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In Philadelphia wächst die WM-Sorge

Viele wollen Stadt verlassen

WM 2026: In Philadelphia wächst die WM-Sorge

Aktualisiert am 12.05.2026, 22:11 Uhr Die WM-Spiele in Philadelphia finden im Lincoln Financial Field statt. Doch nicht bei jedem Einwohner der Stadt herrscht Vorfreude auf die Weltmeisterschaft. © picture alliance/Visually/Brian Kushner Lesedauer:4 Min.

Die Fußball-WM rückt näher – und in Philadelphia wächst neben der Vorfreude auch der Unmut. Laut einer aktuellen Umfrage plant rund ein Fünftel der Einwohner, das Turnier komplett zu ignorieren oder die Stadt zu verlassen. Der Grund: explodierende Kosten, Verkehrschaos und Zweifel an der Infrastruktur.

Wenige Wochen vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko ist die WM-Stimmung in Philadelphia zweigeteilt. Zwar freut sich die Mehrheit der Bewohner auf das Großereignis, doch ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung blickt vielmehr mit Sorge auf die kommenden Wochen.

Das geht aus einer Erhebung des Parkdienstleisters ParkMobile hervor, die der US-Nachrichtenseite "Axios" vorliegt. Demnach gaben etwa 20 Prozent der Befragten an, das Turnier vollständig meiden oder Philadelphia während der Spiele verlassen zu wollen.

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Kostenexplosion als größter Störfaktor

Als zentralen Grund für ihre Ablehnung nannten die Befragten die erwarteten Preissteigerungen. 68 Prozent der Einwohner äußerten die Befürchtung, dass Kostensprünge bei Parken, Gastronomie und Rideshare-Diensten ihre Nachbarschaften belasten könnten, heißt es im Bericht. Besonders die Stadionparkplätze sorgen für Empörung: Am Lincoln Financial Field kann ein einzelner Parkplatz bis zu 620 Dollar kosten, wie es in einem anderen "Axios"-Bericht heißt.

Auch die Gastronomie bereitet sich auf ungewohnte Weise vor. Einige Restaurants in der Stadt erwägen demnach, vorübergehend einen 20-prozentigen Serviceaufschlag auf Rechnungen zu erheben – mit der Begründung, dass internationale WM-Besucher aus Ländern mit anderen Trinkgeld-Kulturen anreisen könnten.

Neben den Kosten treibt viele Bewohner die Sorge vor einem Verkehrskollaps um. Zahlreiche Befragte rechnen mit 30 bis 60 zusätzlichen Minuten Pendelzeit während des Turniers. Die Konsequenz: Knapp die Hälfte der Berufspendler plant, dem drohenden Stau durch Arbeit im Homeoffice auszuweichen.

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Hotel-Krise auch in Philadelphia

Doch ob es in Philadelphia wirklich zum Ansturm der WM-Fans kommen wird, bleibt abzuwarten. Denn auch in der US-Metropole ist die Lage ähnlich wie in vielen anderen Gastgeberstädten der Staaten: die Buchungszahlen für Hotels und andere Unterkünfte liegen bislang deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Lediglich rund 42 Prozent der verfügbaren Kurzzeitvermietungen in Philadelphia waren für die WM-Gruppenphase reserviert – das berichtete das "Wall Street Journal" kürzlich. Laut "Sports Business Journal" stand zuletzt sogar mehr als die Hälfte der über 8.600 Airbnb- und Vrbo-Angebote in der Region noch zur Verfügung.

Auch die Hotelbranche verzeichnet enttäuschende Nachfrage. Wie "Axios" unter Berufung auf eine Erhebung der American Hotel & Lodging Association meldete, gaben rund 75 Prozent der befragten Hoteliers im Raum Philadelphia an, dass die Buchungslage sowohl hinter den WM-Erwartungen als auch hinter einem normalen Sommer zurückbleibe. In insgesamt elf US-Austragungsstädten – darunter auch Boston, San Francisco und Seattle – lag dieser Wert sogar bei knapp 80 Prozent.

Erschwerend kommt hinzu, dass die FIFA kürzlich selbst etwa 2.000 Hotelbuchungen in Philadelphia stornierte, wie "6ABC" berichtete. Als Gründe für die schwache internationale Nachfrage gelten Unsicherheiten bei der Visa-Vergabe sowie gestiegene Flugpreise.

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Kostenloser Heimweg als Lichtblick

Immerhin beim Nahverkehr setzt Philadelphia ein positives Zeichen. Dank einer Partnerschaft mit dem FIFA-Sponsor Airbnb können Fans nach den sechs WM-Spielen am Lincoln Financial Field kostenlos mit der Broad Street Line (B-Linie) nach Hause fahren. Die Gratisfahrten gelten ab der Halbzeitpause bis zwei Stunden nach Spielende. Für die Anreise mit Zügen des Verkehrsunternehmens SEPTA (Southeastern Pennsylvania Transportation Authority, d. Red.) werden lediglich 2,90 Dollar fällig.

Der Kontrast zu anderen Austragungsorten ist dabei erheblich. In New Jersey war zunächst geplant, dass Fans für eine Zugfahrt von New York zum MetLife Stadium 150 Dollar für Hin- und Rückfahrt zahlen müssen – ein Preis, der von Fangruppen und selbst von der FIFA scharf kritisiert wurde. Mittlerweile ruderte die zuständige Verkehrsgesellschaft New Jersey Transit zumindest etwas zurück und senkte den Preis von 150 auf 105 Dollar, wie die Nachrichtenagentur AP am Donnerstag berichtete. Damit ist das Ticket immer noch deutlich teurer als normalerweise – laut AP werden zu Nicht-WM-Zeiten rund 13 Dollar für ein solches Ticket fällig.

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Millionen-Hoffnung mit Fragezeichen

Die wirtschaftlichen Erwartungen an das Turnier sind gewaltig. "Axios" bezifferte den prognostizierten ökonomischen Effekt für die Region auf 770 Millionen Dollar, die erwarteten Steuereinnahmen auf rund 51 Millionen Dollar. Gleichzeitig hat die Stadt erheblich investiert – unter anderem in Flughafen-Modernisierungen und ein tägliches Fan-Fest auf dem Lemon Hill, das etwa 15.000 Besucher pro Tag anziehen soll.

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Der Umfrage zufolge bewerten rund 22 Prozent der Bewohner ihr Vertrauen in die Fähigkeit der städtischen Infrastruktur, die Menschenmassen zu bewältigen, mit höchstens 5 von 10 Punkten. Das Turnier, so das Fazit der Erhebung, könnte für Philadelphia zugleich eine enorme wirtschaftliche Chance und eine logistische Belastungsprobe werden. (bearbeitet von ms)

Verwendete Quellen

  • axios.com: Some Philadelphians are having World Cup host anxiety
  • axios.com: Philly hotels still waiting for World Cup booking boost
  • axios.com: Philadelphia's World Cup parking passes cost up to $620
  • wsj.com: Airbnb Hosts Prepped Their Homes for a World Cup Windfall. They're Still Waiting.
  • sportsbusinessjournal.com: Philadelphia-area hotels, rentals still open for World Cup as fans mull attendance
  • 6abc.com: FIFA cancels 2,000 hotel rooms in Philadelphia ahead of World Cup
  • apnews.com: New Jersey lowers $150 train fare for World Cup to $105 amid outcry
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