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Moderator zweifelt an China-Euphorie seines Gastes: "Arbeitsplatz ist weg"

TV-Nachlese Markus Lanz

Lanz zweifelt an China-Euphorie seines Gastes: "Arbeitsplatz ist weg"

Aktualisiert am 20.05.2026, 07:00 Uhr Lesedauer:4 Min.

Das Wirtschaftswachstum bleibt gering, während schwache Exporte die Industrie zusätzlich belasten. Bei "Markus Lanz" (ZDF) äußerte sich SPD-Politiker Olaf Lies nicht nur zu den Folgen des Iran-Krieges, sondern auch zum überraschenden Markterfolg von VW in China.

Eine TV-Nachlese von Natascha Wittmann Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Natascha Wittmann auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

In China konnte der Automobilkonzern VW einen Überraschungserfolg einfahren. Im ersten Quartal 2026 stieg die Marke vor Ort wieder zum Marktführer auf. Der Konzern setzte auf eine "In China, für China"-Strategie, um trotz starker Konkurrenz im Bereich der lokalen Elektroautohersteller seine führende Position zu sichern.

VW plant zudem, bis 2030 rund vier Millionen Fahrzeuge in China zu verkaufen. Markus Lanz nahm dies zum Anlass, die damit einhergehenden Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft zu analysieren. Zudem blickte er auf die jüngste Entwicklung und die verheerenden Folgen des Iran-Krieges.

Die Gäste

  • Olaf Lies: SPD-Politiker und Ministerpräsident Niedersachsens
  • Kerstin Münstermann: Journalistin und Leiterin des Parlamentsbüros der "Rheinischen Post"
  • Jörg Wuttke: China-Experte und ehemaliger BASF-Generalbevollmächtigter
  • Frederik Pleitgen: Journalist und CNN-Korrespondent
Bei "Markus Lanz" debattieren Olaf Lies, Kerstin Münstermann, Jörg Wuttke und Frederik Pleitgen (v.l.n.r.) unter anderem über die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Krieges. © ZDF / Markus Hertrich/

Der besondere Moment

Am Dienstagabend blickte Markus Lanz auf die verheerenden Folgen des Iran-Krieges und fragte in Bezug auf den Bereich der Lieferkette: "Wie sehr betrifft das Volkswagen?"

SPD-Politiker Olaf Lies antwortete ehrlich: "Es ist wirklich fundamental." Der Ministerpräsident Niedersachsens ergänzte, dass Deutschland "dringender denn je (...) ein Stück Wirtschaftswachstum" brauche.

Das Problem? Durch den Krieg werde das Gas teurer, was wiederum "für hohe Strompreise" sorge. Lies warnte: "Das betrifft uns extrem." Er forderte: "Deswegen müssen wir alle ein großes Interesse daran haben, dass es am Ende auch zu einer Verhandlungslösung kommt, die eine dauerhafte Stabilität gibt."

Lanz hakte in dem Zusammenhang nach, ob es "gewährleistet" sei, dass Ferienflieger im Sommer abheben können. Olaf Lies reagierte zurückhaltend und sagte: "Im Moment ist das die Botschaft, dass das so ist. Die Preise steigen aber ja." Lanz konterte irritiert: "Im Moment ist das die Botschaft, dass es so ist. Auch ein schöner Satz!"

Der SPD-Politiker ließ sich davon nicht beirren und erklärte: "Je länger dieser Konflikt andauert, desto schwieriger wird die Lage." China-Experte Jörg Wuttke mahnte in dem Zusammenhang: "Vor Oktober, November, Dezember sehe ich da keine große Entspannung."

Eine Steilvorlage für Lanz, der wissen wollte: "Wie sehr ist China eigentlich betroffen von dem, was dort gerade passiert?" Wuttke antwortete, dass China mittlerweile auch unter einer Inflation leide, aber "was China am meisten zwickt, ist im Grunde der Export".

Der ZDF-Moderator lenkte den Blick schließlich auf den jüngsten China-Besuch von Donald Trump. Nachdem sich der US-Präsident mit Blick auf die angespannte Lage zwischen China und Taiwan überraschend verhalten gezeigt hatte, warnte Journalistin Kerstin Münstermann: "Sollte da etwas passieren, sollte es nur um eine Blockade von Taiwan gehen, haben wir Probleme in der Wirtschaft."

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Münstermann ergänzte: "Man traut Trump nicht. (...) In der deutschen Regierung ist man mittlerweile an einem Punkt, wo man die Kanäle nicht mehr hat." Olaf Lies stimmte zu und sprach von einer "unglaublichen Verunsicherung". Ein potenzieller Konflikt mit Taiwan treffe zudem "unglaublich viele deutsche Unternehmen, europäische Unternehmen, die da sind. Es trifft uns, weil wir auf die Zwischenprodukte angewiesen sind."

Abschließend gab der SPD-Politiker zu: "Eigentlich ist diese Allianz, die wir mit den USA haben, genau das, was zählt. (...) Wenn die Welt hier nicht zusammensteht, sondern wir hören, dass es ein Wanken gibt, dann macht mir das (...) große Sorgen." Lies forderte deshalb eindringlich, dass es "eine klare europäische Politik mit China" geben muss.

Der Schlagabtausch

Innerhalb der Sendung stellte Lanz mit Erstaunen fest: "VW ist plötzlich wieder Marktführer in China." Wie der ZDF-Moderator ausführte, bringe die deutsche Automarke in China jedoch Modelle auf den Markt, die es in Deutschland nicht zu kaufen gebe. China-Kenner Jörg Wuttke erklärte daraufhin: "Die letzten zwei Jahre hat man massiv investiert, (...) um eben chinesischer zu werden. Und deswegen hat man es geschafft, nicht vier Jahre zu brauchen, um ein neues Modell herzustellen, sondern zwei Jahre."

Lanz konterte unbeeindruckt: "Es ist ja schön, wenn VW Erfolg hat, aber die Frage, was Deutschland davon hat, interessiert uns dann auch." SPD-Politiker Olaf Lies erwiderte hoffnungsvoll: "Wir haben ja davon profitiert, dass wir so erfolgreich in China waren. (...) Das war ja auch ein Benefit für den Konzern selbst."

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Lies ergänzte: "Der Weg, den chinesischen Markt wiederzuerobern, der musste sein. (...) Und deswegen ist das natürlich ein Riesenerfolg, überhaupt mal wieder den Fuß in der Tür zu haben." Gleichzeitig warnte er: "Noch ist nicht bewiesen, dass wir uns endgültig durchsetzen, weil das ist nicht ohne." Jörg Wuttke nickte: "Wir müssen die Transformationsphase hinbekommen." Zugleich müssten jedoch auch "die Arbeitsplätze hier" geschützt werden.

"Wir müssen gucken, wie wir diese nächsten fünf bis sechs Jahre hinbekommen, dass unsere Firmen in China (...) lernen, anders zu bauen, schneller zu bauen, risikoreicher zu bauen", so der China-Experte, der in dem Zusammenhang klarstellte, dass die Bauweise schließlich in Deutschland implementiert werden müsse.

"Aus Angst davor, dass ich es nicht vermitteln kann, eine Debatte nicht zu führen, wäre fatal."

Olaf Lies, Ministerpräsident Niedersachsen

Journalistin Kerstin Münstermann reagierte skeptisch: "Ob Ihr Konzept tatsächlich dem deutschen Verbraucher und dem Wähler klarzumachen ist, habe ich Zweifel, weil der Arbeitsplatz ist weg." Olaf Lies hielt entschieden dagegen: "Das ist er eben nicht. (...) Aber aus Angst davor, dass ich es nicht vermitteln kann, eine Debatte nicht zu führen, wäre fatal."

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Lanz wiederholte: "Aber der Arbeitsplatz ist weg." Lies konterte energisch: "Wo soll denn produziert werden? In deutschen Werken natürlich!" Der Politiker wetterte weiter: "Ich glaube, wir machen einen Fehler, wenn wir dasitzen, zugucken und sagen: 'Dann schrumpfen wir halt, weil wir gegen den Wettbewerb, der kommt, nichts machen können'. Also müssen wir uns doch sozusagen auf die Welle mit begeben und sagen: 'Wie können wir profitieren davon?'"

Lies forderte abschließend: "Wir müssen wieder Lust haben, erfolgreich zu sein." Eine Antwort auf Lanz' Frage, ob dafür künftig mehr gearbeitet werden müsse, blieb Lies dem ZDF-Moderator jedoch schuldig.   © 1&1 Mail & Media/teleschau

Teaserbild: © ZDF / Markus Hertrich Feedback an die Redaktion