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Was Karl Bushby seit 27 Jahren leistet, sucht seinesgleichen

Ein einzigartiges Abenteuer

Was Karl Bushby seit 27 Jahren leistet, sucht seinesgleichen

Aktualisiert am 12.05.2026, 17:58 Uhr Karl Bushby erlebte während seines Abenteuers mehrere lebensbedrohliche Situationen. © IMAGO/Anadolu Agency/Murat Şengül Lesedauer:7 Min. Von Tim Frische

Am 1. November 1998 beginnt der damals 29-jährige Karl Bushby ein einzigartiges Abenteuer, das ihn mehrfach an den Rand des Todes bringt – und am Ende 16 Jahre länger dauern wird, als er ursprünglich geplant hatte.

Als Karl Bushby den ersten Schritt zu seiner Mission der Weltumrundung setzt, ist das Leben noch ein anderes: Smartphones existieren nicht, Google ist gerade einmal ein Jahr alt und Erich Ribbeck trainiert die deutsche Fußballnationalmannschaft. Am 1. November 1998 beginnt der damals 29-Jährige ein einzigartiges Abenteuer, das ihn mehrfach an den Rand des Todes bringt – und am Ende 16 Jahre länger dauern wird, als er ursprünglich geplant hatte.

Wenn Karl Bushby im Herbst dieses Jahres in seine Heimatstadt Hull an der englischen Ostküste zurückkehrt, wird er etwas vollbracht haben, das zuvor niemandem gelungen ist: Als erster Mensch hat er die Welt dann zu Fuß und ohne motorisierte Hilfsmittel umrundet – nach fast 28 Jahren und 58.000 Kilometern.

Seine Expedition startet am 1. November 1998 in Punta Arenas, einer Stadt im äußersten Süden Chiles. Bushby hat kaum etwas bei sich: rund 500 US-Dollar, einen umgebauten Handwagen, den er liebevoll "Beast" nennt, etwas Proviant und Kleidung. Zwei Regeln setzt er sich: keine motorisierten Fortbewegungsmittel und keine vorzeitige Rückkehr in seinen Heimatort Hull, der das Ende seiner Weltreise – der sogenannten "Goliath Expedition" – markiert. Seitdem legt er, mit Unterbrechungen, rund 30 Kilometer täglich zu Fuß zurück.

Aus Langeweile und Reiselust

Doch was treibt den 29 Jahre alten Fallschirmjäger damals zu dieser Mission an, die die Trennung von Familie und Freunden bedeutet? "Ich verbrachte meine zwölf Jahre in der britischen Armee damit, darauf zu warten, irgendwohin geschickt zu werden – was wir eigentlich nie wirklich wurden, abgesehen von Nordirland", berichtet er im Dezember 2025 bei CNBC. Aus Langeweile beginnt er, Linien auf Karten zu ziehen und von großen Entfernungen sowie fernen Horizonten zu träumen, "und eins führte zum anderen".

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Bushby gibt später zu, dass er dieses Abenteuer zu naiv angegangen ist. Sein ohnehin knappes Geld ist schnell aufgebraucht, und so ernährt er sich unter anderem von verdorbenen Lebensmitteln, die er unterwegs findet. "Die Psychologie des Hungers ist interessant. Es ist nichts, woran die meisten von uns wirklich gewöhnt sind. Wenn man keine Ahnung hat, wo die nächste Mahlzeit herkommen wird, wird man geradezu besessen davon, etwas zu essen zu finden", erklärt Bushby bei CNBC. "Überall sieht man plötzlich Nahrung – jeder Schatten, jeder Stein sieht aus, als könnte man ihn essen. Meistens rennt man dann herum und jagt Halluzinationen hinterher." Er wird krank, muss seine Reise vorübergehend unterbrechen. Zum Glück pflegt ihn ein Ehepaar mit Medikamenten gesund.

Es ist bei weitem nicht das einzige Hindernis auf seiner nunmehr über 27 Jahre andauernden Reise durch endlose Wüsten, arktisches Eis und eiskalte Meere – eine Expedition, die ursprünglich lediglich für zwölf Jahre geplant ist. Doch bei einer Weltumrundung zu Fuß tauchen Probleme auf, mit denen vorher kaum zu rechnen ist: mal finanzieller, mal geopolitischer Natur, dann gibt es Komplikationen mit Visa, und schließlich legt eine Pandemie die Welt lahm. Immer wieder muss Bushby seine Expedition unterbrechen, nur um später genau an jenem Punkt fortzufahren, an dem er aufgehört hat.

Reise durch Darién Gap "unglaublich furchteinflößend"

Die erste große Hürde wartet im Jahr 2000 auf ihn: Nach seiner Durchquerung weiter Teile Südamerikas muss er den Darién Gap überwinden – ein nahezu unpassierbares, dicht bewaldetes und sumpfiges Grenzgebiet zwischen Kolumbien und Panama, das als eine der gefährlichsten und am schwersten zugänglichen Regionen der Welt gilt.

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Auf dem rund 100 Kilometer langen, weglosen Regenwaldstreifen, bevölkert von kriminellen Banden und wilden Tieren, wird Bushby mehrfach eine Waffe vor das Gesicht gehalten, wie er im November 2025 der "Sun" erzählt. "Man schleicht oder kriecht durch die Frontlinie der Kämpfe zwischen den damaligen Revolutionären Streitkräften Kolumbiens, der kolumbianischen Armee und Guerillagruppen. Das war eines der schwierigsten und beängstigendsten Dinge, die ich je getan habe. Es war unglaublich furchteinflößend."

Seine Strapazen enden nicht dort: 18 Tage verbringt er im Gefängnis in Panama, weil er das Land ohne Visum betritt.

Über die Beringstraße nach Asien

Bushby überlebt diese Etappe und durchquert Mittel- und Nordamerika, bis er schließlich Alaska erreicht – mit einem klaren Ziel vor Augen: die Überquerung der Beringstraße auf den asiatischen Kontinent. Zusammen mit dem französischen Abenteurer Dimitri Kieffer meistert er im März 2006 die Meerenge. Sie legen rund 240 Kilometer auf dem sich ständig verändernden Meereis zurück, trotzen Temperaturen von weniger als minus 50 Grad Celsius und ziehen einen mehr als 130 Kilogramm schweren Schlitten, während sich beide mit einem dicken Neoprenanzug schützen. "Das waren wirklich sehr unangenehme Tage. Wenn man dort draußen in der Arktis ist, ist die Weite einfach überwältigend. Sie hat eine schreckliche Schönheit. Ein furchtbarer Ort. Wenn ich nie wieder Schnee sehen würde, wäre ich glücklich", sagt er der "Sun".

Dieser Abschnitt dauert 14 Tage – es sind 14 Tage, die ebenfalls tödlich hätten enden können. Nicht nur wegen der eisigen Temperaturen oder der Gefahr, dass das Eis unter ihnen einbricht, sondern auch wegen einer Begegnung, die man lieber vermeiden würde: mit einem Eisbären. "Wir bewegten uns Zentimeter für Zentimeter auf ihn zu. Und irgendwann stellte er sich, um uns besser anzusehen, auf die Hinterbeine und ragte einfach in den Himmel wie ein Wolkenkratzer. Es war ein furchterregender Moment, denn wir konnten nichts tun. Wenn er sich entschieden hätte, uns zu wollen, wären wir tot gewesen", berichtet er der "Sun".

Mehrfache Probleme in Russland

Bushby erreicht schließlich Russland – doch hier tun sich neue Probleme auf. Aufgrund des illegalen Grenzübertritts wird er festgehalten und sein Laptop beschlagnahmt, auf dem Fotos aus seiner Militärzeit gespeichert sind. Ist er etwa ein Spion? Bushby und Kieffer sind 58 Tage lang in Haft und sollen nach Alaska abgeschoben werden.

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Dann mischt sich die Politik ein: Der damalige stellvertretende britische Premierminister John Prescott bittet Roman Abramowitsch um Hilfe. Abramowitsch, zu dieser Zeit nicht nur Besitzer des Londoner Fußballclubs FC Chelsea, sondern auch Gouverneur der Region Tschukotka am Beringmeer, setzt seine Kontakte ein. Bushby darf weiterreisen – allerdings nicht ohne Hindernisse: Aufgrund strenger russischer Visaregeln muss er alle 90 Tage das Land verlassen.

2008 kommt seine Expedition vorübergehend zum Stillstand: Ohne Sponsoren bleibt Bushby mehrere Jahre in Mexiko, bevor er 2011 seine Wanderung in 90-Tage-Intervallen fortsetzt. 2013 verhängt Russland ein fünfjähriges Einreiseverbot, doch Bushby protestiert auf spektakuläre Weise – er marschiert 4.800 Kilometer quer durch die USA bis zur russischen Botschaft in Washington, D.C. Ein Jahr später wird das Verbot aufgehoben, und er setzt seine Reise durch Russland, die Mongolei und China fort. Auch weiterhin zwingen Visa-Probleme sowie die Corona-Pandemie ihn zu wiederholten Pausen.

Bushby schwimmt durchs Kaspische Meer

Im August 2024 überwindet Bushby ein weiteres Hindernis: Aufgrund weiterer Visa-Problematiken mit Moskau darf er weder nördlich durch Russland noch aufgrund fehlender Einreisegenehmigungen durch den Iran zu Fuß weiterreisen. Ihm bleibt nur eine außergewöhnliche Lösung – er muss schwimmen: knapp 300 Kilometer quer über das Kaspische Meer von Kasachstan nach Aserbaidschan, über mehrere Wochen hinweg mit täglichen Schwimmetappen von teils bis zu zehn Kilometern. Zwei Jahre lang bereitet er diese Aktion vor. "Ich mag das Schwimmen nicht – ich hasste es, es war eine Qual", zitiert die "Sun" Bushby anschließend.

Die Überquerung wird von mehreren Medien begleitet. Ohnehin verändert sich das mediale Interesse in den fast drei Jahrzehnten, die Bushby unterwegs ist, massiv. Er dokumentiert seine Reise mittlerweile auf YouTube und TikTok. "Früher gab es keine sozialen Medien oder ähnliches. Es gab also keinen Grund, von allem Fotos zu machen oder alles zu filmen", erklärt Bushby im November 2025 gegenüber Reuters und fügt hinzu, dass er TikTok bis in dieses Jahr hinein gemieden hat.

"Es ist zusätzlicher Druck, weil plötzlich viele Augen auf einen gerichtet sind. Die Leute wollen alles wissen, man kann sich nicht mehr verstecken. Aber gleichzeitig ist es ein riesiges Werkzeug", betont Bushby, der um die Bedeutung der Vermarktung seines Projekts weiß. 2006 veröffentlicht er ein Buch, und seine Expedition soll von einem US-amerikanischen Filmproduzenten dokumentarisch nacherzählt werden.

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Auf seiner langen Reise ist Bushby auf Einnahmen angewiesen, auch wenn er immer wieder auf die Hilfe anderer Menschen zählen kann. "Diese Welt ist viel freundlicher und netter, als sie vielleicht erscheint", sagt er bei CNBC und berichtet von zahlreichen Personen, die ihm in den vergangenen fast drei Jahrzehnten ohne Gegenleistung geholfen haben.

Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung

Mittlerweile biegt Bushby allmählich auf die lange Zielgerade in Richtung Heimat ein. Ein großes Problem gilt es noch zu lösen: Wie gelangt er vom europäischen Festland nach Großbritannien? Bushby hofft, den Eurotunnel nutzen zu können – hierfür benötigt er jedoch eine Sondergenehmigung. Andernfalls bliebe ihm nur, sich erneut in seine Schwimmsachen zu werfen und den Ärmelkanal im Wasser zu überqueren.

Die vielleicht größte Herausforderung wartet jedoch erst nach seiner Ankunft in Hull: Wie findet sich Bushby nach fast 28 Jahren unterwegs wieder zu Hause zurecht? "Ich weiß nicht, was er tun wird. Aber ich glaube nicht, dass er jemals an einem Ort bleiben wird, nachdem er so lange gereist ist", sagt seine Mutter Angela der BBC.

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Bushby selbst hat schon erste Pläne: "Die beste Art, etwas wie dieses Projekt abzuschließen, ist, so schnell wie möglich etwas Neues, sehr Herausforderndes zu beginnen und sich beschäftigt zu halten", verrät er gegenüber Reuters. "Meine andere Leidenschaft ist die wissenschaftliche Bildung und das Interesse an Wissenschaft. Das ist das, womit ich mich beschäftigen möchte, wenn ich hier fertig bin."

Verwendete Quellen

  • Cnbc.com: He’s been walking around the world for 27 years
  • Thesun.co.uk: I’ve walked NON-STOP across world for 27 years
  • Reuters.com: British globe trekker faces changed world on final leg of 27-year journey
  • Bbc.co.uk: Mum's 27-year wait for global explorer to come home
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