alleinstellungsmerkmal eines Alpha-Männchens

"Bruce ist das Alpha-Männchen seiner Gruppe", sagt Erstautor Alexander Grabham. "Er hat diesen Status eigenständig erreicht – mithilfe einer völlig neuen Kampftechnik, die andere Keas mit intaktem Schnabel nicht nachahmen können."

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Die Studie zeigt nach Einschätzung der Forschenden, wie Tiere körperliche Einschränkungen durch Verhaltensinnovation überwinden können. Besonders bei intelligenten Arten mit hoher kognitiver Flexibilität seien solche Anpassungen möglich.

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Bedeutung für Umgang mit behinderten Tieren

"Bruce zeigt, dass Verhaltensinnovation helfen kann, eine körperliche Behinderung zu umgehen", sagt Grabham. Die Ergebnisse werfen zugleich Fragen für den Tierschutz auf: Eingriffe wie Prothesen könnten nicht immer notwendig oder sogar sinnvoll sein, wenn Tiere teils auch eigene Lösungen entwickeln.

Die in Neuseeland lebendenKeas stehen auf der Roten Liste Weltnaturschutzunion (IUCN) und sind als gefährdet eingestuft. Ihre Population schrumpft. (dpa/bearbeitet von tar)

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