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"Tatort"-Star kritisiert Rentensystem

Barbara Philipp

"Tatort"-Star kritisiert das Rentensystem: "Nicht für unsere Arbeitsweise gemacht"

Aktualisiert am 14.04.2026, 15:33 Uhr "Da wurde ich auch ein bisschen zur 'Revoluzzerin'", sagt Barbara Philipp über die Bezahlung beim Film. © IMAGO/APress/IMAGO Lesedauer:3 Min.

Schauspielerin Barbara Philipp hat in einem Interview offen über strukturelle Missstände in der deutschen Filmbranche gesprochen. Die 60-Jährige kritisierte nicht nur die anhaltende Lohnkluft zwischen Männern und Frauen – sondern auch ein Rentensystem, das für Kreative kaum funktioniere.

Barbara Philipp, unter anderem durch ihre Auftritte im Wiesbadener "Tatort" einem breiten Publikum bekannt, hat sich in einem Gespräch mit t-online ungewohnt deutlich zu den Arbeitsbedingungen in der deutschen Film- und Fernsehlandschaft geäußert.

Im Zentrum ihrer Kritik standen dabei zwei Themen: die nach wie vor bestehende Ungleichbehandlung von Frauen und Männern bei den Gagen – und ein Rentensystem, das der Lebensrealität von Schauspielerinnen und Schauspielern kaum gerecht werde.

An der finanziellen Benachteiligung von Frauen habe sich grundsätzlich wenig verändert, erklärte Philipp im Interview. Besonders irritierend sei, dass selbst in Verhandlungen, die von Frauen geführt würden, weiblichen Darstellerinnen geringere Honorare angeboten würden als ihren männlichen Kollegen. "Da gibt es noch viel Redebedarf", stellte die Schauspielerin fest.

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Halbe Gage für die Rolle der Rosa Luxemburg

Wie tief verwurzelt das Problem sei, illustrierte Philipp anhand einer eigenen Erfahrung: Als sie einst in einer Produktion die Revolutionärin Rosa Luxemburg verkörperte, habe man ihr lediglich die Hälfte dessen zahlen wollen, was die männlichen Darsteller erhalten hätten.

"Da wurde ich auch ein bisschen zur 'Revoluzzerin'", schilderte sie die Situation. Einen möglichen Grund für die Schieflage sieht die Schauspielerin in der unterschiedlichen Bewertung von Rollen: Wer den Helden spiele, genieße ein anderes Ansehen als jemand, der die betrogene Ehefrau darstelle – und das schlage sich offenbar auch in der Vergütung nieder.

Neben der Gagenfrage richtete Philipp den Blick auf ein weiteres strukturelles Defizit: die Altersvorsorge. Wer nicht fest an einem Theater engagiert sei, bringe kaum ausreichend Rentenzeiten zusammen, erläuterte sie. Private Vorsorge oder Arbeit bis ins hohe Alter seien für viele die einzigen Optionen.

"Das Bild vom gut verdienenden Schauspieler stimmt nicht", betonte die 60-Jährige. Die große Mehrheit in der Branche arbeite unter normalen Bedingungen, zahle hohe Beiträge und erhalte am Ende dennoch wenig zurück – weil es sich eben nicht um durchgehende Beschäftigungsverhältnisse handle. Ihr Fazit fiel ernüchternd aus: "Das System ist nicht für unsere Arbeitsweise gemacht."

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Komplexere Frauenrollen – aber noch nicht genug

Trotz aller Kritik erkenne sie aber auch durchaus Fortschritte, räumte Philipp ein. Weibliche Figuren seien heute deutlich facettenreicher als früher und stünden häufiger im Zentrum der Handlung. "Sie sind nicht mehr nur Mutter, Geliebte oder Ehefrau", sagte sie. Allerdings sei das lediglich "ein Anfang".

Begriffe wie "starke Frau" empfinde sie als ebenso eindimensional – ihr gehe es vielmehr um Figuren, die schlicht als Menschen gezeichnet seien, jenseits aller Schablonen.

Die Schauspielerin selbst spielte in ihrer Laufbahn eine bemerkenswerte Bandbreite an Rollen. In der Serie "Babylon Berlin" verkörperte sie eine Gangsterbossin in einer Frauengang, im Drama "Sprich mit mir" eine alleinerziehende Mutter, die sich mit ihrem Friseursalon durchschlägt – eine Darstellung, die ihr 2024 eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis einbrachte.

Am 12. April war sie zudem im ZDF im Rosamunde-Pilcher-Film "Wo Liebe aufhört und wo sie beginnt" als Hotelierin zu sehen.

Mit 60 endlich bei der Komödie angekommen

Privat hat Philipp nach eigenem Bekunden im vergangenen Jahr eine Art Zäsur erlebt: Ihr 60. Geburtstag habe sie "kalt erwischt", gestand sie in dem Gespräch. Dennoch blicke sie optimistisch auf die kommenden Jahre. Inzwischen habe sie sich verstärkt dem komödiantischen Fach zugewandt und im vergangenen Jahr gleich drei Komödien abgedreht.

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"Vielleicht ist es genau richtig, dass ich nie so richtig seriös geworden bin", resümierte sie augenzwinkernd. Selbst einem Engagement auf dem "Traumschiff" stehe sie mittlerweile offen gegenüber – das "Schmonzettenfach" befinde sich schließlich ebenfalls im Wandel. (bearbeitet von pak)

Verwendete Quellen

  • t-online.de: "Tatort"-Star Barbara Philipp: Schauspielerin kritisiert Rentensystem
  • focus.de: „Bekommen am Ende wenig raus": „Tatort"-Star Barbara Philipp kritisiert Rentensystem
  • Transparenzhinweis

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