Toni Garrn – ein deutsches Sommermärchen, nur anders
Toni Garrn – ein deutsches Sommermärchen, nur anders
Aktualisiert am 22.04.2026, 06:39 Uhr Toni Garrns Stern strahlt heller denn je – sagt unsere Kolumnistin Marie von den Benken. © IMAGO/ABACAPRESS/IMAGO/Reynaud Julien/APS-Medias/ABACA Lesedauer:6 Min.Lange war Toni Garrn vor allem eines: Projektionsfläche. Ein deutsches Topmodel, international erfolgreich, makellos inszeniert. Dann kam die Phase, die in der Logik des Boulevards fast zwangsläufig folgt: eine kurze Beziehung mit Leonardo DiCaprio, später Ehe, Kind, Trennung, neue Schlagzeilen. Die klassische Erzählung, wie sie seit Jahrzehnten funktioniert. Und doch stellt sich bei Garrn die Frage anders. Ist das der übliche Weg vom Laufsteg in die Klatschspalten – oder eher eine kontrollierte Verschiebung der eigenen Öffentlichkeit?
Eine Kolumne von Marie von den Benken Diese Kolumne stellt die Sicht von Marie von den Benken dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Von der Beauty-Queen zum Liebling der Klatschpresse. Ein Abstieg? Ein Automatismus in den Hochzeiten des Boulevard-Journalismus? Oder doch kalkulierter Schachzug? Beinahe fünf Millionen Follower auf Instagram sprechen eine eindeutige Sprache: Beliebtheit, Relevanz, Nachfrage und Ruhm haben sich für Toni Garrn, die inzwischen erwachsene Business-Frau und Mutter, nachhaltig positiv entwickelt.
Seit jeher mögen die Deutschen Garn. Um es mal politisch unkorrekt und genderfeindlich auszudrücken: Nähgarn für die Damen, die schöne Pullover stricken wollten, Seemannsgarn für die Männer, die sich gegenseitig mit wilden Geschichten von urbanen Legenden und maritimen Abenteuern übertrafen. Irgendwann im Jahre 2006, das ist heute genau 20 Jahre her, gab es dann genug hübsche Do-It-Yourself-Pullover, und jede Horrorgeschichte war erzählt. Garn musste sich neu erfinden.
Und das tat es auch. In Form einer jungen, blonden Hamburgerin, die auf einem Fan-Fest zur Fußball-WM als Model entdeckt wurde: Toni Garrn. Und während deutsche WM-2006-Protagonisten wie Robert Huth, Timo Hildebrand, Mike Hanke oder Tim Borowski, damals immerhin im Halbfinale, heute nur noch von über 50 Jahre alten Babyboomern mit nostalgischem Hang zu Panini-Sammelalben erkannt werden, strahlt Toni Garrns Stern heller denn je.
Garrn nicht wahr!
Wie ihre Entdeckung tatsächlich abgelaufen ist, darüber gibt es unterschiedliche Versionen. Mal stieg Claudia Midolo, damals wie heute Chefin der Agentur Modelwerk, akrobatisch über Holzbänke und Tische, um die damalige Schülerin des Gymnasium Ohlstedts für ihre Model-Kartei zu gewinnen. Mal saß Toni jubelnd auf den Schultern eines Freundes und schwebte mit ihrer Schönheit quasi über die Fangesänge des Public Viewings hinweg.
Egal, wie die Visitenkarte von Claudia Midolo am Ende in die Hände von Toni Garrn gelangt ist: Für die im Juni 2006 erst 13-jährige Antonia Garrn aus den gutbürgerlichen Walddörfern im Nordosten Hamburgs inszenierte das Schicksal ein ganz eigenes Sommermärchen. Während die Ära der Truppe um den späteren Buddha-Chef von München und "Big City Club"-Totengräber von Berlin, Jürgen Klinsmann, am 8. Juli 2006, einen Tag nach Tonis 14. Geburtstag, mit dem Spiel um Platz drei gegen Portugal endete, fing Tonis Traum gerade erst an.
Toni Garrn lernte früh, sich mit dem männlichen Teil ihres Sozialkosmos zu arrangieren. Neben ihrem Bruder Niklas gehörten zum engen Familienkreis immer schon ihre Cousins. Sie wuchs als einziges Mädchen unter acht Jungs auf. Normalerweise müsste Netflix darüber eine Serie produzieren, aber leider waren alle Kinder blond. Egal, so lernte Toni, sich durchzusetzen und ihren eigenen Weg zu gehen. Vielleicht die Wiege ihres späteren Engagements für Gleichberechtigung junger Frauen.
Kolumne Eine Hommage an Amira Aly Alle Düren stehen ihr offen vor 6 Tagen von Marie von den BenkenViele Jahre unterstützte sie in ihrer raren Freizeit das Projekt „Because I Am a Girl“ des Kinderhilfswerks Plan International. Inzwischen leitet sie ihre eigene Hilfsorganisation, die Toni Garrn Foundation. Aus Überzeugung und mit Leidenschaft, nicht als PR-Stunt. Zum Beispiel mit regelmäßigen Highlights wie Toni Garrns "Super Flea Market", bei dem Luxuskleidung und -Accessoires von vielen ihrer teilweise weltbekannten Celebrity-Freunde und von Sophie Passmann für den guten Zweck verkauft werden.
Weniger enthusiastisch, und vor allem nicht freiwillig, unterstützt sie gleichzeitig seit Jahren die Klatsch-Presse. Während sie zu Beginn ihrer Karriere für Schlagzeilen sorgte, das Gesicht großer Kampagnen globaler Fashion-Labels wie Burberry, Chloé, Dior, Donna Karan, Etro, Emporio Armani, Fendi, Jil Sander, Prada oder Versace zu sein, kam es 2013 zur medialen Boulevard-Implosion. Als Nachfolgerin in einer Reihe Supermodel-Kolleginnen wie Bar Refaeli oder Gisele Bündchen platze die Leo-Bombe: Toni Garrn war die offizielle Freundin von Hollywood-Modelflüsterer Leonardo DiCaprio. Ungeachtet des Rufes, Leonardo hätte mehr Models im Bett gehabt als Heidi Klum in ihrer Sendung, jauchzte die sich sonst eher mit dem Hochadel beschäftigende Sensationspresse entzückt.
Boulevard das wirklich nötig?
Die deutsche Traumfrau und der Superstar mit deutschen Wurzeln. Eine Romanze, medial noch ausbaufähiger als Grace Kelly und Fürst Rainier oder Kylie Jenner und Timothée Chalamet. Hochzeitsglocken, Kinder, gemeinsame Filme, der Boulevard wollte es herbeischreiben. Immerhin hatte Toni immer betont, sie wünsche sich ein beschauliches Leben mit vier Kindern. Leo und Toni – der Family-Jackpot? Leider nicht. Die Traumkombination aller Klatsch-Redakteure hielt nur zwei kurze Sommer, und die ernüchterten Gossip-Redaktionen mussten sich mit Tonis Ehe mit Schauspieler Alex Pettyfer trösten.
Aber: Die Büchse der Pandora war geöffnet. Toni, die damals auf ihrem Instagram-Kanal bei 832.000 Followern zielsicher auf die erste Million zusteuerte, hatte auf der insbesondere bei Models beliebten Bilder-App bis zur Trennung von Leo quasi ausschließlich Bilder ihrer Jobs, Backstage-Schnappschüsse, Kampagnen-Motive, Bilder ihrer karitativen Arbeit und private Momente mit Freunden veröffentlicht. Bilder mit Leonardo? Fehlanzeige. Fragen nach Leonardo? Unbeantwortet.
Mit dem Startschuss ihrer Post-Leo-Ära änderte sich das. Ihre nächste Beziehung zu dem amerikanischen Basketball-Star Chandler Parsons machte sie quasi selbst auf Instagram publik. Es folgten kleine Videos von intimen, privaten Momenten, heftigen Flirt- und Knutschanfällen und romantischen Pärchen-Ausflügen nach Rom. Toni ließ ihre Follower und damit auch den Boulevard direkt teilhaben an ihrem neuen Glück. Dating, Lovestory, Verlobung, Hochzeit und Geburt der gemeinsamen Tochter mit Alex Pettyfer brachten ihr dann fünfstelligen Like-Zuspruch, der auch dann nicht versiegte, als sie nach der Trennung alle gemeinsamen Bilder löschte und dem eigenen Ehemann und Vater ihrer Tochter auf Instagram entfolgte. Aus ihrem Instagram-Feed ist er damit verschwunden – aus den Gedanken auch?
Das H in Toni Garrn steht für Hollywood
Sich darüber den Kopf zu zerbrechen, dafür ist keine Zeit. Toni Garrns Tochter wird im Juli fünf Jahre alt, und ihre Mama hat sich in den letzten Jahren in das Metier von Leonardo eingearbeitet. Erste Rollen in Hollywood-Filmen folgten. Noch keine abendfüllenden Hauptrollen, aber immerhin Seite an Seite mit Tom Holland, Zendaya, Jake Gyllenhaal, Keira Knightley, Helen Mirren, Luke Wilson, Nick Nolte oder Matt Dillon. Ein Portfolio, für das sich die gesamte GZSZ-Elite in Berlin vermutlich ein paar Gliedmaßen abtrennen würde. Ohne Narkose. Mit einer Streitaxt.
Es läuft also auch ohne Leo und Alex ganz gut für das teutonische Fräuleinwunder, das trotz großer Heimatverbundenheit zu Hamburg im Jahr 2021nach ihren Highlight-Modeljahren in New York ausgerechnet nach Berlin zog. Für viele Woke-Kritiker klingt das ja immer sehr abwegig: eine Frau, die ohne Mann Weltkarriere macht. Für alle, die mal die Professionalität von Toni Garrn erleben durften, kommt ihr Erfolg weniger überraschend.
In diesen Genuss kamen zuletzt vermehrt auch Unternehmen, die man in der Fashion- und Modelbranche sonst nicht sieht. Porsche etwa. Das Bankhaus mit angeschlossener Sportwagenproduktion richtet keine Defilees auf Fashion Weeks aus, engagiert keine Megadesigner, um unbezahlbare Abendkleider zu kreieren und kleidet auch keine A-Promis für die Oscar-Verleihung ein. Im Rahmen ihres "Super Flea Market" ist Porsche aber Kooperationspartner von Toni Garrn. Welche Strategie dahinter steckt, ist nicht eindeutig ersichtlich. Bei den aktuellen Geschäftszahlen von Porsche ist das aber ohnehin nebensächlich – da hat niemand Zeit, sich über so was Gedanken zu machen. Der Porsche der Modelszene und der Porsche der Straße, ideologisch zumindest passt das ganz wunderbar.
Und es dokumentiert darüber hinaus, wie Toni Garrn inzwischen den Grenzen der Fashionindustrie entwachsen ist. Ihr Name steht nicht mehr nur in Zusammenhang mit großen Modehäusern, sondern vermehrt auch mit Traditionsunternehmen und erfolgreichen Start-ups aus ganz anderen Branchen: Burmester, Martini, Gitti, Olistic oder Vitra etwa. Toni Garrns Erfolgsstory geht also weiter, auch und vor allem erst recht lange nach Leonardo diCaprio, geschiedener Ehe und Tochter.
Die oft gestellte, aber völlig irrelevante und stets leicht despektierlich wirkende Frage, was Toni Garrn jetzt eigentlich genau macht, wo sie nicht mehr 19 Jahre alt ist, erübrigt sich damit ebenfalls. Sie ist Medienprodukt, okay. Aber vor allem ist sie Unternehmerin, modernes Celebrity-Modell, Allroundtalent und in Vollzeit berufstätige Mutter. Sie hat etwas Glück mit ihrer Optik und landete damit in der einzigen Branche, wo das Gender Pay Gap gegen das Y-Chromosom ausschlägt, aber das ist nicht das Elixier ihres Erfolges.
Im Gegenteil. Aus ihrer blutjung gestarteten Modelkarriere hat Toni Garrn ein Profil, eine Persönlichkeit und eine individuelle Märchenkarriere gemacht. Als viele sie als Leonardo diCaprios Ex und Opfer des Boulevards abstempelten, wurde sie zur Regisseurin ihrer eigenen Schlagzeilen. Sie begab sich auf die Metamorphose vom Model zur Marke – und steht nun Seite an Seite mit Porsche, einer der stärksten Marken der Welt. Insofern ist sie für mich eine Art Prototyp moderner Prominenz.
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Außerdem heißt ihre Tochter Luca. Genauso wie mein Sohn. Wir alle wohnen in Berlin. Da stehen die Chancen also nicht schlecht, dass Luca und Luca eine gemeinsame Spielplatz-Zukunft haben. Und zack: ist der Boulevard zurück. Dieses Mal aber mit zuckersüßen Kinderstorys. Da soll also noch einer sagen, wir Deutschen hätten keine Superstars.
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