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Lauter Knall im Kopf beim Einschlafen? Das steckt dahinter

"Exploding Head"-Syndrom

Lauter Knall im Kopf beim Einschlafen? Das steckt dahinter

Aktualisiert am 15.05.2026, 20:24 Uhr Betroffene hören beim Einschlafen plötzlich laute Knall- oder Explosionsgeräusche. Das sogenannte "Exploding Head"-Syndrom gilt zwar als harmlos, kann jedoch starken Stress auslösen. (Symbolbild) © Getty Images/Kiwis Lesedauer:3 Min. Von Sabine Vaas

Es sind undefinierbare Geräusche, die manche Menschen aus dem Schlaf reißen. Sie werden als extrem laut wahrgenommen und nur die Betroffenen können sie hören. Was hinter der Schlafstörung "Exploding Head"-Syndrom steckt.

Wer nachvollziehen möchte, wie sich das "Exploding Head"-Syndrom (EHS) anfühlt, sollte sich den Film "Memoria" mit Tilda Swinton in der Hauptrolle ansehen: In der ersten Szene wird Jessica, gespielt von Swinton, von einem gewaltigen Knall, als ob eine Betonkugel in fließendes Wasser fallen würde, aus dem Schlaf gerissen – sie bleibt nervös im Dunkel der Nacht zurück.

Ungewöhnliche Verhaltensweisen im Schlaf

Ähnlich wie der Filmfigur geht es, so die Schätzungen von Fachleuten, rund 10 bis 15 Prozent aller Menschen: Das "Exploding Head"-Syndrom tritt in der Übergangsphase zwischen Wachsein und Einschlafen auf, kann also auch in einer der kurzen Schlaf-Wach-Phasen in der Nacht vorkommen. Betroffen sind nach bisherigem Wissen meist Menschen über 50 Jahren, Frauen etwas häufiger. Wie oft es auftritt, variiert stark – von einmaligen Episoden bis hin zu mehreren Malen in einer Nacht.

Doch auch Jüngere kennen das Aufschrecken infolge nächtlicher Phantomgeräusche, wie eine ältere Übersichtsarbeit einer Forschungsgruppe um Brian Sharpless von der Washington State University zeigt. Die Forschenden befragten insgesamt 211 Studenten zu den Symptomen des "Exploding Head"-Syndroms. Rund 18 Prozent der Probanden – also fast jeder Fünfte – gaben an, das Phänomen mindestens einmal erlebt zu haben.

Erstmals beschrieben wurde das EHS bereits im Jahr 1876 vom US-Neurologen Silas Weir Mitchell. Betroffene berichteten damals, Schussgeräusche oder Pistolenknalle zu hören. Mitchell bezeichnete das Phänomen als "sensorischen Schock". Erst in den 1980er-Jahren prägte der Neurologe J. M. S. Pearce den heute gebräuchlichen Begriff "Exploding Head"-Syndrom.

Was passiert beim "Exploding Head"-Syndrom?

Das EHS gehört zu den sogenannten Parasomnien, also ungewöhnlichen Verhaltensweisen oder Erfahrungen, die kurz vor dem Einschlafen, während des Schlafs oder beim Aufwachen auftreten.

Kurz erklärt: Was sind Parasomnien?

  • Parasomnien können sowohl im REM-Schlaf (REM = rapid eye movement) oder im NREM-Schlaf (non-rapid eye movement) auftreten oder während des Wach-Schlaf-Überganges.
  • Zu den Parasomnien gehören Schlafwandeln, Sprechen im Schlaf, Zähneknirschen, Nachtangst (Pavor nocturnus), Albträume, Schlafparalyse (Schlaflähmung) oder Einschlafzuckungen, auch als myoclonic jerks oder hypnagoge Zuckung bekannt.
  • Parasomnien sind harmlos und vollkommen normal, solange sie nicht mit Schmerzen in Verbindung stehen oder zu belastenden Ein- oder Durchschlafstörungen führen.

Die Geräusche dabei ähneln einem lauten Knallen wie bei einer Explosion, einem Schuss oder Donner, manchmal wird auch von visuellen Erscheinungen, zum Beispiel Lichtblitzen, im Kopf berichtet. Bei einigen Betroffenen sind Herzrasen, Angstgefühle oder Schwitzen die Folgen, sodass es schwerfällt, wieder in den Schlaf zu finden.

Art der Schlafstörung bislang wenig erforscht

Wie genau die Phantomgeräusche entstehen, ist bislang nicht ausreichend erforscht. Möglicherweise bleiben auditive, visuelle und motorische Hirnareale aktiv, sodass Nervenzellen im Hör- und Sehzentrum des Gehirns unkontrolliert Reize ("spontanes Feuern") abgeben.

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Ursachen könnten laut Forschung Stress und psychische Belastung bis hin zu Erschöpfungszuständen, Alkohol und Koffein sein, aber auch neurologische Probleme wie Epilepsie, Migräne oder Medikamente, zum Beispiel Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine, stehen im Verdacht, Auslöser für das "Exploding Head"-Syndrom zu sein.

Diagnostik und Therapie oft schwierig

Viele Betroffene sprechen nicht über die lauten Geräusche, die sie aus dem Schlaf hochschrecken lassen – manche aus Scham, andere, weil sie diesen Ereignissen keine große Bedeutung beimessen und keinen Leidensdruck empfinden.

Oftmals taucht das EHS als Nebendiagnose in Anamnesegesprächen zu anderen Schlafstörungen, wie zum Beispiel Narkolepsie, auf – hier können halluzinogene Geräusche Teil des Krankheitsbildes sein.

Sind Menschen von Schlafstörungen betroffen, kann ein Schlaftagebuch Aufschluss geben; auch Untersuchungen im Schlaflabor oder spezielle Geräte für Polysomnografie, die Hirnströme (EEG), Augenbewegungen, Muskelaktivität, Herzfrequenz (EKG), Atemfluss, Sauerstoffsättigung und die Körperlage aufzeichnen, können herangezogen werden.

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Je nachdem, wodurch das "Exploding Head"-Syndrom ausgelöst wird, sind unterschiedliche Therapieansätze in Betracht zu ziehen: Grundsätzlich sollten Betroffene auf ausreichend und erholsamen Schlaf achten. Auch Entspannungstechniken, um Stress oder Ängste abzubauen, können hilfreich sein.

Verwendete Quellen

  • Clevelandclinic.org: Exploding Head Syndrome (EHS)
  • wiley.com: Exploding head syndrome is common in college students
  • dgsm.de: Parasomnien
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