Jörg Wontorra hat "dringenden Verdacht" zu FIFA und Infantino
Jörg Wontorra hat "dringenden Verdacht" zu FIFA und Infantino
Aktualisiert am 16.05.2026, 20:25 Uhr Vater Jörg Wontorra und Tochter Laura, wagen im Doppel-Interview einen ersten Blick auf die anstehende WM. © @MagentaTV Lesedauer:5 Min.In diesem Sommer werden erstmals 48 Nationen an einer Fußball-Weltmeisterschaft teilnehmen. Für Reporter-Legende Jörg Wontorra hat die FIFA den Bogen mit dieser Aufstockung überspannt. Laura Wontorra hält dagegen. "Heutzutage gibt es verschiedene Generationen, die man bedienen muss", sagt die Sportmoderatorin. Im Doppelinterview blicken Vater und Tochter auf die XXL-WM.
Ein Interview von Dennis EbbeckeLaura und Jörg Wontorra haben für das Format "Wontorras World Cup – Vater. Tochter. WM." im Vorfeld des Turniers die Spielorte bereist, um sich ein Bild vom Fußballgeschehen und der Fankultur in den Gastgeberländern USA, Mexiko und Kanada zu verschaffen. Vor Ort trafen Vater und Tochter auf die Weltmeister Jürgen Klinsmann und Thomas Müller.
Die vierteilige Doku-Serie ist am 14. Mai im Wochen-Rhythmus exklusiv bei MagentaTV gestartet. Alle Folgen gibt es auch kostenlos auf www.magenta.tv zu sehen.
Im Interview mit unserer Redaktion spricht Jörg Wontorra über seine Reise in die Vergangenheit, während Laura Wontorra erklärt, wie sich das Sehverhalten der Fußballfans im Vergleich zu früher verändert hat. Zudem geben die "Wontis" eine Prognose zum Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der WM ab.
Herr Wontorra, Sie waren bei vielen Weltmeisterschaften vor Ort. Hat die Tour durch Mexiko, Kanada und die USA bei Ihnen eine WM-Vorfreude entfachen können?
Jörg Wontorra: Bei mir weniger. Das hat mich aber nicht überrascht. Selbst bei der WM 1994, die ebenfalls in den USA stattfand, hat sich dieses Gefühl bei mir erst mit Beginn der Weltmeisterschaft entwickelt. Eine besondere Vorfreude in den Städten, die wir besucht haben, konnte ich auch nicht feststellen. Man spürte, dass die Menschen noch ihren Alltag zu bewerkstelligen hatten oder zu diesem Zeitpunkt noch mit anderen Sportarten beschäftigt waren, etwa mit American Football oder Eishockey.
Laura Wontorra wünscht deutschem Fußball "mehr Hollywood"
Ist "Soccer" mittlerweile in den Vereinigten Staaten angekommen?
Jörg Wontorra: Zumindest wird "Soccer" in den USA mittlerweile mehr begriffen als noch zu Zeiten der WM 1994. Fußball spielt in den Medien inzwischen eine Rolle, die Stadien sind gut gefüllt. Auch große Stars wie Lionel Messi oder Thomas Müller, der in Kanada spielt, haben den Schritt in die MLS gewagt. Es gibt immer noch viel zu tun, aber es besteht eine realistische Chance, dass Fußball zur dritten oder vierten Volkssportart wird.
Laura Wontorra: Das war auch mein Gefühl. Vor einiger Zeit habe ich mal in einem Podcast gesagt, dass der Bundesliga ein bisschen mehr Hollywood guttun würde. Dieser Ansatz hat dem einen oder anderen Fußball-Traditionalisten aber nicht so gut gefallen. So ist die Idee entstanden, dass wir mal in den USA vorbeischauen sollten, um herauszufinden, was wir von den US-Sportarten lernen können. Das haben wir getan.
Interview Wontorras World Cup Laura Wontorra: "Da wird sogar der Vater für einen guten Spruch verkauft" vor 3 Stunden von Dennis EbbeckeWelche Erkenntnisse konnten Sie vor Ort gewinnen?
Laura Wontorra: Dass der Fußball dort schon angekommen ist – und zwar nicht nur der Männerfußball, sondern auch der Frauenfußball. Es ist ein großes Familien-Happening. Nicht alles ist gut, aber vieles ist gut. Aus meiner Sicht kann es nicht schaden, einen gewissen Show-Charakter um ein Sportevent herum zu schaffen. Wenn wir das nicht tun, könnten wir über kurz oder lang den Anschluss verlieren.
Haben wir heute zu wenig echte Typen im Fußball?
Laura Wontorra: Dazu packt Papa in der vierten Folge der Doku eine schöne Geschichte aus. Stichwort: Uli Stein.
Jörg Wontorra: Du spielst auf die "Suppenkasper-Affäre" 1986 an. Uli Stein, damals zweiter DFB-Torwart, musste als erster deutscher Nationalspieler vorzeitig eine WM verlassen, weil er den Trainer Franz Beckenbauer einen "Suppenkasper" genannt hatte. Stein meinte, er sei besser als Deutschlands Nummer eins Toni Schumacher. Ich habe damals beide getrennt voneinander interviewt. Und beide erzählten mir, wie unsympathisch sie einander fanden. Ein solches Szenario wäre heute undenkbar. Fußballer werden heute sehr auf moderate Töne gegenüber den Medien gedrillt.
Sie haben ein Spiel des Messi-Klubs Inter Miami besucht. Ist Lionel Messi eine Legende, die Sie beide verbindet? Als seine Karriere Fahrt aufnahm, hatten Sie, Herr Wontorra, gerade den "Doppelpass" übernommen, während Ihre Tochter diesen Spieler heute journalistisch begleitet.
Jörg Wontorra: Das stimmt schon, wobei der Besuch dieses Spiels für mich eher eine Enttäuschung war. Lionel Messi war nämlich gar nicht dabei. Der Grund: Er wollte sich den Kunstrasen in dem Stadion nicht antun, weil dort die Verletzungsgefahr vermeintlich größer ist als auf Naturrasen. Messi wollte im Vorfeld der WM wohl kein Risiko eingehen. Der Hype um ihn ist aber nach wie vor gigantisch. Obwohl es ein Auswärtsspiel für Inter Miami war, habe ich grob geschätzt mindestens 5.000 Messi-Trikots im weiten Rund gesehen.
Das Spiel Kap Verde gegen eingeschlafene Füße Andorra interessiert mich nicht an erster Stelle.
Wie stehen Sie zur Aufstockung der WM auf 48 Nationen?
Jörg Wontorra: Ich halte das für etwas überzogen. Auch die Dauer des Turniers, das über fast sieben Wochen ausgetragen wird, empfinde ich als sehr lang. Von diesen 48 teilnehmenden Mannschaften qualifizieren sich 32 für die K.o-Runde, um erstmals in der WM-Geschichte ein Sechzehntelfinale auszutragen. Ich habe den dringenden Verdacht, dass Gianni Infantino das Konto der FIFA weiter anreichern wollte.
Vertrag bis 2027 Nach Vertragsverlängerung: Neuer kündigt Ziel für kommende Saison an vor 10 StundenMagentaTV überträgt alle 104 WM-Spiele und Sie, Frau Wontorra, gehören zum Moderations-Team des Streaming-Dienstes. Stimmen Sie Ihrem Vater trotzdem zu?
Laura Wontorra: Aus der Perspektive, die mein Vater geschildert hat, ist das nachvollziehbar. Auf der anderen Seite gibt es heutzutage verschiedene Generationen, die man bedienen muss. Auch ich bin als Kind mit ganz viel Fußball und der Tradition, wie wir Fußball verstehen und leben, aufgewachsen.
Heute bin ich nicht nur Sportmoderatorin, sondern betreue mit den "Wontorriors" auch mein eigenes Team. Wir sind in der Icon League, einer Kleinfeld-Fußballliga, die nur über Twitch gestreamt wird, aktiv. Da schauen jeden Montag im Schnitt bis zu 200.000 Menschen zu. Das zeigt, wie sich das Sehverhalten verändert hat. Ich glaube, dass junge Leute mit "mehr ist mehr" durchaus abgeholt werden. Das ist auch der Grund, warum Magenta um die WM herum sehr viel Programm baut. Die junge Generation ist es gewohnt, zu jeder Zeit frische Inhalte abrufen zu können. Das war zu Papas Zeiten noch ganz anders.
Jörg Wontorra: Das mag ja sein, ändert aber nichts daran, dass mich das Spiel Kap Verde gegen eingeschlafene Füße Andorra nicht an erster Stelle interessiert.
Wie weit kommt Deutschland bei der XXL-WM?
Laura Wontorra: Da sind wir uns einig. Papa, du kannst loslegen – Familienoberhaupt spricht!
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Jörg Wontorra: Im ersten Spiel gegen Curaçao ist ein Sieg Pflicht. Ich gehe auch davon aus, dass Deutschland Gruppensieger wird. Alles andere wäre für mich eine kleine Enttäuschung. Es könnte darauf hinauslaufen, dass wir schon im Achtelfinale auf Frankreich treffen. Da trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Wenn Deutschland das schafft, ist alles möglich. Falls nicht, ist für uns eben im Achtelfinale schon Schluss.
Über die Gesprächspartner
- Laura Wontorra ist eine deutsche Fernsehmoderatorin, deren Karriere bei Sky und Sport1 begann, ehe sie 2016 zur RTL Group wechselte. Die gebürtige Bremerin ist sowohl bei Sportveranstaltungen, darunter Spiele der deutschen Fußballnationalmannschaft, als auch für Unterhaltungsformate im Einsatz. Wontorra moderiert unter anderem die Shows "Ninja Warrior Germany" und "Grill den Henssler" (VOX).
- Jörg Wontorra ist ein deutscher Sportjournalist und Fernsehmoderator. Der frühere Sportchef von Radio Bremen führte von 1984 bis 1992 durch die "ARD-Sportschau". Anschließend wechselte er zu Sat.1 – Wontorra moderierte sowohl die Fußballsendung "ran" als auch das Format "Bitte melde dich!". Von 2004 bis 2015 zeichnete er als Gastgeber der Fußball-Talkshow "Doppelpass" (Sport1) verantwortlich.
