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Schweizer Bundesliga-Entdeckung träumt von WM-Aufgebot

«Vielleicht meldet sich Yakin» Schweizer Bundesliga-Entdeckung träumt von WM-Aufgebot

Im Winter schien der Weg von Bruno Ogbus in die zweite Bundesliga zu führen. Jetzt ist der Zürcher bei Freiburg Stammspieler und will in den Final der Europa League.Publiziert: vor 3 Minuten Teilen Anhören Kommentieren1/13Bruno Ogbus hat sich beim SC Freiburg einen Stammplatz erkämpft.Foto: TOTO MARTI

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Bruno Ogbus beeindruckt als Verteidiger beim SC Freiburg und träumt gross
  • Nach Achillessehnenriss 2024 kämpfte er sich in acht Monaten zurück
  • In dieser Saison hatte er 24 Einsätze, Marktwert 10 Millionen Euro, WM-Hoffnung
Lucas Werder und Toto Marti

Bruno Ogbus (20) muss überlegen. Ist nun sein überraschendes Bundesligadebüt gegen Stuttgart im August 2024 das bisher grösste Spiel seiner Karriere? Oder ist es doch der Kurzeinsatz eine Woche später in der ausverkauften Allianz Arena? Am Donnerstagabend könnte für den Verteidiger des SC Freiburg eine weitere Antwortmöglichkeit dazukommen.

Im Halbfinalrückspiel der Europa League treffen Ogbus und seine Teamkollegen zu Hause auf Sporting Braga. Nach dem 1:2 im Hinspiel ist der Bundesliga-Klub gefordert, will man im Breisgau weiter vom ersten Titel der Vereinsgeschichte träumen. Doch im heimischen Europa-Park-Stadion hat der SCF in dieser Saison alle sechs europäischen Spiele für sich entschieden. Durchaus denkbar also, dass Ogbus' Antwort künftig «der Europa-League-Final in Istanbul» lauten wird.

Noch im Herbst schien das undenkbar. Unter Trainer Julian Schuster (41) spielt der junge Zürcher überhaupt keine Rolle. Ogbus kommt ausschliesslich für die Freiburger U23 in der viertklassigen Regionalliga Süd zum Einsatz. Um Spielpraxis auf höherem Niveau zu sammeln, soll er im Winter verliehen werden. Unter anderem haben Bochum und Kaiserslautern Interesse an einer Verpflichtung.

Doch weil für das zweite Rückrundenspiel gegen Leipzig plötzlich drei Verteidiger ausfallen, kommt Ogbus bei der 0:2-Niederlage nicht nur zu seinen ersten Saisonminuten, sondern steht dabei auch gleich in der Startelf. Und weil er seinen Job trotz Pleite derart gut erledigt, ist der ehemalige GC-Junior seither in jedem Bundesligaspiel zum Einsatz gekommen. Elfmal stand er dabei von Beginn an auf dem Platz.

Zweitwertvollster Verteidiger hinter Akanji

Innerhalb weniger Wochen hat sich Ogbus vom Reservisten zu einer der grossen Entdeckungen dieser Bundesligasaison entwickelt. Das Fussballportal «Transfermarkt» schätzt seinen Marktwert inzwischen auf 10 Millionen Euro. Damit ist er hinter Manuel Akanji (30/18 Mio.) gemeinsam mit Stuttgarts Luca Jaquez (22) der zweitwertvollste Schweizer Verteidiger. «Schön, wie die letzten Monate für mich verlaufen sind», sagt er. «Aber ich google nicht jeden Tag meinen Marktwert.»

Ogbus konzentriert sich lieber auf den Fussball. Und noch lieber auf seinen eigenen. Ein Vorbild oder einen Lieblingsspieler? Hat er nicht. «Ich war schon immer jemand, der sehr bei sich ist», erzählt er. Das habe unter anderem auch mit den Werten zu tun, die er von seinen Eltern mitbekommen habe. Diese wandern vor über 20 Jahren von Nigeria in die Schweiz ein. Dort kommt Ogbus als jüngstes von vier Geschwistern auf die Welt.

Mit dem Fussballspielen beginnt er beim Zürcher Quartierklub SV Höngg, wechselt aber schon bald in den Nachwuchs von GC, wo er bis zur U18 sämtliche Nachwuchsstufen durchläuft. Vom Campus in Niederhasli geht es 2022 zum SC Freiburg, wo er in der U19 mit Johan Manzambi (20) einen Schweizer Teamkollegen bekommt. Schnell entwickelt sich eine enge Freundschaft zwischen den beiden. «Dabei war die Kommunikation zu Beginn gar nicht so einfach. Er konnte nur Französisch und ich nur Deutsch», erzählt Ogbus. Inzwischen spricht Manzambi aber schon fast perfekt Deutsch und auch Ogbus ist dabei, sein Französisch zu verbessern.

Handy-Hintergrund als Comeback-Motivation

Für dieses Projekt hatte er im vergangenen Frühling mehr Zeit zur Verfügung, als ihm lieb war. Im Dezember 2024 reisst sich Ogbus ein paar Tage nach seinem 19. Geburtstag die Achillessehne. Es ist die vielleicht schwerstmögliche Verletzung im Profifussball. «Das war ein Schock. Aber mit der Unterstützung meiner Familie und der Hilfe des medizinischen Staffs habe ich versucht, das Beste daraus zu machen. Ich versuche immer, aus Rückschlägen zu lernen», erzählt er.

Er informiert sich darüber, wie lange andere Profifussballer nach einer solchen Verletzung ausgefallen sind. «Bei einigen dauerte es über ein Jahr, bei anderen aber nur sechs Monate. Ich habe mir dann in den Kopf gesetzt, dass das auch bei mir möglich ist», so Ogbus. Auf seinem Handy-Sperrbildschirm stellt er sich darum einen Countdown. Dieser läuft bis zum 23. August 2025, dem Tag des ersten Saisonspiels. «Ich habe mir gesagt, dass ich an diesem Datum wieder im Kader stehen will.»

Acht Monate schuftet Ogbus für sein Comeback. «Ich war am Morgen immer früh hier und bin am Abend spät nach Hause gegangen», erzählt er. Und Ogbus erreicht sein grosses Ziel tatsächlich. Bei der 1:3-Auftaktniederlage gegen Augsburg schafft er tatsächlich den Sprung ins Team, auch wenn er am Ende ohne Spielminuten bleibt.

Mit Tempo von fast 35 km/h gemessen

Inzwischen hat Ogbus 24 Saisoneinsätze auf dem Konto, die meisten davon als Innenverteidiger. Durch sein hohes Tempo kann er aber auch als Aussenverteidiger auflaufen. In dieser Bundesligasaison war Ogbus schon mit 34,99 km/h unterwegs, mit Yuito Suzuki und Cyriaque Irié waren nur zwei Freiburger Teamkollegen noch schneller. «Am liebsten spiele ich aber schon in der Innenverteidigung», gibt er zu.

Gerade durch seine Flexibilität wäre der U21-Nationalspieler ein Kandidat für ein überraschendes WM-Aufgebot. Noch hat sich Murat Yakin (51) aber nicht gemeldet. «Aber vielleicht bald. Ich habe schon die Hoffnung, dass ich noch irgendwie in den WM-Kader rutschen könnte», so Ogbus, der auch für Nigeria auflaufen könnte. «Aber darüber habe ich mir noch nie gross Gedanken gemacht. Ich bin glücklich, dass ich für die Schweiz spielen darf.»

Sollte es tatsächlich noch mit einer WM-Teilnahme und dem Nati-Debüt klappen, könnte der Freiburg-Profi künftig noch etwas länger überlegen müssen, wenn er nach seinem bisherigen Karrierehighlight gefragt wird.

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