Weit verbreitet und dennoch falsch: 7 Solar-Mythen entkräftet
Weit verbreitet und dennoch falsch: 7 Solar-Mythen entkräftet
Aktualisiert am 18.04.2026, 20:15 Uhr © Foto: CC0 Public Domain / Unsplash.com – Newpowa Lesedauer:6 Min. UTOPIADieser Beitrag wurde automatisch veröffentlicht und nicht durch unsere Redaktion bearbeitet.
Obwohl Photovoltaikanlagen längst eine etablierte Technologie sind, halten sich Gerüchte und Halbwahrheiten hartnäckig. Wir klären einige verbreitete Mythen auf.
Solarenergie ist in Deutschland keine Randerscheinung mehr. Schließlich wurde im Jahr 2025 bereits rund ein Fünftel des deutschen Stroms von PV-Anlagen erzeugt. Das ist mehr als durch Gaskraftwerke, wie das Fraunhofer-Institut ISE ermittelte.
Zudem haben laut dem Marktstammdatenregister rund 1,3 Millionen Haushalte bereits ein Balkonkraftwerk. Das liegt auch daran, dass die Preise von Solarmodulen und Speichern so niedrig wie nie sind.
Es gibt also bereits viele Menschen, die mit der Solarenergie in Berührung gekommen sind. Dennoch halten sich einige PV-Mythen hartnäckig und es tauchen immer wieder neue auf. Sieben davon möchten wir hier richtigstellen.
Mythos 1: Macht die Dächer voll!
Aussage: "Es ist wirtschaftlich am sinnvollsten, sein Hausdach komplett mit Solarmodulen zu belegen."
Richtig ist: Wer eine Solaranlage bauen möchte, muss sich zunächst Gedanken über die Größe machen. Schließlich kostet die Anlage umso mehr, je mehr Fläche sie belegt. Dennoch galt es viele Jahre lang als wirtschaftlich, die Dächer komplett zu belegen. Auch wenn die Anlage dann mehr kostete, produzierte sie so auch mehr überschüssigen Strom, für den man eine Einspeisevergütung erhielt.
Jetzt wendet sich jedoch das Blatt. Das Bundeswirtschaftsministerium hat nämlich angekündigt, die Einspeisevergütung für Solaranlagen unter 25 kWp abschaffen zu wollen. Den PV-Besitzer:innen würde dann eine Einnahmequelle entgehen. Zwar gibt es die Möglichkeit, den Strom direkt zu vermarkten, doch das ist bei kleinen Anlagen bislang nicht lukrativ und bedeutet mitunter sogar ein Minusgeschäft.
Es wird also demnächst keinen Sinn mehr ergeben, die Dächer komplett zu belegen. Du solltest die Größe einer neuen PV-Anlage stattdessen genau nach deinem Strombedarf ausrichten, um so viel Strom wie möglich selbst zu verbrauchen.
Lohnt sich eine Solaranlage? Mit wie viel Gewinn du wirklich rechnen kannst
Mythos 2: Große Stromspeicher für den Winter
Aussage: "Wenn der Stromspeicher nur groß genug ist, kann man auch im Winter autark sein."
Richtig ist: Eine Solaranlage kann üblicherweise rechnerisch genügend Strom produzieren, um den gesamten Bedarf im Haushalt zu decken. Allerdings entsteht der Großteil davon im Sommer, weil im Winter zu wenig Sonne scheint. Daher erreichen Haushalte trotz Speicher zumeist nur einen Autarkiegrad von höchstens 80 Prozent.
Um komplett unabhängig zu werden, kann man auf die Idee kommen, sich einfach einen größeren Speicher für die PV-Anlage anzuschaffen, um die Überschüsse im Sommer für den Winter einzulagern.
Das ist jedoch nicht möglich. Denn Lithium-Eisenphosphat-Akkus, die aktuell in Heimbereich eingesetzt werden, eignen sich nur dafür, die Tagesüberschüsse für die Nacht zu speichern. Als Langzeitspeicher taugen sie nicht. Man könnte zwar versuchen die Verluste durch mehr Kapazität zu kompensieren. Da die Akkus jedoch eine geringe Energiedichte haben, müsste der Speicher riesig werden. Den nötigen Platz besitzen die meisten Einfamilienhäuser nicht.
Balkonkraftwerk-Speicher im Vergleich: So findest du das beste Modell für dein Zuhause
Auch Wasserstoff als Speicher ist im privaten Gebrauch wenig sinnvoll. Zwar kann er Energie über lange Zeit speichern, sie muss aber erst noch unter hohen Verlusten verstromt werden. Zudem gibt es kaum Anbieter für solche Systeme, da sie sich bei Preisen von über 100.000 Euro als teure Ladenhüter entpuppten.
Mythos 3: Balkonkraftwerk und Solaranlagen kombinieren
Aussage: "Wer eine Solaranlage besitzt, darf nicht noch ein Balkonkraftwerk betreiben."
Richtig ist: Du darfst zusätzlich zu einer Solaranlage auch ein Balkonkraftwerk betreiben. Das kann sich lohnen. Balkonkraftwerke können nämlich in eine andere Himmelsrichtung zeigen als die Solaranlage, sodass sich beide Systeme über den Tag hinweg perfekt ergänzen. Blickt die Solaranlage beispielsweise nach Süden, produziert sie viel Strom zur Mittagszeit. Ein Balkonkraftwerk könnte dann am Ost- oder Westbalkon hängen und somit die Morgen- oder Abendstunden abdecken.
Wichtig ist nur, dass du weißt, dass sich dadurch die Höhe deiner Einspeisevergütung verändert (solange es diese noch gibt). Denn normalerweise bekommen Balkonkraftwerke keine Vergütung, Solaranlagen aber schon. Der Netzbetreiber kann jedoch nicht unterscheiden, wie viel Strom von welcher Anlage kommt. Seine Lösung: Er zahlt weniger Einspeisevergütung, jedoch für jede eingespeiste Kilowattstunde. Wie genau er den neuen Betrag berechnet, erklären wir in unserem Ratgeber "Balkonkraftwerk zusätzlich zur PV-Anlage: Lohnt sich das?".
👉 Unser Tipp: Kaufe dein Balkonkraftwerk bei einem seriösen Anbieter. Achte auf geprüfte Komponenten und positive Testergebnisse – Anbieter wie Green Solar oder Kleines Kraftwerk haben sich hier bewährt.
Balkonkraftwerk zusätzlich zur PV-Anlage: Lohnt sich das?
Mythos 4: Solaranlagen rechnen sich immer
Aussage: "Durch die gesparten Stromkosten und die Einspeisevergütung spielen Solaranlagen ihre Investitionskosten in wenigen Jahren wieder ein."
Richtig ist: Diese Aussage lässt sich nicht pauschalisieren. Trotz deutlich gesunkener Preise liegen die Kosten für Solaranlagen immer noch bei 1.000 bis 2.000 Euro pro kWp. Zudem fallen Betriebs- und Wartungskosten an und nach etwa 15 Jahren müssen meist Speicher und Wechselrichter ausgetauscht werden. Wer dann nicht genügend Strom produziert oder zu wenig des produzierten Stroms selbst verbraucht, bei dem kann die Amortisationszeit auch mal bis zu 20 Jahre betragen. Das haben wir detailliert in unserem Ratgeber "Lohnt sich eine Solaranlage?" ausgerechnet.
Es ist daher umso wichtiger, sich vorab die mögliche Stromkostenersparnis einmal auszurechnen, beispielsweise mit dem Solarisator der HTW Berlin.
👉 Zudem solltest du dir mindestens drei verschiedene Angebote für eine Solaranlage geben lassen und sie vergleichen. Online-Portale wie Aroundhome oder das Solaranlagenportal können hierfür sinnvoll sein. Denn je günstiger eine Anlage ist, desto schneller amortisiert sie sich.
Das gilt im Übrigen auch für Balkonkraftwerke. Aufgrund ihres niedrigen Kaufpreises amortisieren sich die meisten von ihnen nach wenigen Jahren. Allerdings gilt das nicht pauschal für alle, da sie nicht zwangsläufig genügend Sonne abbekommen, wenn sie senkrecht am Balkon hängen. Wir raten dir deshalb, den Stecker-Solar-Simulator vorher einmal zu verwenden. Er gibt dir eine Prognose, ob sich die Anschaffung in deinem individuellen Fall wirklich lohnt.
Ist ein Speicher für dein Balkonkraftwerk sinnvoll? So rechnest du es aus
Mythos 5: Nur Fachleute dürfen Solaranlagen aufbauen
Aussage: "Nur Solarteur:innen und Elektriker:innen dürfen Solaranlagen aufbauen."
Richtig ist: Solaranlagen sind groß und die Dächer schwer zu erreichen. Daher werden meist Unternehmen beauftragt, die Planung, den Aufbau und die Inbetriebnahme zu übernehmen.
Das ist jedoch nicht verpflichtend. Du darfst selbst eine Solaranlage auf das Dach bauen – und viele machen das auch. Denn so lässt sich eine Menge Geld sparen. Während eine durchschnittliche Solaranlage mit 10 kWp und Speicher und Aufbau etwa 10.000 bis 20.000 Euro kostet, bekommst du die reinen Komponenten im Online-Handel bereits für die Hälfte, beispielsweise bei Ac Tec.
Die Technik ist an sich nicht kompliziert, da sich die meisten Komponenten per Plug-and-Play verbinden lassen. Hausbesitzende, die Instandhaltung und Reparaturen am Haus selbst machen, haben teils auch die notwendige handwerkliche Erfahrung.
Den Anschluss ans Stromnetz allerdings dürfen Laien nicht selbst übernehmen. Dafür muss eine Elektrofachkraft kommen, die auch gleich den korrekten Aufbau überprüfen kann.
Wichtig: Wenn du handwerklich nicht geschickt bist, solltest du lieber die Profis ranlassen. Dann hast du auch eine Garantie und eine Ansprechperson, falls etwas nicht funktioniert.
Photovoltaik geplant? So vermeidest du 10 typische Fehler
Mythos 6: Mehr Strom durch bifaziale Module
Aussage: "Bifaziale Solarmodule steigern die Stromproduktion um bis zu 30 Prozent."
Richtig ist: Bifaziale Module besitzen sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite Glasplatten. Dadurch können die Solarzellen von beiden Seiten beschienen werden. Viele Online-Shops und Hersteller werben damit, dass sich die Stromproduktion um bis zu 30 Prozent erhöhen lässt. So könnte beispielsweise die Modulleistung eines klassischen Balkonkraftwerks mit 900 Watt auf 1.170 Watt gesteigert werden.
Solche Werbeversprechen klingen zwar verlockend, sind aber unrealistisch. 30 Prozent mehr Leistung erreichen Solarmodule nur unter optimalen Bedingungen, die in der Praxis so gut wie nie vorkommen. Zum einen stehen die Module in der Regel zu nah an der Wand oder dem Untergrund, um ausreichend Streulicht einfangen zu können. Zum anderen reflektieren die Untergründe oft zu wenig Licht.
Nichtsdestotrotz produzieren bifaziale Solarmodule mehr Energie als monofaziale. Du kannst immerhin mit Leistungssteigerungen von etwa 5 bis 10 Prozent rechnen.
Bis zu 30 Prozent mehr Leistung? So viel schaffen bifaziale Photovoltaik-Module wirklich
Mythos 7: Unabhängig bei Stromausfällen
Aussage: "Bei Stromausfällen liefern Solaranlagen und Balkonkraftwerke weiterhin Strom."
Mehr Inhalte von Utopia.de News, Tipps, Rezepte und Kaufberatung für eine nachhaltigere Welt. Kostenlos weiterlesenRichtig ist: Auch wenn die Sonne scheint, liefern Solaranlagen und Balkonkraftwerke während eines Stromausfalls keinen Strom. Denn der Wechselrichter beider Systeme benötigt eine Verbindung zum Stromnetz mit einer stabilen Frequenz von 50 Hertz. Fällt diese weg, schaltet der Wechselrichter aus Sicherheitsgründen ab.
Auch wenn die Hersteller und Anbieter mit Notstrom werben, bleibt dein Heim im Dunkeln. "Notstrom" bedeutet in diesem Fall nämlich nur, dass sich am Speicher eine Steckdose befindet, die du weiterhin nutzen kannst. Wenn der Speicher im Keller oder auf dem Dachboden steht, musst du jedoch mindestens ein Verlängerungskabel durchs Haus legen. Und das Licht, der Herd und alle anderen Steckdosen werden weiterhin nicht funktionieren.
Empfehlungen der Redaktion
- Wann wird ein Fetisch zum Problem?
- Warum Sie Ihre Heizung jetzt auf Stufe 5 stellen sollten
- Diese Stellen sollten Sie beim großen Frühjahrsputz nicht vergessen
Wenn du dein Haus während eines Stromausfalls mit Strom versorgen möchtest, kannst du das nur mit einer ersatzstromfähigen Solaranlage erreichen. Sie erkennt, wenn das öffentliche Netz ausfällt, und baut ein hausinternes Netz auf. Ersatzstrom ist jedoch keine Standardausstattung bei Solaranlagen, da diese Technologie teuer ist und oft größere Umbauten am Zählerschrank erfordert. In den meisten Fällen ist es daher wirtschaftlicher, einen Stromausfall auszusitzen. Balkonkraftwerke mit Ersatzstrom gibt es aktuell keine.
PV-Anlage reicht nicht: So erreichst du mehr Energieautarkie © UTOPIA
UTOPIA Jeden Tag Schokolade essen: Diese Folgen hat es für Psyche und Körper vor 5 Stunden von Johanna Wehrmann UTOPIA Frühjahrsmüdigkeit: 6 einfache Tipps für mehr Energie im Frühling vor 9 Stunden von Anna-Lena Neff Feedback an die Redaktion