Kritik an Dobrindts Aussagen bei Vorstellung der Polizeistatistik
Türkische Gemeinde wirft Dobrindt Stimmungsmache mit Polizeistatistik vor
Aktualisiert am 20.04.2026, 18:49 Uhr © Reuters Lesedauer:2 Min.Kritiker werfen Dobrindt nach der Vorstellung der Polizeilichen Kriminalstatistik Stimmungsmache vor und verweisen auf zentrale Ursachen von Kriminalität.
Die Türkische Gemeinde in Deutschland hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) vorgeworfen, die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) zur Stimmungsmache gegen Migrantinnen und Migranten zu nutzen. "Es ist bekannt, dass Kriminalität primär soziale Ursachen hat", erklärte der Bundesvorsitzende Mehtap Caglar am Montag in Berlin. Zudem werde die Polizeistatistik durch Faktoren wie polizeiliche Kontrolldichte und auch ein anderes Anzeigeverhalten gegenüber "Fremden" verzerrt.
Dobrindt hatte bei der Vorstellung der Statistik auf einen Anteil von Ausländerinnen und Ausländern an Straftaten von 38,5 Prozent hingewiesen. Konkret nannte er Menschen aus Syrien und Afghanistan. Der Rückgang von Straftaten habe auch mit weniger irregulärer Migration zu tun.
Entwicklung bereitet Sorgen Zahl der gewalttätigen Kinder in Deutschland steigt vor 10 Stunden"Die Veröffentlichung des polizeilichen Tätigkeitsberichts wird immer dazu genutzt, Stimmung gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu machen", erklärte dazu Caglar. "Dunkelfeldstudien beweisen, dass die Migrationsgeschichte keine Rolle mehr spielt, sobald Faktoren wie der Bildungsweg oder der sozioökonomische Hintergrund vergleichbar sind", betonte er weiter.
Zudem warf Caglar Dobrindt vor, die Kriminalstatistik für eine "Inszenierung" zu nutzen, während der Minister zuvor eine aufwändige Studie über Rassismus in deutschen Behörden stillschweigend an einem Freitagnachmittag veröffentlicht habe. Diese Studie war im Februar ohne weitere Verlautbarung auf die Internetseite des Bundesinnenministeriums gestellt worden.
Hamburgs Innensenator warnt vor Fehlinterpretation
Vor Fehlinterpretationen der Zahlen zu ausländischen Straftäterinnen und Straftätern warnte auch Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD). Er verwies bei der Vorstellung der Kriminalstatistik auf Sondereffekte zum einen durch reisende Kriminelle ohne Wohnsitz in Deutschland und zum anderen durch einen besonders hohen Anteil junger Männer bei der Zuwanderung. Zudem sei die Zahl der Straftaten von Zuwanderinnen und Zuwanderern mit minus 9,2 Prozent sogar überproportional zurückgegangen.
Gegen eine "verkürzte Debatte auf einer wackeligen Datengrundlage", wandten sich auch die Grünen. "Migration wird zum Hauptproblem erklärt, statt Ursachen differenziert zu analysieren", kritisierte in der "Rheinischen Post" vom Montag Parlamentsgeschäftsführerin Irene Mihalic.
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"Wer Sicherheit ernst meint, darf aber nicht nach Bauchgefühl handeln, sondern muss kriminologische Erkenntnisse zur Grundlage machen und gezielt in Prävention investieren", fügte Mihalic, die selbst früher Polizeibeamtin war, hinzu. Das bedeute Armutsbekämpfung, Schulsozialarbeit "und auch Männerarbeit", da weiterhin vor allem junge Männer straffällig würden. (afp/dpa/bearbeitet von ng)
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