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Kanadier wollen in die EU – aber Hürden sind enorm

Umfrage zeigt

Kanadier wollen in die EU – aber Hürden sind enorm

Aktualisiert am 14.04.2026, 17:40 Uhr Kanadas Premierminister Mark Carney kann sich eine engere Zusammenarbeit mit der EU durchaus vorstellen. (Archiv) © IMAGO/ZUMA Press/Sean Kilpatrick Lesedauer:4 Min.

Seit Trump wieder im Weißen Haus sitzt, setzt der US-Präsident Kanada massiv unter Druck. Etwa mit Strafzöllen und der Drohung, das Land zum 51. US-Bundesstaat zu machen. Die Reaktion: Eine Mehrheit der Kanadier wendet sich Europa zu.

Was vor wenigen Jahren noch als absurde Idee abgetan worden wäre, findet in Kanada inzwischen breite Zustimmung: Knapp 60 Prozent der Kanadierinnen und Kanadier befürworten es ganz oder überwiegend, wenn ihr Land der EU beitreten würde.

Das ergab eine repräsentative Erhebung der großen kanadischen Tageszeitung "Globe and Mail", wie der "Spiegel" berichtet. Nicht einmal ein Drittel der Befragten sprach sich dagegen aus. Bereits im März hatten 58 Prozent in einer früheren Umfrage gefordert, die Idee zumindest weiterzuverfolgen.

Wer sich nach Gründen für diesen Sinneswandel der kanadischen Bevölkerung umsieht, muss nur südlich der Grenze schauen. Seitdem dort erneut US-Präsident Donald Trump regiert, ist die Beziehung der beiden Länder merklich abgekühlt.

Trumps Drohungen haben tiefe Spuren hinterlassen

Trump setzt den nördlichen Nachbarn massiv unter Druck – mit Strafzöllen, Spott und der wiederholt geäußerten Drohung, Kanada zum "51. Bundesstaat" der USA zu machen.

Das Vertrauen der Kanadier in ihren einst wichtigsten Verbündeten ist dadurch dramatisch gesunken: 58 Prozent betrachten die Vereinigten Staaten nicht mehr als verlässlichen Partner, lediglich 37 Prozent sehen sie noch als Verbündeten, wie die "Bild" berichtet.

In den Regalen der Spirituosengeschäfte in British Columbia fehlt mittlerweile der Bourbon aus den USA. In kanadischen Cafés wird angeblich nicht mehr "Americano", sondern "Canadiano" bestellt. Kleine Gesten – aber sie verdeutlichen, wie tief der Riss zwischen den Nachbarländern inzwischen reicht.

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Carney als Stimme des Widerstands

Profitiert hat von dieser Stimmung vor allem Premierminister Mark Carney. Der frühere Zentralbankchef, der in Oxford studierte und fließend Französisch spricht, gewann die Wahl auf einer Welle aus US-Kritik und liberal-patriotischem Aufbruch. So zählte Washington auch nicht zu den ersten Zielen seiner Antrittsbesuche – stattdessen ging es zunächst nach Paris und London. Kanada sei der "europäischste aller nicht europäischen Staaten", erklärte er dort.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte Carney besonders durch seine Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos, die mit Begeisterung aufgenommen wurde. "Die alte Ordnung wird nicht zurückkommen. Wir sollten ihr nicht nachtrauern. Nostalgie ist keine Strategie", so Carney, der damit unter anderem auf die Politik von Trump anspielte.

Auch direkte Kritik an den USA äußerte er damals: "Die Zeit der gutnachbarlichen Beziehungen ist vorbei." Den Europäern rief er zu: "Wenn wir nicht mit am Tisch sitzen, stehen wir auf der Speisekarte."

Experten sehen tiefes Misstrauen – aber wenig Realismus

US-Politologe Jonathan Cristol ordnet die Umfrageergebnisse differenzierter ein. Trump sei eher der Auslöser für die Umfrage gewesen als für die Antworten, heißt es bei "Bild". Entscheidend für die kanadische EU-Euphorie sei vielmehr die Aussicht auf "Jobs und Chancen in ganz Europa".

Politikprofessor Scott Erb hält einen tatsächlichen Beitritt für "sehr unwahrscheinlich", sieht aber Potenzial für vertiefte transatlantische Handelsabkommen. Sein Fazit: "Dass diese Debatte überhaupt geführt wird, zeigt tiefes Misstrauen vieler Kanadier gegenüber den USA unter Präsident Trump."

Konservative Stimmen in Kanada bewerten die Idee hingegen als verfehlt. Die "National Post" nannte sie "strategisch unsinnig" und "extrem dumm". Die Argumente: Kanadas Wirtschaft sei zu eng mit den USA verflochten, eine EU-Mitgliedschaft würde die Souveränität beschneiden und bestehende Handelsstrukturen verkomplizieren.

Kanadas Premier kündigt neuen Kurs an

Aktualisiert am 28.01.2026, 16:07 Uhr Kanadas Premierminister Mark Carney erläutert in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die neue Strategie seines Landes. Carney setze künftig auf Eigenständigkeit und Flexibilität in der Wahl der Handels- und Bündnispartner.

Juristische Hürden machen Beitritt nahezu unmöglich

Selbst wenn der politische Wille auf beiden Seiten vorhanden wäre – die rechtlichen Hindernisse sind erheblich. Artikel 49 des EU-Vertrags legt unmissverständlich fest, dass nur ein "europäischer Staat" Mitglied der Union werden kann.

Obwohl der Begriff nicht abschließend definiert ist und auch kulturelle Aspekte umfasst, liegt Kanada geografisch eindeutig auf der falschen Seite des Atlantiks. Eine Vertragsänderung bräuchte breite politische Unterstützung und würde sich über Jahre hinweg ziehen.

Hinzu kommt: Kanada ist kein Mitglied des Europarats. Selbst das deutlich weniger ambitionierte Freihandelsabkommen CETA zwischen Brüssel und Kanada konnte bislang nicht vollständig in allen EU-Staaten ratifiziert werden. Zudem fließen noch immer 75 Prozent aller kanadischen Exporte in die Vereinigten Staaten – eine wirtschaftliche Abhängigkeit, die sich nicht über Nacht auflösen lässt.

Auch Europa zeigt sich interessiert

Die Annäherung ist keine Einbahnstraße. Aus europäischer Perspektive bietet Kanada enormes Potenzial: 24 der 34 als kritisch eingestuften Rohstoffe der EU – darunter Lithium, Nickel, Kobalt und seltene Erden – lagern in dem flächenmäßig zweitgrößten Land der Erde.

Wer sich glaubhaft von China lösen und etwa Batterien für Elektrofahrzeuge produzieren wolle, brauche genau solche Partner, so die Einschätzung in Brüssel. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete Kanada deshalb als "perfect match".

Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot äußerte sich mit den knappen Worten: "Warum nicht?". Auch der frühere deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich bereits im vergangenen April für eine Aufnahme Kanadas in die EU ausgesprochen.

Realistischer: Neue Allianzen statt formaler Mitgliedschaft

Wahrscheinlicher als ein EU-Beitritt erscheinen engere Kooperationsformate. Carney hatte in Davos eine "Allianz der mittelgroßen Mächte" beschworen. In Expertenpapieren ist laut "Spiegel" von einer "New-Nordic-Security and Trade-Alliance" die Rede – womöglich auch als Alternative zur Nato, sollte deren Zusammenhalt unter Trump weiter erodieren.

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Ein kleiner Trost für EU-begeisterte Kanadier: Beim Eurovision Song Contest scheint eine Teilnahme Kanadas inzwischen in greifbarer Nähe zu sein. Ein symbolischer Schritt – aber einer, der zeigt, wie sehr sich die Koordinaten in der transatlantischen Welt verschoben haben. (the)

Verwendete Quellen

  • Spiegel (Bezahlinhalt): Warum Kanada plötzlich in die EU will
  • Bild: Frust über Trump-USA: Mehrheit der Kanadier offen für EU-Beitritt
  • Transparenzhinweis

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