Prince Damien vor ESC: "Sarah Engels kann man nur schwer toppen"
Prince Damien vor ESC: "Sarah Engels kann man nur schwer toppen"
Aktualisiert am 15.05.2026, 10:25 Uhr Prinz Damien verkörpert Michael Jackson in "Das Michael Jackson Musical". © Stage Entertainment/Morris Mac Matzen/MORRIS MAC MATZEN Lesedauer:6 Min.Prince Damien feiert sein zehnjähriges Bühnenjubiläum. Im Mai 2016 wurde der heutige Musicaldarsteller zu Deutschlands Superstar gekürt. Ein Jahrzehnt später sicherte sich mit Menowin Fröhlich nun ein Sänger den "DSDS"-Sieg, der auch durch Negativschlagzeilen von sich reden machte. Wir haben Prince Damien gefragt, ob Menowin den "Superstar"-Titel zu Recht trägt.
Ein Interview von Dennis EbbeckeSeit 2024 steht Prince Damien als jüngerer Michael Jackson in "MJ – Das Michael Jackson Musical" in Hamburg auf der Bühne. Dort performen zu dürfen, "fühlt sich für mich wie Urlaub an", sagt der 35-Jährige heute. Der Weg dorthin sei für ihn jedoch alles andere als erholsam gewesen.
Im Interview mit unserer Redaktion spricht Prince Damien über seinen Werdegang vom Castingshow-Sieger zum Musicaldarsteller, die Entwicklung des Formats "DSDS" und die ESC-Performance von Sarah Engels.
Prince Damien, vor zehn Jahren hatten Sie Ihren Durchbruch. Hält Ihr "Glücksmoment" bis heute an, um es mit Ihrem damaligen "DSDS"-Siegertitel zu fragen?
Prince Damien: In den zehn Jahren gab es definitiv mehr Höhen, als ich erwartet hatte. Dass ich überhaupt an dem Format teilgenommen habe, verdanke ich meinem Opa – er hat mir damals dazu geraten. Denn eigentlich bin ich nicht der Überzeugung, dass man sich durch eine Castingshow eine langfristige Karriere aufbauen kann.
Ich wurde eines Besseren belehrt. Ich kann davon leben und finde es total krass, dass ich zehn Jahre danach immer noch davon zehren darf. Jetzt bin ich auch noch dort gelandet, wo ich schon mit 16 oder 17 sein wollte: im Musical nämlich. Ohne "DSDS" hätte ich das wahrscheinlich niemals geschafft.
Ist Ihr derzeitiges Musical-Engagement der größte Meilenstein Ihrer bisherigen Laufbahn?
Ich würde es so nicht betiteln. Es ist eher eine Erfüllung meines Kindheitstraums, weil es schon immer mein Ziel war, Singen, Tanzen und Schauspielern zu vereinen. Über einen längeren Zeitraum ist das nur auf der Musical-Bühne möglich. Hier hat man jeden Tag die große Ehre, mit neuen Emotionen vor einem realen Publikum zu performen. Diese Frequenz und die direkte Interaktion mit den Menschen sind mit nichts zu vergleichen.
"DSDS" für Prince Damien ein "Auslaufmodell"
Ist das Format "Deutschland sucht den Superstar", so wie es heute stattfindet, aus Ihrer Sicht noch zeitgemäß und eine gute Plattform für Talente?
Ich denke, dass "DSDS" mittlerweile zu einer Art Auslaufmodell geworden ist. Sowohl die TV-Branche als auch das Musikbusiness haben sich komplett gewandelt. Damals hieß es: "TV makes the superstar". Heute lautet die Devise: "Internet makes the superstar".
Galerie "Fake-Show" oder "verdient"? Menowin Fröhlichs DSDS-Sieg spaltet die Gemüter vor 3 TagenDennoch glaube ich, dass die Teilnahme Talenten nach wie vor einen gewissen Schub geben kann. Auch wenn die Quoten rückläufig sind, schalten immer noch ein paar Millionen Menschen ein. Wer gewinnt, bekommt eine Menge Geld und einen großen Release. "DSDS" hat also weiterhin eine Daseinsberechtigung. Es ist aber nicht mehr das Tool, mit dem sich alle Türen öffnen lassen.
Haben Sie mit Ihrer Teilnahme 2016 noch eines der letzten goldenen Jahre dieser Castingshow miterleben dürfen?
Absolut, das war mein großes Glück. In meiner Erinnerung war es die letzte Staffel, in der sich die CD-Verkäufe noch richtig sehen lassen konnten. Meine Single wurde rund 120.000 Mal verkauft. Damit hatte ich nie im Leben gerechnet, weil es natürlich damals schon Spotify und Co. gab.
Wie denken Sie über den neuen "DSDS"-Sieger Menowin Fröhlich: War es richtig, ihm diese Bühne zu geben?
Grundsätzlich bin ich ein Verfechter davon, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat. Ich finde es sehr schade, dass Menowin bei Social Media so zerpflückt wird. Letzten Endes ist "DSDS" kein reiner Gesangswettbewerb. Es geht darum, jemanden zu finden, der mit seiner Stimme, seiner Präsenz und seiner Aura mit dem Publikum connected.
"Vielleicht dient sein Sieg anderen Menschen, die der Drogensucht verfallen sind, als gutes Beispiel."
Das hat er aus Ihrer Sicht geschafft?
Andernfalls hätte er nicht gewonnen, das Publikum entscheidet. Ich gönne ihm die 100.000 Euro. Und wir dürfen nicht vergessen, dass er schon mal im Finale stand [2010; Anm. d. Red.]. Dass nicht er, sondern Mehrzad Marashi damals gewinnen konnte, war wahrscheinlich Menowins Skandalen geschuldet. Natürlich hat er in der Vergangenheit viel Mist gebaut, das Leben hat ihn aber auch ganz schön gebeutelt. Vielleicht dient sein Sieg anderen Menschen, die der Drogensucht verfallen sind, als gutes Beispiel.
Konnte er Sie auch musikalisch überzeugen?
Wenn man nur den Gesang bewerten würde, hätte es die Zweitplatzierte [Constance Dizendorf; Anm. d. Red.] eventuell ein bisschen mehr verdient gehabt. Im Gegensatz zu Menowin, der sogar schon in einer eigenen Reality-TV-Doku zu sehen war, kam sie quasi aus dem Nichts. Sie konnte nicht auf die Erfahrung zurückgreifen, wie es ist, vor einem riesigen Publikum aufzutreten.
Das klingt nicht so, als würden Sie sich mit Blick auf Menowins Interpretation von "Billie Jean" im "DSDS"-Finale um Ihr Engagement im "Michael Jackson Musical" sorgen …
Menowin hat es echt gut gemacht – dafür, dass er jahrelang vor der erneuten "DSDS"-Teilnahme auf keiner vergleichbaren Bühne mehr stand. Auf dieser Musical-Bühne sehe ich ihn aber nicht – schließlich bin ich ja schon da (lacht).
Was braucht es für diese Bühne?
In erster Linie Disziplin. Du musst wirklich jeden Tag mit der gleichen Energie und Intensität abliefern. Ich glaube, das kann man nur, wenn man sich dem Ganzen komplett hingibt. Auf dieser Bühne zu stehen, fühlt sich für mich wie Urlaub an. Wenn man diese Mentalität mitbringt, dann ist man wie geboren für das Musical.
"Michael Jackson Musical": Warum Prince Damien zu Beginn aussteigen wollte
Die größte körperliche und mentale Herausforderung waren die Proben – das war wirklich hart. Wir haben mit den Coaches zusammengearbeitet, die damals noch mit Michael Jackson auf Tour gegangen sind und mit ihm getanzt haben. Die haben uns wirklich auseinandergenommen. Zwischenzeitlich habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, um auszusteigen. Heute bin ich glücklich, dass ich es am Ende doch durchgezogen habe.
Sie waren im April bei der Weltpremiere des "Michael"-Biopics in Berlin. Wie hat Ihnen der Film mit Michael Jacksons Neffen Jaafar in der Hauptrolle gefallen?
Die Storyline und die Tiefe spiegeln in etwa das Musical wider. Allein schon aus diesem Grund fand ich den Film toll. Leider bricht die Geschichte nach meinem Geschmack etwas zu früh ab. Ich wollte mehr sehen, hoffe da aber auf den zweiten Teil, in dem sicher noch weitere Themen angesprochen werden. Enttäuscht war ich definitiv nicht. Künstlerisch hat mich der Film überzeugt – vor allem, wenn man bedenkt, dass Jaafar alles erlernen musste. Er hat es so authentisch rübergebracht, dass ich zwischendurch dachte, Michael würde vor mir stehen.
Welchen Bezug haben Sie zum "King of Pop"? Sie waren gerade volljährig, als er starb …
Auf irgendeine Weise war er Bestandteil des Lebens aller Menschen, die in dieser Zeit gelebt haben oder groß geworden sind. Meine allererste CD war von Michael Jackson – und zwar "Blood on the Dance Floor". Als Kind war er für mich ein unerreichbarer Künstler, nicht von dieser Welt. Gleichzeitig war er so schüchtern und fast introvertiert. Ein Mann mit androgynen Zügen. Da auch ich ein etwas anderes Kind war, konnte ich mich damals ganz gut mit ihm identifizieren.
Samstag ist es so weit! Vor ESC-Finale: Sarah Engels kämpft für mehr Körperakzeptanz vor 17 StundenAn der Person Michael Jackson scheiden sich die Geister. Wurden Sie mit Negativkommentaren konfrontiert, weil Sie ihn verkörpern?
Als ich das Angebot bekam, in dem Musical mitzuspielen, hatte ich zunächst meine Bedenken. Die Befürchtung, dass es nach hinten losgehen könnte, war schon in meinem Kopf. Tatsächlich habe ich bis heute aber kein negatives Wort vernommen. Die meisten Leute waren eher überrascht und fasziniert, dass ich das machen darf.
Was kommt nach dem Musical? Vielleicht der ESC?
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Der ESC ist dieses Jahr richtig gut besetzt. Ich finde es so toll, dass wir Sarah Engels ins Rennen schicken. Sie bringt diesen Show-Flair mit, kann tanzen, singen und ist eine echte Powerfrau. Ich bin sicher, dass Sarah die Halle zum Kochen bringen wird. Insofern wäre es keine gute Idee, wenn ich Deutschland nächstes Mal beim ESC vertreten würde.
Warum nicht? Sie können ebenfalls singen, tanzen und allein schon mit Ihren Outfits eine ähnliche Show auf die Beine stellen.
Theoretisch schon. Aber Sarah Engels kann man nur schwer toppen. Da müssten erst mal ein paar Acts antreten, die nicht so viel Show bieten. Danach wäre es vielleicht wieder mal an der Zeit für einen Aha-Effekt. Und dann könnte ich ins Spiel kommen (lacht).
Über den Gesprächspartner
- Prince Damien ist ein deutsch-südafrikanischer Sänger, Tänzer und Musicaldarsteller. Der in Johannesburg geborene Künstler ging sowohl aus der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" (2016) als auch aus dem Dschungelcamp (2020) als Sieger hervor. Im Jahr 2023 trat er die Nachfolge von Marc Terenzi in der Boyband Team 5ünf an.
