Lanz perplex: "Dieser Krieg ist im deutschen Interesse?"
Lanz perplex: "Dieser Krieg ist im deutschen Interesse?"
Aktualisiert am 22.04.2026, 07:15 Uhr Lesedauer:3 Min.Die Lage im Nahen Osten gilt selbst für Experten als kaum durchschaubar. Bei Markus Lanz diskutierten Politiker und Fachleute über Trumps Kehrtwende, die Risiken militärischer Eskalation und mögliche Verhandlungslösungen. Am Ende stand die Frage, was davon eigentlich im deutschen Interesse liegt.
Eine TV-Nachlese von Natascha Wittmann Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Natascha Wittmann auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. Am Dienstag hat US-Präsident Donald Trump die Waffenruhe überraschend verlängert und so dem Iran mehr Zeit für eine Verhandlungslösung gegeben. Wie Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social verkündete, handle er auf Wunsch Pakistans und warte mit weiteren Angriffen ab, bis Irans Führung einen Vorschlag unterbreite.
Noch einen Tag zuvor hatte er gegenüber dem US-Sender CNBC gesagt: "Ich gehe davon aus, dass wir bombardieren werden, da dies die bessere Ausgangsposition ist." Grund genug für Markus Lanz, in seiner Sendung am Dienstagabend die unübersichtliche Lage sowie die US-Militärstrategie genauer zu analysieren.
US-Politik Trump verlängert Waffenruhe - Iran misstrauisch vor 2 StundenDie Gäste
- Jürgen Hardt: Außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion und Vizepräsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft
- Kristin Helberg: Nahost-Expertin
- Matthias Strohn: Militär-Experte und Professor der University of Buckingham
- Cathryn Clüver Ashbrook: Politologin
Der besondere Moment
ZDF-Moderator Markus Lanz blickte am Dienstagabend auf die unübersichtliche Lage in Nahost. "Blicken Sie da noch durch?", fragte Lanz in die Runde. CDU-Politiker Jürgen Hardt reagierte zwiegespalten und gab zu: "Es ist alles sehr unübersichtlich." Zeitgleich mahnte er: "Es kann eigentlich nur eine Verhandlungslösung geben und das weiß der Iran auch."
In Bezug auf den Krieg und die Erfolgsaussichten der US-Militärstrategie zeigte sich Politologin Cathryn Clüver Ashbrook wenig zuversichtlich. Sie sagte, Trump habe "die naiven Realitäten eines Benjamin Netanjahu geglaubt."
Dem konnte Militär-Experte Matthias Strohn nur zustimmen. Er verglich den Irankrieg mit den Konflikten in Afghanistan und im Irak und bemängelte "falsche Analysen zu Beginn" sowie "sehr viel Wunschdenken". "Da sind sehr viele Parallelen zwischen diesen einzelnen Konflikten", so Strohn. Ein Zustand, der laut Ashbrook viele Gefahren beinhalte, da das Vertrauen in einen "haltbaren Verhandlungsrahmen" inzwischen "absolut zerrüttet" sei.
"Die Iraner erwarten tatsächlich andauernd, dass die USA mit ihrem zwangsdiplomatischen Ansatz weiterhin (…) alle bisherigen Abkommen torpedieren", ergänzte die Politologin. Ashbrook warnte im Gegenzug vor weiteren iranischen Angriffen im Cyberbereich, in dem das Regime "über die Jahre sehr große Kapazitäten aufgebaut" habe. "Das wäre für den Iran jedenfalls eine mögliche Eskalierung, die dann tatsächlich eben noch mehr Auswirkungen haben könnte auf das diplomatische Umfeld", so Ashbrook.
Nahost-Expertin Kristin Helberg sah die Lage ähnlich prekär und sagte: "Ich denke, das iranische Regime ist bereit, Konzessionen zu machen – zurückzukehren zum Status vor diesem Krieg, was die Straße von Hormus angeht, Zugeständnisse zu machen beim Atomprogramm". Allerdings nur wenn sichergestellt sei, dass das Regime an der Macht bleibe und Sicherheitsgarantien bekomme, dass es keine weiteren Angriffe mehr gibt.
Der Schlagabtausch
Trotz der viel diskutierten Militärschläge gegen den Iran mahnte CDU-Politiker Jürgen Hardt, dass das iranische Regime "in Worten und Taten" nicht weniger als "die Vernichtung des Staates Israel propagiert" habe. Das müsse man ernst nehmen. Hardt fügte daher mit ernstem Blick hinzu: "Das Ziel, dass der Iran – der erklärt, der will Israel zerstören – nicht atomar bewaffnet wird, dieses Ziel halte ich für weiterhin richtig und unterstützenswert."
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Eine Steilvorlage für Lanz, der wissen wollte: "Dieser Krieg ist im deutschen Interesse?" Jürgen Hardt reagierte schwammig: "Im deutschen Interesse ist die Verhinderung, dass der Iran sich atomar bewaffnet." Kristin Helberg wollte dies nicht unkommentiert lassen und äußerte scharfe Kritik, dass Deutschland nach wie vor Waffen an die israelische Regierung liefere. "Panzerteile, die verbaut werden in Israel, die rollen durch Gaza", so die Nahost-Expertin. Deutschland sei damit aktiv beteiligt "an Vorwürfen wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen. Und Sie sprechen immer noch davon, dass das alles im deutschen Interesse ist. Das finde ich richtig erschreckend! Das ist entweder Realitätsverweigerung oder irgendwie Orientierungslosigkeit", so die Journalistin wütend.
Video Politikwissenschaftlerin "Wir haben wirklich viel zu verteidigen an dem, was wir erreicht haben." 29. September 2025Der CDU-Politiker wehrte sich prompt: "Das kann ich jetzt nicht nachvollziehen." Laut Jürgen Hardt habe Deutschland immerhin lange "an einer diplomatischen, einer vertraglichen Lösung der Verhinderung der atomaren Bewaffnung des Iran" gearbeitet. Helberg unterbrach den Politiker lautstark: "Genau, nur Israel wollte es nicht!" Hardt ließ sich davon nicht beirren und sagte energisch: "Der Vorwurf, wir würden hier auf kriegerische Methoden setzen – im Gegenteil!" Hardt wetterte weiter: "Jede einzelne Waffenlieferung wird in Deutschland sorgfältig geprüft." Ein Argument, das Helberg nicht überzeugen konnte. Sie stichelte: "Prüfen wir, was Israel damit macht?" © 1&1 Mail & Media/teleschau
Teaserbild: © ZDF / Cornelia Lehmann Feedback an die Redaktion