Journalist zerlegt den "Mythos Merz"
Journalist zerlegt den "Mythos Merz"
Aktualisiert am 13.05.2026, 05:56 Uhr Die Annahme, dass Merz als Mann der Wirtschaft der richtige Kanzler sei, hat sich laut Hajo Schumacher als Mythos erwiesen. © WDR/Oliver Ziebe Lesedauer:3 Min.Bei "Maischberger" waren am Dienstag unter anderem Linken-Politiker Gregor Gysi, der ehemalige Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und der Journalist Hajo Schumacher zu Gast. Im Studio ging es um die Beliebtheitswerte des Kanzlers, schmerzliche Reformen und den "Mythos Merz". De Maizière war sich sicher, dass ein bestimmter Irrglaube endlich enden muss.
Eine TV-Nachlese von Marie Illner Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Marie Illner auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Das ist das Thema bei "Maischberger"
Seine Beliebtheitswerte sind im Keller, nun kassierte er jede Menge Buh-Rufe beim DGB-Besuch. Ist die Kritik an Kanzler Friedrich Merz berechtigt? Darüber debattierte Sandra Maischberger am Dienstagabend mit ihren Gästen. Im Einzelinterview mit Militärexperte Carlo Masala widmete sie sich außerdem der Frage: Will Putin jetzt wirklich über den Krieg verhandeln?
DGB-Konferenz Der Kanzler und das Pfeifkonzert vor 12 Stunden von Rebecca SawickiDas sind die Gäste
- Gregor Gysi (Linke): Der Linken-Politiker kritisierte, dass Merz immer "nach unten" schaue – auf Geflüchtete, Grundsicherungsempfänger, Rentner oder kranke Arbeitnehmer. "Was mich stört: Warum guckt der nie nach oben? Wenn ich dort nicht mehr Gerechtigkeit herstelle, werden mir die Leute nie glauben, wenn ich unten etwas wegnehme", so Gysi.
- Thomas de Maizière (CDU): Der ehemalige Innenminister sagte: "Ich erlebe jetzt, dass viele ältere Politiker dabei sind, massiv die Regierung zu kritisieren. Ich finde das nicht in Ordnung." Die Regierung wisse selbst, dass sie besser werden müsse. Die Umstände, gut zu regieren, seien ungleich schwieriger geworden.
- Carlo Masala: Der Militärexperte sagte: "Es läuft in der Ukraine nicht gut aus der russischen Perspektive, Russland verliert global an Einfluss – sie sind aus Venezuela und Syrien draußen, der Iran ist geschwächt. Alle russischen Verbündeten sind momentan sehr geschwächt, Europa ist das letzte Spielfeld." Strategisch gesehen, so die Sicht mancher Beobachter, könne für Russland nun die beste Zeit sein, die Nato zu testen. "Ich glaube: Solange Russland in der Ukraine gebunden ist, werden sie das nicht tun."
- Anette Dittert: Die Journalistin war bis vor kurzem Leiterin des "ARD"-Studios in London. Sie analysierte: Merz spreche oft in Ich-Formulierungen, statt ein Wir-Gefühl zu erzeugen und tue immer wieder so als würden die Bürger "Naturgesetze" einfach nicht verstehen. "Diese Rhetorik ist es, die Merz immer wieder so unsympathisch macht oder wo die mangelnde Empathie herkommt, die ihm immer wieder vorgeworfen wird", war sie sich sicher.
- Robin Alexander: Der Journalist mit dem Podcast "Machtwechsel" meinte zu einem vorzeitigen Regierungs-Aus: "Ich halte das mittlerweile für möglich." Es scheine für die politische Mitte viel schwieriger geworden zu sein, sich zusammenzusetzen und gemeinsam Lösungen zu finden.
- Hajo Schumacher: Der Kolumnist war sich sicher: Die CDU ist dem "Mythos Merz" aufgesessen. "So von wegen: 'Der kann das.' Seitdem er damals abgetreten ist, umgibt ihn so eine Aura. Und je länger er weg war, desto größer wurde sie", sagte er. Die Annahmen, dass Merz als Mann der Wirtschaft, als einer, der sparen und führen könne, der richtige sei, hätten sich als Mythos erwiesen.
Der Schlagabtausch
Gysi und de Maizière stritten über die Gesundheitsreform. Gysi machte einen Vorschlag: "Die Krankenkassen müssen die gesamte Gesundheitsversorgung für die Grundsicherungsempfänger bezahlen, die aber logischerweise keine Beiträge bezahlen. Wenn wir das aus Steuern bezahlen, werden die Krankenkassen so entlastet, dass sie nicht – wie jetzt – darauf verzichten, Untersuchungen gegen Krebs zu bezahlen." Die ganze Richtung der jetzigen Reform sei falsch. Ein Krankenhaus dürfe sich nicht "rechnen müssen", sondern gehöre zur öffentlichen Daseins-Vorsorge.
De Maizière hielt dagegen: "Wir haben genug Geld im Gesundheitswesen. Wir zahlen mit am meisten in der Europäischen Union pro Kopf, wir haben die meisten Krankenhausbetten pro Einwohner – wir leben aber nicht länger. Wir haben die meisten Fachärzte pro Einwohner – wir sind einfach massiv ineffizient im Gesundheitswesen." Mehr Geld sei der falsche Weg, es müsse effizienter werden.
Proteste gegen Gesetzespläne Kritik am Gesundheits-Sparpaket: "Schlag ins Gesicht der Versicherten" vor 12 TagenDer besondere Moment
Viel Applaus bekam Journalistin Dittert für ihre Einlassungen zur Frage, warum die Briten in Regionalwahlen Nigel Farage wiederwählen, der ihnen den Brexit eingebrockt hat – obwohl er nachweislich geschadet hat. "Ein einmal vom Rechtspopulismus zerrissenes und kaputt gemachtes Land ist noch anfälliger für eine zweite Welle des Rechtspopulismus", meinte sie.
Deshalb sei es besonders besorgniserregend, was in Deutschland passiere. "Diese Art von offener Streiterei ist genau das, was den Rechtspopulisten nützt. Das eigentliche Rezept – geräuschlos zu regieren, die Probleme zu lösen und sich nicht auf offener Bühne zu demontieren – das scheinen diese Politiker, die noch Männer aus der analogen Zeit sind, irgendwie nicht begriffen zu haben."
Das sind die Erkenntnisse
In zwei Kritikpunkten am Kanzler und der Regierung war die Runde sich einig: Merz müsse, so formulierte es Journalist Schumacher, aufhören mit der Einstellung: "Ich bin der Chef, ich sage das und dann wird das gemacht". Merkel und Scholz hätten ohne Ende telefoniert, um Mehrheiten zu organisieren. Da sei bei ihm noch Luft nach oben.
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De Maizière widmete sich einem Irrglauben der Regierung. Die Koalitionäre würden stets annehmen, es sei "besonders gut, wenn man sein eigenes Profil betont". Dabei interessiere die Bürger vielmehr, dass gehandelt, umgesetzt und gearbeitet werde. "Dieser Irrglaube muss jetzt enden", forderte der CDU-Mann.
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