Kretschmann rechnet bei Lanz mit Merz ab: "Schlechtes Handwerk!"
Kretschmann rechnet bei Lanz mit Merz ab: "Schlechtes Handwerk!"
Aktualisiert am 13.05.2026, 08:41 Uhr Lesedauer:3 Min.Mit seinen Aussagen zur Rente sorgte Friedrich Merz jüngst für Furore im Land. Auch bei "Markus Lanz" geriet der Kanzler am Dienstagabend aufgrund fehlender Reformen in die Kritik. Besonders Grünen-Politiker Winfried Kretschmann fand deutliche Worte für das politische Handeln des CDU-Mannes.
Eine TV-Nachlese von Natascha Wittmann Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Natascha Wittmann auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Wie tief steckt die schwarz-rote Koalition in der Krise? Bei "Markus Lanz" zog Winfried Kretschmann nicht nur ein persönliches Resümee mit Blick auf seine politische Karriere. Er wagte auch einen Blick in die Gegenwart und Zukunft des Landes und kritisierte dabei die scheinbare Handlungsunfähigkeit von Bundeskanzler Friedrich Merz.
Der politische Ton gilt bereits seit Jahren als rau. Nicht nur die Ampelkoalition lieferte sich regelmäßig einen öffentlichen Schlagabtausch, sondern auch Schwarz-Rot scheint politisch nicht auf einen Nenner zu kommen. Kein Wunder also, dass die Zustimmungswerte für Bundeskanzler Friedrich Merz im freien Fall sind.
Statt gemeinsam mit der SPD Reformen umzusetzen, beschwerte sich der CDU-Politiker erst kürzlich im Interview mit dem "Spiegel"-Magazin und sagte über die teils scharfe Kritik zu seiner Person: "Kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen." Markus Lanz nahm dies zum Anlass, am Dienstagabend über das politische Klima in Deutschland zu debattieren.
Die Gäste
- Winfried Kretschmann: Grünen-Politiker und Ex-Ministerpräsident Baden-Württembergs
- Stephan Weil: SPD-Politiker und Ex-Ministerpräsident Niedersachsens
- Melanie Amann: Journalistin und Politikexpertin ("Funke")
Der besondere Moment
Am Dienstagabend zog Winfried Kretschmann ein Resümee nach 15 Jahren als Ministerpräsident Baden-Württembergs. Bei "Markus Lanz" sagte er ehrlich, dass er zwar "zufrieden aus dem Amt" gehe, aber "ein Großteil des Amtes war von schweren Krisen geprägt". Die Bewältigung der Corona-Pandemie sei ihm dabei besonders im Gedächtnis geblieben. Markus Lanz hakte nach: "Ist der Eindruck richtig, dass wir uns in Corona irgendwie verloren haben als Gesellschaft?" Kretschmann nickte: "Ein Teil hat sich verloren. (...) Verschwörungserzählungen haben sich ausgebreitet bis hin in Kreise (...), wo ich das selbst für völlig undenkbar gehalten hätte."
Auf politischer Ebene stellte Kretschmann dennoch klar, dass er bei den Corona-Maßnahmen stets sein Bestes gegeben habe: "Da habe ich mir echt nichts vorzuwerfen, das muss ich klipp und klar sagen. Ich werde oft aufgefordert, mich zu entschuldigen. In der Situation habe ich richtig gehandelt." Eine Aussage, die Journalistin Melanie Amann relativieren musste: "Trotzdem leben wir mit dem Problem, dass (...) Teile der Öffentlichkeit heute sagen: 'Das war gemein und wir fühlen uns bestätigt (...), dass das falsch war, was damals geschehen ist'."
SPD-Politiker Stephan Weil hielt dagegen: "Wir standen damals unter einem irrsinnigen Druck und wir hatten uns vorgenommen, so viele Menschenleben wie irgend möglich zu retten." Der ZDF-Moderator wagte schließlich einen Blick ins Hier und Jetzt und sprach den politischen Ton an, der seit Corona "deutlich rauer" geworden sei.
Corona-Aufbaufonds Spanien soll Milliarden aus EU-Topf zweckentfremdet haben vor 1 TagMelanie Amann stimmte zu und äußerte Kritik an der aktuellen Bundesregierung. Besonders Friedrich Merz bekam sein Fett weg: "Dieser Mann kreist um sich selbst und ich weiß nicht, ob er dem Druck gewachsen ist, den dieses Amt mit sich bringt."
Auch Stephan Weil musste zugeben: "Wer Bundeskanzler wird, der muss ein dickes Fell haben." Dennoch habe Merz "recht damit, dass (...) auch Bundeskanzler als Menschen (...) Anspruch auf Respekt haben und das teilweise völlig verloren gegangen ist".
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Winfried Kretschmann brachte es derweil auf den Punkt und sagte: "Man streitet nicht dauernd öffentlich herum. Man stellt nicht Forderungen auf, von denen man weiß, dass der Koalitionspartner das gar nicht machen wird. Das ist einfach schlechtes Handwerk!"
Nach 15 Jahren Baden-Württemberg nimmt Abschied von Kretschmann vor 13 TagenÄhnlich deutlich sprach der Grünen-Politiker auch über die wirtschaftliche Krise in Baden-Württemberg, die er als "dramatisch" beschrieb: "Wir haben einen massiven Arbeitsplatzabbau."
Mit Blick auf die Gesamtlage Deutschlands warnte Kretschmann derweil, dass ein Großteil der Gesellschaft "im Sicherheitsdenken" sei und "das Gefühl dafür verloren" habe, "dass dieser Wohlstand hart durch Produktivitätsfortschritte" erarbeitet werden müsse. "Wir sind nicht einfach selbstverständlich eine führende Industrienation", so der Politiker. Abschließend sagte er dennoch hoffnungsvoll: "Wir müssen jetzt in die Infrastruktur investieren. Das kostet Geld, aber auf mittlere Sicht werden wir alle anderen hinter uns lassen." © 1&1 Mail & Media/teleschau
Teaserbild: © ZDF/Cornelia Lehmann Feedback an die Redaktion