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W statt X: Was kann die neue europäische Social-Media-Plattform?

Europäische Unabhängigkeit

W statt X: Was kann die neue europäische Social-Media-Plattform?

Aktualisiert am 20.05.2026, 08:02 Uhr W Social will eine europäische Alternative zu X bieten. © picture alliance / photothek.de/Thomas Trutschel Lesedauer:4 Min. Von Laura Czypull

Sie haben sich viel vorgenommen: W Social will die europäische Alternative zu Elon Musks X werden. Was steckt dahinter?

Zu viel Chaos, zu viel Desinformation: Anfang Mai haben sich die Parteien SPD, Grüne und Linke geschlossen von der Social-Media-Plattform X zurückgezogen. "X ist in den letzten Jahren im Chaos versunken", hieß es in gleichlautenden Mitteilungen der Parteien auf X. Politische Debatten lebten vom Austausch, allerdings fördere die Plattform zunehmend Desinformation. Das will das neue europäische Social-Media-Netzwerk W Social anders machen.

Anfang Mai startete eine erste Testphase, Anfang 2027 soll die Plattform für alle zugänglich sein. W wirbt mit Datenschutz und Meinungsfreiheit. Was kann die X-Alternative?

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Europas Alternative zu Elon Musks X?

Seit Elon Musk die Social-Media-Plattform X, ehemals Twitter, übernommen hat, habe sich der Diskurs merklich nach rechts verschoben– so die Kritik vieler (ehemaligen) Nutzerinnen und Nutzer. Auch könne man sich kaum noch vor KI-Bots retten und das Thema Pornografie, beziehungsweise Deepfakes, sei dort auch ein Problem.

Manche politischen Akteure sind daher inzwischen auf das US-amerikanische Bluesky ausgewichen. Dort ist der gesamte Quellcode offen (Open Source), man kann also einsehen, wie die Plattform funktioniert. Das Ziel: Den Nutzerinnen und Nutzern Kontrolle zurückgeben. Doch eine europäische Alternative ließ bislang auf sich warten.

Das soll sich nun ändern. Denn W Social will Europa unabhängiger machen, erklärt Geschäftsführerin Anna Zeiter gegenüber dem "SWR". Sie ist Juristin und hat sich unter anderem bei eBay um Datenschutz gekümmert.

Die Idee der Plattform: W soll auf europäischem Recht beruhen und auch auf europäischen Servern gehostet werden. Um einer KI-Bot-Flut wie bei X entgegenzuwirken, will die Plattform ein Verifikationsverfahren nutzen. Heißt: Wer einen Account will, muss seinen Ausweis abfotografieren und einen Videoabgleich mit dem eigenen Gesicht durchlaufen.

Laut W sollen die Daten nach der Verifizierung direkt gelöscht werden. So soll sichergestellt werden, dass es sich um einen echten Menschen handelt, der oder die über 18 Jahre alt ist. Das dürfte dennoch für viele eine Hürde darstellen, sich bei der neuen Plattform anzumelden.

Anonyme Accounts sollen trotzdem möglich sein – besonders wichtig etwa für Menschen, die sich aus Diktaturen zu Wort melden wollten, erklärt Zeiter beim "SWR". Sie hofft auf ein schnelles Wachstum der App.

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"Trust your feed" ist die Devise

Ein gänzlicher Gegenentwurf zu X, das vor allem immer wieder die Zunahme von Desinformation vorgeworfen wird: "Trust your feed", heißt es auf der Website von W (auf Deutsch: "Vertraue deinem Feed") – wohl eine Anspielung auf die KI-Bot-Flut auf X.

W nutzt dasselbe Datenprotokoll wie etwa Bluesky oder Eurosky. Nutzerinnen und Nutzer dieser beiden Plattformen können künftig auch Content von W angezeigt bekommen. Zeiter sagt: Immerhin 40 Millionen potenzielle Nutzerinnen und Nutzer könne man so ab sofort erreichen. Eine "gute kritische Masse, mit der man anfangen kann".

Dahinter würde der digitalpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion Ralph Brinkhaus zumindest ein Fragezeichen setzen. Er sagt auf Nachfrage unserer Redaktion: "Ich finde alles gut, was in irgendeiner Art und Weise Alternativen hat." In der Praxis sei es aber sehr schwierig, eine erfolgreiche Alternative zu stellen – weil es immer um die kritische Masse gehe.

Als Politiker oder auch Werbetreibender gehe man dort hin, wo man Reichweite bekommt. Zugleich sagt der CDU-Politiker aber auch, dass digitale Souveränität mit Kosten und eingeschränkter Benutzerfreundlichkeit einhergehe. Ob er ein Plattform-Pionier sein wird, ließ er vorerst offen.

Hinter der Plattform steht ein schwedisches Start-up. Unter den Gründerinnen und Gründern sind zwei ehemalige schwedische Minister, der ehemalige Vizekanzler und Wirtschaftsminister Deutschlands, Philipp Rösler (FDP), sitzt im Beirat und die schwedische Klimaschutzplattform "We Don't Have Time" ist größter Anteilseigner, schreibt der "SWR". Gelder aus der EU sollen keine fließen, stellte ein Sprecher der EU-Kommission im Januar klar.

Aus dem größten Anteilseigner soll auch das "W" im Namen abgeleitet sein, schreibt die "Berliner Zeitung". Zudem stehe es für die beiden "V" in den englischen Wörtern "Values" (Werte) und "Verified" (verifiziert). Im Interview mit "Table.Media" sagte Zeiter: "W steht für die Welt – aber es steht auch im Alphabet vor X." Der Name hat also wohl viele Bedeutungen.

Eine bestimmte politische Agenda verfolge das Unternehmen jedoch nicht, sagt Zeiter dem "SWR". Es solle das gesamte politische Spektrum abgebildet werden.

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Grüne, SPD und Linke auf W Social?

Können sich SPD, Grüne und Linke – die X kürzlich verlassen hatten – vorstellen, auf W zu wechseln? "Unser Fokus liegt auf unseren aktiven Kanälen. Zudem beobachten wir derzeit, wie sich die Angebote auf dem Social-Media-Markt entwickeln", teilt ein SPD-Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion mit. Einen Bluesky-Account hätte die Partei beispielsweise bereits.

So auch Grüne und Linke. Die Grünen teilen auf Anfrage mit, dass auch sie "neue Plattformen wie W mit Interesse" beobachten. "Grade nach der zunehmenden Desinformation und Polarisierung bei etablierten Netzwerken wie X sind starke europäische Alternativen wichtiger denn je." Doch: "Für uns ist aber nicht jede neue Plattform automatisch die Zukunft. Entscheidend ist, ob W Social ein Ort für konstruktiven demokratischen Austausch wird – und nicht nur ein kurzfristiger Tech-Trend."

Bundesgeschäftsführer der Linken, Janis Ehling, sagt auf unsere Anfrage: "Wir begrüßen Initiativen für Soziale Medien mit hohen Datenschutzstandards und Servern in der Europäischen Union. Wir beobachten die Entwicklung bei W genau und werden uns beizeiten entscheiden, ob wir dort aktiv werden."

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Bislang haben Alternativen zu X in der breiten Masse eher schlecht funktioniert. Abhängig sind die Plattformen dabei auch von der Präsenz politischer Akteure und Debatten. Die wiederum auf Reichweite der Plattformen schauen. Ein schwieriger Teufelskreis, den es für W nun zu durchbrechen gilt.

Verwendete Quellen

  • Anfragen an Grüne, SPD und Linke
  • Besuch eines Pressegesprächs mit Ralph Brinkhaus (CDU)
  • swr.de: Europäische Social-Media-Plattform „W Social“ gestartet
  • berliner-zeitung.de: „W Social“ statt X: Europas neues soziales Netzwerk verlangt Ausweis und Gesichtsscan
  • table.media: „W kommt vor X" – Eine europäische Alternative zu Elon Musks Plattform
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