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Was Zuschauer nie sehen

Reportage So aufwendig ist TV

Was Zuschauer nie sehen: der große Aufwand hinter einer Fußball-Übertragung

Aktualisiert am 20.04.2026, 21:53 Uhr Julia Simic und Lothar Matthäus sind ein eingespieltes Sky-Duo. © IMAGO/MIS/Bernd Feil Lesedauer:4 Min.

Spiele der Fußball-Bundesliga werden mit einem großen personellen und technischen Aufwand übertragen. Unsere Redaktion war bei einer Übertragung von Sky vor Ort und blickte hinter die Kulissen.

Eine Reportage von Oliver Jensen Dieser Text enthält neben Daten und Fakten auch die Eindrücke und Einschätzungen von Oliver Jensen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Es ist ein echtes Großprojekt, wenn ein Fußballspiel im Fernsehen übertragen wird. 20 Kameras von der Deutschen Fußball Liga (DFL) filmen das Geschehen auf dem Rasen. Der deutsche Pay-TV-Sender Sky hat acht weitere Kameras im Einsatz, um noch mehr Bilder einzufangen. Der personelle Aufwand ist riesig. Bei einem Freitagabendspiel sind 60 Personen von der DFL und 25 Mitarbeiter von Sky im Einsatz, um eine gute TV-Übertragung zu bewerkstelligen.

Die Vorbereitung beginnt bereits Anfang der Woche. "Wir haben jeden Montag um 11 Uhr unsere Fußballsitzung", erklärt Lars Robel, der am 30. Spieltag beim Spiel FC St. Pauli gegen den 1. FC Köln der Leiter der Sendung war. "Wir besprechen die Inhalte, die wir uns für die Vorberichterstattung überlegt haben. Dann wende ich mich an die Pressesprecher der Vereine und frage die Interviews an, zum Beispiel mit St. Pauli-Präsident Oke Göttlich." Die Trainer brauchen nicht separat angefragt zu werden. "Die müssen ohnehin zum Interview kommen", erzählt Robel.

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Interviews bei der Busankunft: Wenn Spieler zu Glücksbringern werden…

Eine Neuerung in der aktuellen Saison sind die Interviews bei den Busankünften der Spieler. Jede Mannschaft muss einen Spieler stellen, der ein paar kurze Fragen beantwortet. "Die Interviews sollen etwa eine gute Minute dauern, also darf ich drei bis vier Fragen stellen", erklärt Moderator Yannick Erkenbrecher. Die Spieler werden bereits vorher bestimmt, wissen Bescheid und steuern meist automatisch auf den Moderator zu.

"Mittlerweile wird das von den Spielern gut angenommen", sagt Erkenbrecher. "Manchmal entstehen dadurch lustige Geschichten. Bei Dortmund entwickelte sich Julian Ryerson zeitweise zum Glücksbringer. Dortmund hatte siebenmal in Folge nicht verloren, wenn Ryerson ein Interview vor dem Spiel gab. In dieser Phase machte er das quasi jede Woche."

Ex-Profi Martin Harnik: Als Experte ungefiltert sprechen

Ein fester Bestandteil der Fußball-Übertragungen sind die Experten. Bei den Topspielen am Samstagabend sind die Ex-Profis Lothar Matthäus und Julia Simic im Einsatz. Für die sonstigen Begegnungen gibt es einen festen Pool an Experten, die je nach Verfügbarkeit angefragt werden. Der frühere Profi Martin Harnik (Werder Bremen, HSV etc.) wird bei Spielen im Norden vielfach eingesetzt.

"Das Schöne an einer Experten-Tätigkeit ist, dass man nicht mehr filtern muss. Man darf eine starke Meinung haben. Als Fußballprofi muss man hingegen sehr darauf achten, wie man etwas formuliert", sagt Harnik, der sich gut auf die Spiele vorbereitet. "Ich schaue mir die letzten Partien der Mannschaften an, beobachte die einzelnen Spieler. Ich bin nicht so ein Nerd, dass ich jeden Kader der Bundesliga automatisch kenne, daher ist die Vorbereitung wichtig."

Es gehört zu seiner Arbeit als Experte dazu, dass er Kritik äußern muss. Wie er so etwas früher als Spieler empfand? "Mich haben die Experten nie gestört. Dass Spieler und Experten nicht immer einer Meinung sind, ist legitim. Ich hatte eher ein Problem mit Leuten, die den Fußball selber nie erlebt haben. Dann ist es immer leicht, zu reden."

Moderatorin Kleinfeldt und Experte Harnik im Interview vor dem Freitagsspiel St. Pauli gegen Köln. © Oliver Jensen

Anweisungen aus dem Übertragungswagen

Harnik bildet mit der Field-Reporterin Katharina Kleinfeldt ein Duo. Gemeinsam stimmen sie auf das Spiel ein. Die Analysen zur Halbzeit und nach dem Spiel werden live übertragen. Die Beiträge vor dem Spiel hingegen werden vielfach aufgezeichnet und zeitversetzt ausgestrahlt. Der Vorteil: Wenn sich jemand verspricht, kann man noch einmal von vorne anfangen.

Das Herzstück einer Fernsehübertragung ist der Übertragungswagen. Hier sitzen unter anderem die Leitung der Sendung, die Aufnahmeleitung und die Regie. Gemeinsam blicken sie auf rund 30 Monitore und bestimmen, welches Bild eingeblendet wird. Regisseur Jürgen Kress ist per Funk mit der Moderation und dem Kameramann verbunden, um Anweisungen zu geben. "Schwenk bitte einmal über die Trikots", sagt er beispielsweise, als Kleinfeldt und Harnik in der Kabine des FC St. Pauli den Ansager aufzeichnen.

Im Übertragungswagen haben die Verantwortlichen rund um Sendungsleiter Lars Robel (r) im Blick, was die Kameras einfangen. © Oliver Jensen

Vater-Sohn-Duo als Kommentator

Sobald der Anpfiff ertönt, lässt sich kaum noch etwas planen. Nun gilt es, spontan auf das Geschehen auf dem Rasen zu reagieren. Beim Spiel zwischen St. Pauli und Köln bildeten Hansi Küpper und sein Sohn Cornelius Küpper das Kommentatoren-Duo.

Erstmals zusammen kommentiert haben die beiden am 2. Spieltag der laufenden Saison, als der Hamburger SV und der FC St. Pauli aufeinandertrafen. "Wir wussten vorher gar nicht so richtig, was uns erwartet. Aber wir haben schon immer viel miteinander über Fußball gesprochen", sagt Cornelius Küpper. "Und fernab vom Kommentar ist es großartig, mit seinem Vater durch Deutschland zu reisen und Fußballspiele zu besuchen."

Hansi Küpper und sein Sohn auf den Kommentatorenplätzen © Oliver Jensen

Auch bei Kommentatoren gilt: Die richtige Vorbereitung ist das A und O. "Am 30. Spieltag ist das weniger aufwändig, weil man die Mannschaften schon oft gesehen hat", sagt Hansi Küpper. "Aber gerade zu Saisonbeginn muss man sich sehr mit den Teams beschäftigen und sich viel anschauen, weil man die neuen Spieler vielfach noch nicht kennt."

Die beiden sitzen auf der Tribüne auf ihrem Kommentatoren-Platz und haben nicht nur mehrere Monitore vor sich, sondern auch unzählige Informationen zu den beiden Mannschaften, die sie sich selber zusammengestellt haben. Zudem sind sie per Funk mit dem Übertragungswagen verbunden, sodass sie mit weiteren Statistiken versorgt werden können.

Interviews nach dem Spiel: Zwischen Frust und Euphorie

Auch Kleinfeldt ist während des Spiels mit dem Leiter der Sendung im Kontakt. "Wir tauschen uns aus, welche Szenen wir in der Halbzeitpause und nach dem Spiel besprechen wollen", erzählt sie. Trotzdem ist es wichtig, flexibel zu bleiben. Gerade was die Interviews nach dem Spiel betrifft, lässt sich nicht alles planen.

"Eigentlich hat sich eingespielt, dass der Trainer der siegreichen Mannschaft und der Man of the Match an den Tisch kommen und weitere Spieler auf dem Feld interviewt werden. Aber manchmal schickt der Verein plötzlich einen anderen Spieler zum Interview. Dann muss man die Fragen, die man vorbereitet hat, spontan ändern", erzählt Kleinfeldt.

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Steckt eine Mannschaft in der Krise, kann es passieren, dass die Spieler plötzlich kein Interview geben wollen. "Grundsätzlich muss jeder Verein uns einen Gesprächspartner stellen. Aber wenn es bei einer Mannschaft schlecht läuft, dauert es manchmal, bis jemand kommt. Dann hilft es, einen guten Experten an der Seite zu haben, mit dem man die Zeit überbrücken kann."

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Gute Laune herrscht dafür meist bei der siegreichen Mannschaft. "Manchmal sind die Spieler richtig euphorisiert", sagt Kleinfeldt. "Das hatten wir gerade kürzlich beim Spiel zwischen Bayern gegen Freiburg, als Lennart Karl und Tim Bischof zum Interview kamen, die beide großen Anteil am Sieg hatten."

Freude und Frust liegen im Fußball eben nahe beieinander.

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