Parodist Max Giermann im neuen "Tatort" aus Köln: Geht das gut?
Parodist Max Giermann im neuen "Tatort" aus Köln: Geht das gut?
Aktualisiert am 12.04.2026, 14:36 Uhr Bei "Sachen und Machen" gibt es immer etwas zu lachen. Frank Anders (Max Giermann) ist das Gesicht der beliebten Kindersendung. © WDR/BAVARIA FICTION/Martin Valentin Menke Lesedauer:3 Min.Ein Kameramann wurde ermordet. Freddy Schenk ist geradezu begeistert: Er und Max Ballauf ermitteln am Set einer legendären Kindersendung. Ausgerechnet dort aber sind alle gestresst, alle verdächtig. Denn die Kölner Kommissare müssen erleben, dass Moderator Frank Anders alles andere als der nette Fernsehonkel ist, als den man ihn kennt. Und dann geschieht noch ein Mord. "Showtime" ist ein launiger "Tatort" über schreckliche Wahrheiten hinter bunten Kulissen, mit Parodist Max Giermann als cholerischem Star.
Eine Kritik von Iris Alanyali Diese Kritik stellt die Sicht von Iris Alanyali dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Im Kofferraum eines völlig ausgebrannten Autos steckt die Leiche des Fernsehkameramanns Stefan Glück. "Wir sind seit Stunden dabei, seine verkohlten Einzelteile aus dem Kofferraum zu kratzen", wird Kriminaltechnikerin Natalie Förster (Tinka Fürst) später lakonisch die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) informieren. Letzterer kann sein Glück kaum fassen: Er darf am Set von "Sachen und Lachen" ermitteln! Denn dort hat Stefan Glück (Niels Bormann) gearbeitet, bei der Kindersendung, die Freddy Schenk mit Enkelin Frida früher nie verpasst hat.
"Sachen und Lachen"-Moderator Frank Anders (Max Giermann) ist eine Ikone, ein Held, ein bester Freund. Seit 20 Jahren der Star in allen Kinderzimmern. Wenn seine Sendung läuft, sitzen die Kleinen gebannt vor dem Bildschirm und tauchen ein in eine Welt, in der alle nett zueinander und lustig miteinander sind. Und nebenbei lernen sie auch noch etwas. Von Bienen und Blumen, übers Teilen, über Gerechtigkeit und die Macht der Phantasie.
Leserstimmen "Tatort" ohne Batic/Leitmayr "War höchste Zeit, die Kommissare in den Ruhestand zu schicken" vor 3 Tagen von Jakob Rondthaler und Patricia KämpfSpielen, teilen, morden
Hinter den Kulissen aber wird gemordet. Und es passieren auch andere Dinge. In "Showtime", dem neuem Fall für die Kölner "Tatort"-Kommissare vom Autorenduo Arne Nolting und Jan Martin Scharf, prallen die Gegensätze aufeinander: Makabre Mordermittlungen und nostalgische Erinnerungen. Ein Kameramann namens Glück, den alle nur "Lucky" nannten, der aber bei Pferdewetten Zehntausende Euros verloren hat.
Und vor allem eine Kindersendung, die Friede, Freude, Eierkuchen predigt, wo das Arbeitsklima aber von Stress, Missgunst und Angst geprägt ist: Puppenspieler Yassin Meret (Erkan Acar) hält sich für den eigentlichen Star, schließlich ist er der tapsige Tapir Tassilo im fröhlichen Watschelkostüm. Jungregisseurin Annabelle Mayers (Julia Riedler) muss zwischen Egos manövrieren, die größer sind als Bibo aus der "Sesamstraße". Frank Anders' Ehefrau Caro (Silvina Buchbauer) ist Co-Moderatorin und alleinige Produzentin der Show, die sie mit ihrem Mann aufgebaut hat. Auf ihr lastet so viel Druck, dass sie die toxische Männlichkeit am Set einfach ignoriert. Und Praktikantin Marie (Bineta Hansen) muss aufpassen, dass die "Making-of"-Filme ihrer Handkamera für die sozialen Medien nur kinderfreundliche Szenen enthalten.
Ballauf und Schenk als "alimentierte Beamtenärsche"
Denn Frank Anders ist nur der nette Frank Anders, solange alles nach seinen Wünschen läuft. Der Mann vergiftet das ganze Set.
Galerie Michael Mittermeier wird 60 Die Deutschen sind nicht lustig? Sie beweisen das Gegenteil vor 8 TagenAuch Freddy Schenk bekommt erst ein Selfie hier, ein Plüschtier da und das Versprechen, alle Mitarbeiter würden in diesem ach so entsetzlichen Mordfall natürlich kooperieren. Aber als sich herausstellt, dass Anders selbst zu den Crewmitgliedern mit Tatmotiv gehört und nicht mehr von Freddy Schenk, dem Fan, sondern von Freddy Schenk, dem Kommissar, befragt wird, bricht aus dem jovialen Star ein egozentrischer Choleriker heraus, der die "alimentierten Beamtenärsche" wüst beschimpft, die ihm "ans Bein pissen wollen". Kein Wunder, dass es bald noch eine Leiche gibt und die Ermittler ihre Suche auf den Set von "Sachen und Lachen" begrenzen können.
Max Giermann als Parodie eines Moderators
"Showtime" hat einen ungewöhnlichen Stargast: Moderator Frank Anders wird von dem vor allem als Parodist berühmten Max Giermann gespielt. Und der ist nur schwer von seiner Rolle zu trennen – auch, weil die Moderatoren von Kindersendungen ja tatsächlich immer ein bisschen wie Parodien ihrer selbst wirken: so leutselig und so enthusiastisch wie die sind, so demonstrativ freundlich, demonstrativ neugierig, demonstrativ alles: Das kann doch gar nicht echt sein.
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So viel Spaß es auch macht, Giermann zuzusehen, vom Krimi lenkt die Besetzung eher ab. Zumal die verspielte Inszenierung von Regisseurin Isabell Šuba sich gut gelaunt der Ästhetik von Kinderfernsehen bedient. Die fiktive Sendung "Sachen und Lachen" scheint ein Mix aus "Löwenzahn", "Sesamstraße" und "Sendung mit der Maus", und sie prägt den ganzen "Tatort". "Showtime" greift auf auffällig viele Erklärbärdialoge zurück, und Subtilität ist nicht gerade die größte Stärke der Darsteller.
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Zudem kommt besonders der Anfang ziemlich betulich komisch daher. Zwei orientierungslose Kommissare, die sich ständig auf dem Studiogelände verlaufen, hihi, ein Mann im Vogelkostüm, der von der Decke hängt, haha, Griesgram Ballauf und Fanboy Schenk, hoho.
Schreiben Sie uns! Wie hat Ihnen der "Tatort: Showtime" gefallen? vor 5 Stunden von Jakob Rondthaler und Patricia KämpfBemüht wirken auch die ständigen Splitscreens, die dem Film nicht Tempo verleihen, sondern nur noch stärker von dem ablenken, was "Showtime" eigentlich sein könnte: Eine spannender Krimi über Traumata, über zerplatzte Kinderträume und über den folgenschweren Schmerz, den es auslöst, wenn man seine Idole vom Sockel stürzen sieht.
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