Verbrauchermagazin24

Nehmen Sie Kontakt auf

Kollaps von wichtiger Meeresströmung wahrscheinlicher als gedacht

Aktuelle Klimanews

Kollaps der Atlantikströmung wahrscheinlicher als gedacht

Aktualisiert am 22.04.2026, 20:17 Uhr Neue Studien zeigen: Die Atlantikströmung AMOC gibt Anlass zur Sorge. (Symbolbild) © Getty Images/FrankRamspott Lesedauer:5 Min. Von Julia Wolfer

Neue Erkenntnisse zur Atlantikströmung AMOC sind laut Experten "sehr besorgniserregend". Laut einer Studie greifen durch eine kleine Änderung im Angebot deutlich mehr Kantinengäste zu fleischfreien Alternativen. Und Haie geraten durch die Klimaerwärmung stark unter Druck. Das und mehr in den aktuellen Klimanews.

2025 war das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und passt damit in ein alarmierendes Muster: Die elf heißesten Jahre wurden allesamt in den vergangenen elf Jahren registriert. Prognosen zufolge steuert die Welt bis zum Ende des Jahrhunderts auf eine Erderwärmung von rund 2,8 Grad zu.

Diese Entwicklung zu bremsen und ihre Folgen beherrschbar zu halten, ist eine der zentralen Herausforderungen für die Menschheit. In dieser Serie halten wir Sie über die aktuellen News und Entwicklungen rund ums Klima auf dem Laufenden.

+++

Neue Studie sieht Atlantikströmung AMOC näher am Kipppunkt

Die Atlantische Umwälzzirkulation (Atlantic meridional overturning circulation – AMOC) ist einer neuen Studie zufolge offenbar deutlich stärker vom Zusammenbruch bedroht, als bislang angenommen. Klimaforschende nutzen Dutzende verschiedene Computermodelle, um Klimaentwicklungen zu beurteilen. Für das komplexe AMOC-System liefern die Modelle sehr unterschiedliche Ergebnisse.

Für die neue Studie kombinierten Forschende reale Ozeanbeobachtungen mit Modellen, um die zuverlässigsten Daten zu ermitteln und Unsicherheit zu reduzieren. Sie kommen zu dem Schluss, dass jene Szenarien, die bislang als besonders pessimistisch galten, der Realität offenbar am nächsten kommen. Bis zum Jahr 2100 könnte sich die Strömung demnach um bis zu 58 Prozent verlangsamen – ein Wert, der nach Einschätzung von Expertinnen und Experten nahe an einem Kipppunkt liegt.

Die AMOC spielt eine zentrale Rolle im globalen Klimasystem, indem sie warmes Wasser aus den Tropen nach Norden transportiert. Ein Zusammenbruch hätte weitreichende Folgen für Europa, Afrika und Amerika: extrem kalte Winter in Westeuropa, Dürren im Sommer, eine Verschiebung der tropischen Regenzone sowie ein Anstieg des Meeresspiegels im Atlantikraum um bis zu einem Meter.

Karte des Golfstroms und großen Nordatlantikströmungen, die gemeinsam die AMOC bilden. © Getty Images/PeterHermesFurian

Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung nannte die Ergebnisse laut "Guardian" "sehr besorgniserregend". Er betonte, dass ein Zusammenbruch "um jeden Preis" verhindert werden müsse. "Die dramatischsten und einschneidendsten Klimaveränderungen der letzten 100.000 Jahre Erdgeschichte traten auf, als der Atlantische Ozean in einen anderen Zustand überging."

Als Hauptursache für die Abschwächung gilt die rasche Erwärmung der Arktis: Wärmeres Wasser hat eine geringere Dichte und sinkt langsamer ab – ein Prozess, der den globalen Zirkulationsstrom ausbremst.

Die Unsicherheiten bleiben zwar groß, doch die Verlangsamung könnte im Jahr 2100 sogar noch stärker ausfallen als in der neuen Prognose. Bislang wurde in Computermodellen das Schmelzwasser des grönländischen Eisschildes, das ebenfalls eine geringere Dichte als Meerwasser hat, nur unzureichend berücksichtigt. "Das ist ein weiterer Faktor, der die Realität wahrscheinlich noch dramatischer erscheinen lässt", sagt Rahmstorf.

+++

Kleine Maßnahme senkt CO2-Ausstoß in Kantinen deutlich

Kleine Veränderung mit großer Wirkung: Wenn Kantinen täglich ein Fleischgericht durch ein vegetarisches Gericht austauschen, greifen deutlich mehr Menschen zur fleischfreien Option. Das zeigt eine neue Untersuchung der University of Oxford.

Für die Studie ersetzten sechs Betriebskantinen in England für sieben Wochen jeweils ein Fleischgericht pro Tag durch eine vegetarische Alternative. Die Gäste wurden über die Änderung nicht informiert – Preise, Auswahl und Präsentation blieben unverändert. Fleischgerichte wurden ebenfalls weiter angeboten, doch das Verhalten änderte sich spürbar: Die Wahrscheinlichkeit, ein fleischloses Gericht zu wählen, stieg um rund 41 Prozent.

Dadurch änderte sich nicht nur der Fleischverbrauch der Kantinen, sondern auch die Umweltbilanz: Im Durchschnitt sanken die Emissionen um 0,16 Kilo CO2-Äquivalente pro Mahlzeit (8,5 Prozent). Gleichzeitig nahmen auch die Kalorien sowie der Anteil gesättigter Fettsäuren und Salz ab, was der Gesundheit der Gäste zugutekommt.

Was sind CO2-Äquivalente?

  • Kohlenstoffdioxid (CO2) ist das bekannteste, aber nicht das einzige Treibhausgas. Andere sind Wasserdampf, Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Um die Auswirkung verschiedener Treibhausgase auf die Temperatur an der Erdoberfläche zu vergleichen, benutzt man das Konzept der "CO2-Äquivalente". Dabei wird die Menge eines Treibhausgases in die entsprechende Menge CO2 umgerechnet. Quelle: Helmholtz Klimainitiative.

Die Portionen waren zwar im Schnitt rund 13 Gramm leichter, laut weiterer Berechnungen ließ sich der positive Effekt aber nicht allein darauf zurückführen. Dem Umsatz der Kantinen schadete die Umstellung indes nicht: Die Absatzzahlen blieben konstant.

Allein in Deutschland aßen 2023 laut einem Bericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung täglich rund neun Millionen Beschäftigte in Betriebskantinen. Würde das Modell hierzulande flächendeckend umgesetzt, könnten demnach bei 220 Arbeitstagen jährlich 317.000 Tonnen CO2-Äquivalente eingespart werden. Das entspricht grob geschätzt den durchschnittlichen Emissionen von 235.000 Kleinwagen.

+++

E-Auto-Boom in Deutschland: Hohe Spritpreise treiben die Nachfrage

Kolumne Erfolgsmodelle Saubere Luft: Zwei deutsche Städte auf der Erfolgsliste vor 16 Tagen von Elena Matera (RiffReporter)

Der Krieg im Iran verändert das Bild auf Europas Straßen – auch in Deutschland. Steigende Preise für Benzin und Diesel sorgen dafür, dass sich immer mehr Autofahrerinnen und Autofahrer für Elektrofahrzeuge entscheiden. Laut einer Analyse nationaler Verkaufsdaten in 15 Ländern durch New AutoMotive und E-Mobility Europe wurden allein im März europaweit rund 224.000 neue E-Autos zugelassen – ein Plus von 51 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

In Deutschland wurden im ersten Quartal 42 Prozent mehr Elektroautos verkauft. Auch Italien, Frankreich, Spanien und Polen verzeichneten Zuwächse von über 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Aussicht auf günstigere Fortbewegung durch Strom gegenüber fossilen Kraftstoffen macht den Umstieg für viele Menschen offenbar attraktiver.

Der dadurch sinkende Ölverbrauch könnte Europas Abhängigkeit von fossilen Importen langfristig verringern. Nach Berechnungen von E-Mobility Europe hat der bisherige Umstieg die jährliche Nachfrage an Tankstellen um rund zwei Millionen Barrel Öl reduziert. Das entspricht grob den durchschnittlichen CO2-Emissionen von rund 640.000 Kleinwagen pro Jahr.

+++

Klimakrise bringt Haie an ihre Grenzen

Eine neue Studie zeigt: Große Raubfische wie Haie und Thunfische leiden besonders unter den steigenden Wassertemperaturen. Einige dieser Tiere besitzen die Fähigkeit, die Temperatur bestimmter Körperbereiche über der Umgebungstemperatur zu halten. Was ihnen bei Jagd und Geschwindigkeit Vorteile bringt, wird in sich erwärmenden Gewässern jedoch zum Problem: Vor allem große Tiere produzieren Wärme schneller, als sie sie an ihre Umgebung abgeben können. Ihnen droht dann eine Überhitzung.

Hinzu kommt ein hoher Energiebedarf: Die sogenannten mesothermen Fische benötigen deutlich mehr Nahrung als andere Arten. Weil durch Überfischung und Klimawandel vielerorts die Bestände ihrer Beutetiere schwinden, verschärft sich ihre Lage zusätzlich.

Die Studie zeigt zudem, dass bereits Temperaturen von rund 17 Grad für besonders große Exemplare kritisch werden können. Die Tiere müssen dann ihr Verhalten anpassen, etwa langsamer schwimmen oder in kühlere Tiefen abtauchen. Forschende beobachten bereits, dass solche Arten vermehrt in kühlere, tiefere oder nördlichere Regionen ausweichen – mit möglichen Konsequenzen für ihre Jagderfolge.

Empfehlungen der Redaktion

  • Warum sich die Eisheiligen nicht an den Kalender halten
  • Diese Promis verursachen mit Privatjets den größten Klima-Schaden
  • Zwei Regionen in Deutschland drohen mehr Hitzewellen

Viele der betroffenen Arten gelten bereits als gefährdet. Forschende warnen daher, dass sich durch den Klimawandel ihr Lebensraum weiter verkleinert und die Tiere physiologisch an ihre Grenzen geraten. Ähnlich erging es offenbar auch dem Urzeit-Hai: Fossile Funde deuten darauf hin, dass dem Megalodon frühere Klimaveränderungen besonders zusetzten.

Verwendete Quellen

  • Fachjournal Sciences Advances, Portmann et al., 2026: "Observational constraints project a ~50% AMOC weakening by the end of this century"
  • guardian.com: "Critical Atlantic current significantly more likely to collapse than thought"
  • Fachjournal International Journal of Behavioural Nutrition and Physical Activity, Becker et al., 2026: "The effect of increasing availability of vegetarian meals on their sales in worksite cafeterias: a stepped-wedge cluster randomised controlled trial"
  • dge.de: "Wie viele Menschen essen in Deutschland täglich in der Gemeinschaftsverpflegung?"
  • statista.com: "So viel CO₂ stoßen Autos aus"
  • emobilityeurope.org: Pressemitteilung "European EV sales surge 51% as Middle East conflict puts oil dependence in the spotlight” (PDF)
Feedback an die Redaktion