Reichinnek: "Menschen in diesem Land werden in der Mitte zerrieben"
Reichinnek: "Menschen in diesem Land werden in der Mitte zerrieben"
Aktualisiert am 21.04.2026, 06:40 Uhr Heidi Reichinnek (Die Linke) kritisierte bei "Hart aber fair", dass die 1.000-Euro-Prämie nicht bei den Menschen ankomme, die sie wirklich bräuchten. © WDR/Oliver Ziebe Lesedauer:3 Min.Bei "Hart aber fair" waren unter anderem der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch und der ehemalige CDU-Fraktionschef Ralph Brinkhaus zu Gast. Die Diskussion drehte sich um hohe Lebenshaltungskosten und mögliche Entlastungsmaßnahmen für Bürger. Dabei gab Miersch zu, die Regierung "fahre auf Sicht" – und es könne zu weiteren Engpässen kommen.
Eine TV-Nachlese von Marie Illner Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Marie Illner auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Das ist das Thema bei "Hart aber fair"
Bei "Hart aber fair" ging es um die steigenden Preise und die hohen Spritkosten. Was kann man dagegen tun? Reichen Tankrabatt und 1.000-Euro-Prämie vom Arbeitgeber? Im Fokus der Sendung stand außerdem die Frage, wer am Ende die Zeche für die hohen Energiepreise zahlt.
Das sind die Gäste
- Matthias Miersch (SPD): Der Fraktionsvorsitzende war sich in Bezug auf die Maßnahmen der Regierung sicher: "Wenn ich etwas schnell machen will, muss ich ein gewisses Gießkannenprinzip in Kauf nehmen." Der Tankrabatt sei nur ein Mosaikstein und könne nicht isoliert betrachtet werden.
- Ralph Brinkhaus (CDU): Der ehemalige Fraktionsvorsitzende und Steuerberater sagte: "Wir müssen wesentlich langfristiger denken, langfristige Entscheidungen treffen. Es kommt eine Krise, alle sind total aufgeregt und sagen: 'Jetzt muss ganz dringend was gemacht werden'." Dabei würden dysfunktionale Entscheidungen getroffen.
- Samina Sultan: Die Ökonomin vom "Institut der deutschen Wirtschaft" erinnerte an die letzte Energiekrise, als Inflationsprämien gezahlt wurden: "Untere Einkommen haben die eher weniger bekommen. Diejenigen mit einem höheren Bruttomonatslohn sehr viel häufiger." Das sei nicht zielgenau.
- Heidi Reichinnek (Linke): Die Parteichefin kommentierte die 1.000-Euro-Prämie: "Das hilft Rentnern nicht, das hilft Studierenden nicht, das hilft Menschen, die nicht arbeiten können, weil sie vielleicht krank sind, eine Behinderung haben oder sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern müssen, nicht. Die, die es am meisten brauchen, entlastet die Regierung nicht."
- Heiner Kamps: Der Unternehmer und Aktionär sagte: "Der große Nutznießer der Preise ist der deutsche Staat. Wir haben 55 bis 56 Prozent Steuern auf dem Benzin, da sind wir im europäischen Bereich mit am höchsten. Dann sollte man da mal direkt anfangen."
- Marie Hoffmann: Die Landwirtin sagte: "Landwirtinnen und Landwirte in diesem Land haben drastische Existenzängste. Wir haben ein enormes Höfesterben in den letzten Jahren zu verzeichnen." Die Kosten würden explodieren, aber die Erzeugerpreise würden sich nicht mitsteigern. Bei den Landwirten bleibe also nicht mehr hängen.
Der Schlagabtausch
Zur Übergewinnsteuer gebe es unterschiedliche Auffassungen, die SPD halte daran weiter fest, versprach SPD-Mann Miersch. "Wir haben vereinbart, dass wir das rechtssicher machen und eine europäische Regelung machen wollen", kündigte er an. "Von uns kann niemand sagen, wo wir in zwei Monaten sind", gab er zu. Deshalb fahre man bewusst auf Sicht. Der Fokus auf Energie sei zu verengt, es könne auch zu Engpässen bei Kerosin und Arzneimitteln kommen.
Reichinnek reagierte darauf empört: "Spanien hat es geschafft, verschiedene Maßnahmen vorzulegen", erinnerte sie. Dort beziehe man Überreiche klar mit ein und lasse sich "nicht von einer Schuldenbremse knechten". Sie kritisierte: "Es kann doch nicht sein, dass wir für nichts Geld haben in diesem Land außer für Aufrüstung und dann die Menschen in diesem Land in der Mitte zerrieben werden."
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Aus Unternehmer Kamps' Worten sprach die pure Enttäuschung über die Regierung: Krisen habe es immer gegeben, sagte er. Aber "es hat immer Regierungen gegeben, wo dann auch Führung war". Etwa bei Brandt, Schmidt, Schröder oder Kohl. Da habe man das Gefühl gehabt, jemand habe das "Heft in die Hand genommen und regiert" – anders als bei Merz.
Von Merz wünsche er sich, dass er endlich einen Reformplan vorlege und zur SPD sage: "Entweder zieht ihr das Ding jetzt mit, wenn er die Eier hat" – denn das könne Merz. Man müsse die Menschen mitnehmen und davon wegkommen, dass der Staat alles mit Geld löse und immer verantwortlich sei.
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Die Runde erinnerte mehrfach daran, dass Deutschland "nur sehr bedingt" etwas an den Umständen von außen ändern könne. Einig war sie sich aber auch, dass man "den Wohlstandsverlust nicht wegzaubern" könne. Es müsse also darum gehen, wie man den Wohlstandsverlust nun verteile – dabei müssten die Überreichen stärker einbezogen werden.
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Kritisch merkten mehrere Gäste an, dass Unternehmer und Mittelständler durch Maßnahmen wie die Arbeitgeberprämien unter Druck geraten würden – die Regierung schüre Erwartungen, die viele von ihnen nicht erfüllen könnten und sich dem Frust der Arbeitnehmer ausgesetzt sähen.
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