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Kiewel feiert 40 Jahre "Fernsehgarten" – aber die Party bleibt aus

Kritik ZDF-Fernsehgarten

Kiewel feiert 40 Jahre "Fernsehgarten" – aber die Party bleibt aus

Aktualisiert am 11.05.2026, 19:35 Uhr 40 Jahre "ZDF Fernsehgarten" – doch die große Geburtstagsparty bleibt aus. Nur Guido Maria Kretschmers bissige Kommentare zu Andrea Kiewels alten Outfits sorgen für echte Unterhaltung. (Archivbild) © IMAGO/BOBO Lesedauer:4 Min.

Seit 40 Jahren wird der Mainzer Lerchenberg immer sonntags nun schon zum "ZDF Fernsehgarten". Das sollte eigentlich am Sonntagmittag groß gefeiert werden, aber außer ein paar lustiger Bemerkungen von Designer Guido Maria Kretschmer zu Andrea Kiewels Outfit-Historie kam nicht so recht Partystimmung auf. Vielleicht ja, weil Semino Rossi und Scooter fehlten.

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Es gibt einen Grund, den 29. Juni 1986 als einen nicht ganz so glücklichen Tag in Erinnerung zu behalten. Zumindest für Fans der deutschen Fußballnationalmannschaft. Die unterlag an diesem Tag nämlich Argentinien im WM-Finale von Mexiko mit 3:2. Für Fans seichter Fernsehunterhaltung war der 29. Juni 1986 dagegen ein Glückstag. Denn da sendete das ZDF die erste Ausgabe seines "Fernsehgartens" und hat damit bis zum heutigen Tag nicht aufgehört.

Auch wenn es ein paar Wochen zu früh dafür ist, feiert ebendieser "Fernsehgarten" am Sonntagmittag seinen 40. Geburtstag und weil es zu jeder "Fernsehgarten"-Ausgabe auch immer ein Motto gibt, hat man sich einfach dieses Jubiläum als Motto genommen – Geburtstagsfeierfrühstart hin oder her. Kiewel erklärt das später damit, dass es nicht die Jubiläumsshow sei, "sondern die erste Show im Jubiläum."

In der Tat findet man im Terminkalender der Show keine Geburtstagsausgabe, was bedeutet, dass man den eigentlichen Geburtstag entweder nie feiert oder eben in jeder Ausgabe. So oder so ist das Motto dieser ersten Ausgabe eigentlich nicht korrekt, aber weil solche Details beim "ZDF Fernsehgarten" noch nie jemanden gestört haben, beginnt der Off-Sprecher diese erste Ausgabe des Jahres eben mit einem "40 Jahre ‚ZDF Fernsehgarten‘ und wann startet die Party? Genau jetzt!"

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Guido Maria Kretschmer: "Das ist für mich die Endstufe"

Nach einer langen Kamerafahrt durch verschiedene Tanztruppen geht sie dann los diese Geburtstagsnichtgeburtstagsparty und für die holt der Off-Sprecher erneut aus und dann Gastgeberin Andrea Kiewel auf die Bühne. "Es kann nur eine geben. Sie ist der ‚Fernsehgarten‘", behauptet der Sprecher. Eine äußert heikle Aussage, denn wenn man eine Person mit ihrem Werk gleichsetzt, dann gibt es keine Trennung mehr. Dann ist jede Kritik an Kiewel auch eine Kritik am "Fernsehgarten" und umgekehrt. Eine Konstellation, die unweigerlich zu Problemen führen wird.

Aber Kritik gehört ohnehin nicht zu einer Heile-Welt-Show und erst recht nicht auf deren Jubiläums-Ausgabe. Das Kritischste, das man an diesem Sonntag hört, ist die Bewertung verschiedener Outfits, die Kiewel in ihrer "Fernsehgarten"-Zeit so getragen hat und ironischer Weise gehört diese Kritik zu den unterhaltsamsten Momenten der Show. Denn die Kritik kommt von Designer Guido Maria Kretschmer und der nimmt Kiewels Outfits mit derselben spitzen Zunge auseinander, die er in vielen Jahren seiner eigenen Show "Shopping Queen" geschult hat.

Da fällt Kretschmer zuerst ein 1990er-Girlie-Outfit aus blauer Jeans und violettem Träger-Shirt ins Auge, das die Moderatorin während der Stillzeit getragen habe und Kretschmer fragt ein wenig frech, ob sie dazu auch noch einen Still-BH getragen habe. "Da siehst du gar nicht aus wie Kiwi", meint Kretschmer. Nur ein Outfit findet Kretschmer noch schlimmer: "Das ist für mich die Endstufe", urteilt der Designer über eine Kombination aus einem Rock und einem Oberteil mit sehr grobem Print. "Das ist wie so auf einer Kaffeefahrt, wo man denkt: Ich möchte nichts kaufen", spottet Kretschmer.

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"Scooter und Semino Rossi zusammen"

Aber ein Guido Maria Kretschmer alleine reicht natürlich nicht für eine Party und so reicht das ZDF noch Anderes, von dem es glaubt, eine Jubiläumsstaffeleröffnungsshowstimmung zaubern zu können. Dazu gehören natürlich auch Rückblicke und so zeigt Kiewel Ausschnitte aus dem 1986er-Intro und lässt die Eröffnungsmelodie danach von Musikmultitalent Marti Fischer im Stile der vergangenen vier Jahrzehnte neu arrangieren. Auch das ist natürlich nur ein grobschlächtiger Ansatz, schließlich gab es in jedem Jahrzehnt vollkommen unterschiedlich Musikstile, und so werden es eben am Ende nur verschiedene Radiopop-Varianten à la Modern Talking, Coldplay oder David Guetta.

Fischer macht damit eigentlich nur das, was er auf seinem Youtube-Kanal ohnehin immer macht, nur dass er diesmal die Gelegenheit bekommt, das typische "Fernsehgarten"-Playback zu versemmeln, als er mal in die Tasten greift und mal nicht. Aber mit diesem musikalischen Playback-Gemischtwarenladen repräsentiert er eigentlich ganz gut, was die Kernaufgabe der Musiker im "Fernsehgarten" ist und immer war: mit maximal massentauglicher Mitklatschmusik für zwei Stunden stumpf Gute-Laune aus den Zuschauern zu stampfen.

"Scooter und Semino Rossi zusammen", wird Kiewel später dieses musikalische Konzept des "Fernsehgartens" bezeichnen, meint aber wahrscheinlich eher "hintereinander" als "zusammen". Denn Scooter und Semino Rossi zusammen wäre selbst für den "Fernsehgarten" ein bisschen drüber. An diesem Sonntag gibt es ohnehin weder Scooter noch Semino Rossi, stattdessen sollen Beatrice Egli, Vanessa Mai, Twins on Ice, Deine Freunde, Peggy March, Hugo Egon Balder und die Bad Falling Bostels sowie Stereoact x Lena Marie Engel das Musikmotto umsetzen.

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Wo ist die Party?

Und sonst so? Sonst köchelt die Partystimmung der Jubiläumseröffnungsshow ein bisschen auf niedriger Temperatur vor sich hin. Palina Rojinski macht Werbung für ihren neuen Film, "Fernsehgarten"-Koch Armin Roßmeier hat 1.000 Pralinen vorbereitet und verschiedene Tanzgruppen, nun ja: tanzen. Die einschläfernde Wirkung von langsamer Geschwindigkeit im Fernsehen völlig unterschätzt hat die Redaktion dann bei der Einladung von Bob-Anschieber Georg Fleischhauer.

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Im Gespräch mit Kiewel zeigt sich der Doppel-Olympia-Sieger zwar redegewandt und sympathisch, als sich Kiewel und Fleischhauer dann gegenseitig in einem Bob anschieben sollen, wirkt das Ganze wegen fehlender Action jedoch maximal dröge. Für die versprochene Party reicht das alles nicht so recht, vielleicht auch und gerade deshalb, weil man sich gegen eine richtige Geburtstagsfeier und für eine Jubiläumsstaffeleröffnungsfeier entschieden hat. Aber Kiewel hat ja nun noch 19 weitere Ausgaben lang Zeit, die Zuschauer in Feierlaune zu bringen – vielleicht können ja Scooter oder Semino Rossi dabei helfen.

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