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Vom besten Spieler der Welt zum Problemfall

Analyse Sündenbock Kylian Mbappe

Sündenbock Kylian Mbappe: Vom besten Spieler der Welt zum Problemfall?

Aktualisiert am 12.05.2026, 19:23 Uhr Kylian Mbappé und Real Madrid - das passt gerade nicht. © IMAGO/Ball Raw Images/Maciej Rogowski Lesedauer:5 Min.

Kylian Mbappé steht in Spanien unter Dauerbeschuss von Medien und Fans. Der Superstar befeuert die Kritik mit seinem Verhalten und manövriert sich damit immer mehr in eine Sackgasse. Ein Ausweg scheint derzeit kaum vorstellbar.

Eine Analyse von Stefan Rommel Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Stefan Rommel sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Vor ein paar Wochen gab eine Zeit des zarten Aufschwungs bei Real Madrid. Die Königlichen setzten sich in "ihrem" Wettbewerb gegen das hoch gehandelte Manchester City durch, in der Champions League sollte eine bis dahin eher verkorkste Saison ein doch noch versöhnliches Ende finden.

In diesen Tagen im März gab es aber auch schon einige Beobachter, die der angeblichen Harmonie mit der Aussicht entgegneten, dass nun ja Kylian Mbappé wieder zurückgekehrt sei - und damit das ganze Theater innerhalb der Mannschaft wieder von vorne beginnen würde.

Mbappé war davor ein paar Wochen wie auch Jude Bellingham verletzt und ohne die beiden Superstars hatte sich innerhalb der Mannschaft so etwas wie ein Zusammenhalt entwickelt. Oder zumindest die Idee einer stringenten Defensivarbeit durchgesetzt - ein Teilaspekt des Spiels, dem sich der mittlerweile 27-Jährige nur zu gerne verweigert.

Erneut eine Saison ohne Titel für Real

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Die Befürchtungen der Kritiker von damals darf mit dem Wissen von heute wohl durchaus als berechtigt einstufen: Real Madrid geht auch in der zweiten Saison in Folge ohne einen Titel in die Sommerpause. Im Viertelfinale der Königsklasse war gegen die Bayern Schluss, in der spanischen Liga gewann Real mit Mbappé seither nur noch zwei von fünf Spielen.

Am Wochenende durfte man im Clásico dem FC Barcelona nur Spalier stehen und dem Erzrivalen zur vorzeitigen Meisterschaft gratulieren. Ganz so, als hätte man als Gast eher zufällig bei der Meisterfeier des Champions vorbeigeschaut. Ein echter Wettbewerber war und ist Real Madrid in diesen Tagen jedenfalls nicht.

Mbappé-Post sorgt für Empörung

Kylian Mbappé hat sich die Partie am Sonntagabend vor dem Fernseher angeschaut. Der Franzose ist schon wieder verletzt. So jedenfalls lautet die offizielle Sprachregelung. "Hala Madrid", ließ Mbappé seine Fans über die Sozialen Medien wissen. Da stand es nur schon 2:0 für den Gegner. Die Reaktionen der meisten Fans waren nicht besonders nett.

Nun kann man Mbappé keinen Vorwurf daraus machen, dass er sich neulich offenbar eine Muskelverletzung zugezogen hatte. Und auch den Post könnte man als eher unglücklich deklarieren. Wäre das nicht diese diffuse Gemengelage, in der sich Mbappé seit geraumer Zeit befindet. Streng genommen eigentlich seit sein er Ankunft in Madrid vor rund zwei Jahren.

Mbappé war ein Transfer von Florentino Pérez. Jahrelang war der allmächtige Präsident hinter Mbappé her, wollte den Spieler unbedingt. Und folgte damit seiner mittlerweile jahrzehntelangen Strategie, dem schillerndsten Klub der Welt auch die schillerndsten Spieler der Welt zu gönnen. Mbappé galt als bester Angreifer des Planeten, da ist es doch nur logisch, dass er auch beim besten Klub des Planeten spielen sollte. Und das war Real Madrid, immerhin hatte die Mannschaft im Sommer 2024 zum 15. Mal die Champions League gewonnen.

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Mbappé mit beeindruckenden Zahlen

Dass sich mit Mbappé die Statik im Spiel und in der Kabine grundlegend verändern könnte, hatten sie in Madrid aber offenbar nicht bedacht. Mbappé hat in mittlerweile 100 Pflichtspielen für die Königlichen sagenhafte 85 Tore geschossen und elf weitere vorbereitet. Kein anderer Spieler der Mannschaft kann auch nur annähernd vergleichbare Zahlen vorweisen.

Und trotzdem umweht den Franzosen immer den Hauch eines Querulanten. Mbappé soll bei vielen Mitspielern nicht wohl gelitten sein, seine lustlose Defensivarbeit ist nicht nur für den aktuellen Trainer Alvaro Arbeloa ein massives Problem, unter anderem darüber stolperte auch Ex-Coach Xabi Alonso. Der hatte es doch tatsächlich gewagt, seine Diven auch Laufwege in der Defensive abzuverlangen - und den Machtkampf gegen Mbappé, Fede Valverde und Vini Jr. letztlich verloren.

Das Verhältnis zwischen Vini Jr., der in Madrid auch längst nicht mehr unumstritten ist, dem Klub aber unter anderem drei Meisterschaften und zwei Champions-League-Titel beschert hat, gilt mindestens als unterkühlt. Beide zusammen auf dem Platz sind mittlerweile sogar eher ein Problem für die eigene Mannschaft, denn eine Gefahr für den Gegner.

Fettnäpfchen und eine Petition

In der öffentlichen Wahrnehmung fällt Mbappé die Rolle des Sündenbocks zu. Seht her: Seit er Paris verlassen hat, gewinnt PSG die Champions League und steht nun erneut im Finale. Die Pariser Mannschaft hat ihren Fußball neu erfunden, seit mit Mbappé auch der letzte der Superstars Adieu gesagt hat. Das kann ja wohl kein Zufall sein …

In den Medien bestimmen auch immer mehr Geschichten außerhalb des Platzes die Schlagzeilen: Der verletzte Mbappé, wie er mit seiner Freundin nach Italien jettet - während sich seine Mannschaft auf das Spiel gegen Espanyol vorbereitet. Erst zwölf Minuten vor Anpfiff der Partie soll er wieder in Madrid gelandet sein. An sich eine Marginalie, in Reals Umfeld aber offenbar ein mittelschwerer Skandal.

Vinícius Júnior mit provokanter Geste im Clásico

Aktualisiert am 11.05.2026, 16:01 Uhr Real Madrids Vinícius Júnior zeigt beim 0:2 im Clásico eine provokante Geste: Mit gespreizten Fingern symbolisiert er die 15 Champions-League-Titel seines Klubs – Barcelona hat nur fünf.

Sein Trainer bemühte sich um Schadenbegrenzung, dann verfasste sogar Mbappés Entourage ein offizielles Statement für die Nachrichtenagentur AFP. "Ein Teil der Kritik basiert auf einer Überinterpretation von Umständen während einer vom Klub streng überwachten Regenerationsphase. Dies entspricht jedoch nicht der Realität des Engagements und der täglichen Arbeit, die Kylian zum Wohl der Mannschaft leistet", hieß es darin. Interessiert hat das allerdings kaum noch jemanden.

Stattdessen lassen die Fans lassen ihrem Unmut freien Lauf. Im Netz wird Mbappé regelrecht angefeindet, seit einigen Tagen läuft eine - offenbar von Bots künstlich hochgepushte - Petition: Der Spieler möge Madrid doch bei nächster Gelegenheit wieder verlassen. Über 70 Millionen Stimmen (Stand 12. Mai) wurden dafür abgegeben. Im Prinzip ist es mittlerweile fast egal, was Kylian Mbappé macht, den Makel des Stinkstiefels und Sündenbocks kann er wohl so schnell nicht mehr abstreifen.

Kann Mbappé noch in Madrid bleiben?

Nur bei Real Madrid ist es möglich, dass ein Spieler dieser Güteklasse und mit diesen Statistiken zur unerwünschten Person werden kann. Was unweigerlich die Frage aufwirft, wie und ob es überhaupt für Mbappé in Madrid weitergehen kann? Der Patriarch Pérez wird seinen Superstar eher nicht fallen lassen, schließlich ist die Mbappé-Saga auch eine Pérez-Saga.

Ziemlich sicher wird in den nächsten Tagen oder Wochen ein neuer Trainer vorgestellt. Geht es nach Pérez, dann hat Jose Mourinho ziemlich gute Chancen. Pérez gefällt die Idee, auf Altbewährtes zurückzugreifen und vertraute Personen um sich zu scharen. Aber selbst wenn sich die Gremien für eine andere Wahl entscheiden: Der Neue wird sich recht zügig um Mbappé kümmern müssen. Es sei denn, Real Madrid verkauft seinen besten Offensivspieler in diesem Sommer wieder.

Nur: Welcher europäische Top-Klub könnte sich Mbappé überhaupt leisten? Mbappés Vertrag in Madrid läuft noch bis 2029, sein Jahresgehalt soll irgendwo zwischen 25 und 30 Millionen Euro liegen. Eine horrende Ablösesumme wäre ebenso fällig wie ein Kontrakt, der auch die Grenzen der zahlungskräftigsten Klubs übersteigen und das Gehaltsgefüge innerhalb einer neuen Mannschaft sprengen würde. Und die soften Faktoren, das doch bisweilen divenhafte Gehabe, seine Launen, sind da noch gar nicht eingepreist.

Mbappé reagiert auf Fan-Frust

Aktualisiert am 06.05.2026, 12:13 Uhr Während er verletzt war, reiste Real Madrids Superstar Kylian Mbappé nach Sardinien, anstatt bei seinem Team zu bleiben. Das sorgte für Ärger bei den Fans. Jetzt reagiert Mbappé auf die Vorwürfe.

Es muss sich einiges ändern

Derzeit kapriziert sich fast alles auf Kylian Mbappé und der keilt zurück, provoziert, gibt den Übellaunigen. Die Situation scheint ziemlich verfahren, ein Ausweg ist aktuell nicht in Sicht.

Vielleicht helfen das nahende Saisonende und die Weltmeisterschaft, um die Wogen etwas zu glätten. Vielleicht hilft ein neuer Trainer, der einen anderen, besseren Zugang findet. Vielleicht lassen sich die Mitspieler auch wieder mehr auf Mbappés Spiel ein. Vielleicht kann jedes weitere Tor für Real die Gunst der Fans ein kleines Stückchen zurückerobern.

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Das ist die Hoffnung, die dem angeblichen "perfect match" zwischen dem ehemals besten Spieler der Welt und dem vermeintlich besten Klub der Welt bleibt. Kylian Mbappé jedenfalls ist als Figur zu groß und mit 27 Jahren auch noch zu jung, um sich außerhalb Europas zu verdingen. Hier hat er auch noch einiges zu erledigen, zum Beispiel einen großen Titel mit einer Klub-Mannschaft zu gewinnen.

Dieser Klub kann auch weiter Real Madrid heißen. Nur müssten sich dafür schon bald einige Dinge grundlegend ändern.

Verwendete Quelle

  • Sky.de: Real-Superstar Kylian Mbappé reagiert auf Kritik an Urlaub
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