Student entdeckt neuen fleischfressenden Dinosaurier
Student entdeckt neuen fleischfressenden Dinosaurier
Aktualisiert am 19.04.2026, 07:36 Uhr Simba Srivastava studiert Geowissenschaften im letzten Jahr an der Virginia Tech. Er rekonstruierte den Kopf des Dinosauriers. © Virginia Tech/Spencer Coppage Lesedauer:3 Min.Ein jahrzehntelang übersehenes, zerdrücktes Fossil aus New Mexico entpuppt sich als völlig neue Dinosaurierart – und stellt bisherige Theorien über das große Massenaussterben am Ende der Trias-Zeit grundlegend infrage.
Was aussieht wie ein hoffnungsloser Fall für die Paläontologie hat sich als wissenschaftliche Sensation herausgestellt: Ein stark zerdrückter Dinosaurierschädel, der seit Jahrzehnten unbeachtet in einer Museumsschublade lag, gehört zu einer bislang völlig unbekannten fleischfressenden Spezies. Das geht aus einer Studie hervor, die der Geowissenschafts-Student Simba Srivastava von der Virginia Tech federführend im Fachjournal "Papers in Palaeontology" veröffentlicht hat.
Das Fossil war bereits 1982 von einem Team des Carnegie Museum of Natural History in Ghost Ranch im US-Bundesstaat New Mexico aus dem Boden geholt worden. Mehr als 30 Jahre ruhte der Fund anschließend unerforscht in einer Schublade, bis der Geobiologe Sterling Nesbitt ihn wiederentdeckte und an die Virginia Tech nach Blacksburg brachte. Dort nahm sich der damalige Erstsemesterstudent Srivastava des Projekts an – betreut von Nesbitt und der Geobiologin Michelle Stocker.
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Mithilfe von Computertomografie-Daten gelang es Srivastava, die einzelnen Knochen des deformierten Schädels digital voneinander zu trennen und per 3D-Druck ein Modell des ursprünglichen Kopfes herzustellen. Was dabei zum Vorschein kam, überraschte das Forschungsteam: Das Tier besaß auffallend große Wangenknochen, ein breites Hirngehäuse und vermutlich eine kurze, tiefe Schnauze. Solche Merkmale waren bei frühen Dinosauriern bislang nie beobachtet worden – ein Hinweis darauf, dass sich diese Tiere auf deutlich komplexere Weise weiterentwickelten als bisher angenommen.
Srivastava taufte die neue Art Ptychotherates bucculentus – auf Lateinisch so viel wie "gefalteter Jäger mit vollen Wangen". Ein Paläo-Künstler fand einen weniger akademischen Spitznamen: "Murder Muppet".
Dreimal so alt wie der Tyrannosaurus rex
Das Tier lebte am Ende des Erdzeitalters Trias, das vor etwa 252 Millionen Jahren begann und vor rund 201 Millionen Jahren endete. Damit ist die Spezies mehr als dreimal so alt wie der berühmte Tyrannosaurus rex. In jener Epoche waren Dinosaurier noch keineswegs die unangefochtenen Herrscher der Erde, als die sie in Filmen oft dargestellt werden. Stattdessen konkurrierten sie mit den Vorläufern von Krokodilen und Säugetieren um Nahrung und Lebensraum.
Das änderte sich schlagartig, als ein gewaltiges Massenaussterben am Übergang von der Trias zum Jura den Großteil dieser Konkurrenz beseitigte. "Dinosaurier wechselten von der Nebenrolle in die Hauptrolle", beschrieb Srivastava diesen Umbruch laut Virginia Tech.
Gut erhaltene Fossilien aus dieser entscheidenden Übergangsphase sind äußerst selten. Das macht den zerquetschten Schädel trotz seines erbärmlichen Zustands zu einem außergewöhnlich wertvollen Fund – zumal bislang kein zweites Exemplar dieser Art entdeckt wurde.
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Die Analyse ergab, dass Ptychotherates bucculentus zur Familie der Herrerasaurier zählt, einer der ältesten bekannten Gruppen fleischfressender Dinosaurier. Das Fossil stammt aus Gesteinsschichten, die möglicherweise unmittelbar vor dem großen Massenaussterben am Ende der Trias entstanden. Da nirgendwo auf der Welt jüngere Herrerasaurierfossilien gefunden wurden, könnte diese Dinosaurierfamilie durch ebendiese Katastrophe ausgelöscht worden sein.
Diese Erkenntnis zwingt die Wissenschaft zu einem Umdenken, erklärte Srivastava: "Das nötigt uns, die Auswirkungen des Massenaussterbens am Ende der Trias neu zu bewerten – als etwas, das nicht nur die Konkurrenten der Dinosaurier auslöschte, sondern auch einige alteingesessene Dinosaurierlinien selbst."
"Dieses Exemplar (...) ist der einzige Beweis dafür, dass diese Dinosaurier so lange gelebt haben."
Da keine anderen Herrerasaurier aus einem so späten Abschnitt der Trias bekannt sind, gehen die Forschenden davon aus, dass die Region des heutigen amerikanischen Südwestens der letzte Lebensraum dieser Tierfamilie gewesen sein könnte.
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Für Srivastava hat der unscheinbare Schädel damit eine immense Bedeutung. "Dieses Exemplar passt in meine Hände, aber es ist der einzige Beweis dafür, dass diese Dinosaurier so lange gelebt haben, dass sie in diesen Breitengraden gelebt haben, und der einzige Beweis dafür, dass sie sich zu dieser Schädelform entwickelt haben", sagte der Student. "All die Milliarden von Individuen, die im Laufe der Zeit existierten, werden durch dieses eine Exemplar repräsentiert." (bearbeitet von mak)
Verwendete Quellen
- vt.edu: Student identifies new meat-eating dinosaur three times older than T. rex
- wiley.com: A new taxon of saurischian dinosaur from the Coelophysis Quarry of New Mexico, USA (Triassic: latest Norian or Rhaetian) highlights herrerasaurian diversity in the latest Triassic
- sciencedaily.com: A crushed fossil revealed a dinosaur that shouldn't have existed
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