Was Putin mit seinem Schröder-Vorschlag bezweckt
Was Putin mit seinem Schröder-Vorschlag bezweckt
Aktualisiert am 11.05.2026, 12:44 Uhr Wladimir Putin am Samstag in Moskau bei der 81. Militärparade zum russischen "Tag des Sieges" über die Nationalsozialisten. © IMAGO/APAimages/IMAGO/Russian Foreign Ministry's official \ apaimages Lesedauer:2 Min. Von Marie-Christine SandlerRusslands Präsident Putin schlägt Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg vor. Das Kalkül dahinter ist offensichtlich – und geht zumindest in Teilen auf.
Russlands Präsident Wladimir Putin wünscht sich Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg. So weit, so nachvollziehbar: Die beiden gelten als Freunde. Der heute 82 Jahre alte ehemalige SPD-Kanzler war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre für russische Energiekonzerne aktiv. Unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Putin nannte er einst einen "lupenreinen Demokraten". Immer wieder warnt er vor einer "Dämonisierung" Russlands und plädiert dafür, dort wieder Öl und Gas zu kaufen.
"Dass Putin ausgerechnet Schröder ins Spiel bringt, ist kein Zufall. Für Moskau verkörpert der Altkanzler ein Deutschland, mit dem sich leichter umgehen ließ", schreibt die "Neue Züricher Zeitung". "Moskau sucht mit Schröder wohl keine deutsche Vermittlung, sondern deutsche Weichheit."
Kallas: Schröder säße "auf beiden Seiten des Verhandlungstisches"
Nun ist Weltpolitik bekanntlich kein Wunschkonzert: Die Bundesregierung will von diesem "Scheinangebot" nichts wissen, ebenso wenig die EU: Angesichts Schröders Vergangenheit als Lobbyist für russische Staatsunternehmen sei "klar", warum Putin ihn als Vermittler haben wolle, sagte die Außenbeauftragte Kaja Kallas am Montag in Brüssel. Der Altkanzler würde dann "auf beiden Seiten des Verhandlungstisches" sitzen.
Analyse Digitale Isolation Warum Russland seine Bürger immer stärker vom Internet abschneidet 30. März 2026 von Joana RettigSchröder selbst hat sich bislang noch gar nicht geäußert. Ob er sich geschmeichelt fühlt oder ihm der Vorschlag seines Autokraten-Kumpels peinlich ist, lässt sich also nicht sagen. Was sich jedoch sagen lässt: Putins Kalkül scheint zumindest in Teilen aufzugehen.
Politologe von Lucke sieht in geteilter Reaktion Erfolg für Putin
Die Frage, ob Schröder der Richtige sein könnte, beherrschte am Sonntag die Schlagzeilen – ungeachtet der Tatsache, dass Russland in über vier Jahren Krieg von keiner zentralen Forderung abgerückt ist. Wenn Putin also davon ablenken wollte, dass er militärisch unter Druck steht und sich angesichts der Feierlichkeiten zum Jahrestag der Kapitulation Deutschlands 1945 am Wochenende zu einer dreitägigen Waffenruhe gezwungen sah, um Angriffe im eigenen Land zu verhindern, ist ihm das gelungen.
Partnerschaft zum Bau neuer Hightech-Waffen im Gespräch
Aktualisiert am 11.05.2026, 09:37 Uhr Um den Abwehrkampf der Ukraine gegen Russland scheint es wieder besser bestellt. Der Verteidigungsminister besucht Kiew und will die neue Partnerschaft mit den kriegserfahrenen Ukrainern voranbringen.Der Politologe und Publizist Albrecht von Lucke weist im Gespräch mit dem ZDF noch auf einen anderen Erfolg aus Putins Sicht hin: "Er hat die deutsche Bundesregierung beziehungsweise Parteienlandschaft gespalten."
Denn nicht nur das BSW und die AFD hätten Schröder gerne als Vermittler. Auch in der SPD zeigte sich mancher offen: Der außenpolitische Sprecher Adis Ahmetovic wollte nichts kategorisch ausschließen. Außenpolitiker Ralf Stegner sagte, er "begrüße jede Initiative, die den Krieg beenden könnte".
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Eine Botschaft an Donald Trump?
Ferner war der Vorstoß des russischen Präsidenten womöglich auch eine Botschaft an Donald Trump. Denn der US-Präsident ist derzeit in erster Linie mit dem Krieg im Iran beschäftigt. Die Ukraine-Verhandlungen überließ er vergangene Woche anderen, nachdem sie zwei Monate lang komplett auf Eis gelegen hatten.
Dabei möchte Putin, wenn überhaupt, mit Trump verhandeln. Denn den wähnt er auf seiner Seite. Warum also nicht mit einem Europäer als Alternative drohen, um Trump unter Druck zu setzen?
Verwendete Quellen
- dpa
- afp
- "zdf.de": "Schröder als Vermittler: Experte sieht 'vergiftetes Angebot'"
