Journalist warnt bei "Maischberger" vor "Tutti-Frutti-Regierung" gegen die AfD
Journalist warnt bei "Maischberger" vor "Tutti-Frutti-Regierung" gegen die AfD
Aktualisiert am 20.05.2026, 05:37 Uhr Christoph Schwennicke (t-online) meint bei Maischberger: Wenn in einem Bundesland eine AfD-Regierung gewählt werden würde, solle es diese auch bekommen. © © WDR/Oliver Ziebe Lesedauer:3 Min.Bei Maischberger waren unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) und SPD-Abgeordneter Ralf Stegner zu Gast.
Eine TV-Nachlese von Marie Illner Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Marie Illner auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Gestritten wurde im Studio bei der Frage, ob eine Demokratie eine AfD-Regierung aushalten muss. Außerdem ging es um Zumutungen für die Bürgerinnen und Bürger, steigende Sozialausgaben und eine neue positive Zukunftserzählung von Deutschland.
Das ist das Thema bei "Maischberger"
Bei "Maischberger" ging es am Dienstagabend (19.) vor allem um zwei Fragen: "Muss die Bundesregierung den Bürgern mehr zumuten oder sie entlasten?" und "Hält die politische Mitte dem Druck von links und rechts stand?"
Das sind die Gäste
- Julia Klöckner (CDU): Die Bundestagspräsidentin sagte: "Ich habe den Eindruck, dass wir wirklich verlernt haben, miteinander mit Argumenten zu streiten." Die Demokratie gebe nicht eine einzige Meinung vor, sondern den Rahmen, wie wir Mehrheitsmeinungen finden könnten, sagte sie weiter. Klicks und Reichweite seien immer wichtiger geworden und es gebe eine "Gesinnungsabfrage" oder "Molarisierungsargumentation".
- Ralf Stegner (SPD): "Die Menschen haben Veränderungsängste. Wenn ich sie mitnehmen will, muss ich das in einer Form machen, die mehrheitsfähig ist und funktioniert. Ja, wir werden das hinkriegen – da bin ich mir ziemlich sicher. Weil wir wissen: Wenn wir uns nicht einigen, kriegen wir am Ende nur instabile Regierungen mitten in Europa", warnte er.
- Veronika Grimm: Die Wirtschaftsweisin sagte: "Es muss insgesamt das Arbeitsvolumen steigen. Das kann man auf verschiedenen Wegen tun. Man kann die Zuwanderung stärken, man kann die Erwerbsbeteiligung stärken, man kann die Anreize, zu partizipieren, stärken." Durch seine zahlreichen Regulierungen habe Deutschland einen Wettbewerbsnachteil.
- Victoria Reichelt: Die Journalistin und Moderatorin meinte: "Ich habe manchmal das Gefühl, dass Merz nicht in jedem Raum ganz versteht, was für eine Tragweite seine Äußerungen haben – auch wenn sie in einer Schule getätigt werden oder auf dem Katholikentag." Das sei ein harter Kontrast zu Angela Merkel, die sich der weltpolitischen Konsequenzen bewusst gewesen sei.
- Theo Koll: Der Journalist und Moderator kommentierte die Beliebtheitswerte der Regierung: "Es war keine Regierung tiefer nach einem Jahr als die jetzige schwarz-rote Koalition." Wenn man über die Grenzen etwa nach Frankreich oder Großbritannien schaue, stehe Deutschland nicht alleine schlecht dar. "Wir sind in einer extrem schlechten Lage, aber wir sind nicht singulär", so Koll.
- Christoph Schwennicke: Der Politikchef von "t-online" äußerte sich zu einem Zusammenschluss aller Parteien gegen die AfD, sollte sie in einem Bundesland die Wahlen gewinnen: "Es ist demokratisch nicht gut, wenn man alles noch so zusammenkratzt und eine Tutti-Frutti-Regierung der letzten Reste zusammenstellt." Das sei eine sehr kurzlebige Veranstaltung und demokratieschädigend. "Du kannst nicht mit aller Gewalt den Bogen erfolgreich von der CDU bis zur Linken spannen", war er sich sicher.
Der Schlagabtausch des Abends
Analyse Pläne von Schwarz-Rot XXL-Reformpaket soll Koalition aus dem Tief holen vor 12 Stunden von Fabian Busch, Rebecca Sawicki und Fabian HartmannJournalist Schwennicke kommentierte: "Die Brandmauer hat sich als Bauwerk in einen Staudamm verwandelt. Hinter diesem Staudamm schwillt das Wasser der AfD immer weiter an. So kann man nicht weitermachen." Wenn in einem Bundesland eine AfD-Regierung gewählt werden würde, solle es diese auch bekommen.
Darauf reagierte Reichelt: "Ein ‚So be it‘ finde ich im demokratischen Sinne fatal." Die Pläne der AfD in Sachsen-Anhalt hätten konkrete Auswirkungen beispielsweise auf Minderheiten, die Kulturbranche oder die Berichterstattung. "Ich halte es für fatal zu sagen: 'Da müssen wir als Demokratie jetzt durch‘", warnte sie.
Der besondere Moment
Stegner räumte mit einem wichtigen Missverständnis über die SPD auf. Die SPD sei nicht für höhere Sozialausgaben, sie wolle "dass die Menschen leben können von ihren Löhnen", stellte er klar. Die SPD wolle, "dass viel weniger Menschen soziale Transfers brauchen", betonte er. Man könne mit "ein bisschen weniger Obrigkeitsstaat, ein bisschen weniger Bürokratie" eine Menge sparen, ohne jemandem weh zu tun, war er sich sicher.
Die Erkenntnisse
Drei wichtige Erkenntnisse, die die Runde sammelte, lauteten: Erstens: "Wir müssen uns neu erfinden", so Wirtschaftsweisin Grimm. Angesichts der Konkurrenz aus China könne sich Deutschland nicht auf alte Industrien verlassen, sondern müsse "attraktive Jobs im privaten Dienstleistungssektor" schaffen. Dafür brauche es auch eine neue "positive Zukunftserzählung".
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Zweitens: "Wenn die Kriege nicht bald beendet werden, werden wir das nicht schaffen mit dem Wachstum", war sich Stegner sicher. Und drittens: "Eine Minderheitsregierung ist ein extremes Risiko", so Journalist Koll. Die Regierung müsse dann immer nach Mehrheiten suchen – zur Not auch mit der AfD. Er halte das für den "absolut schlechtesten Weg, der möglich ist."
Verwendete Quellen:
- Maischberger vom 19.05.2026
