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"Ich habe von Anfang an zu allem 'Ja' gesagt"

Interview Stanway verlässt die Bayern

"Ich habe von Anfang an zu allem 'Ja' gesagt"

Aktualisiert am 16.05.2026, 05:27 Uhr Georgia Stanway verlässt den FC Bayern - rät aber jeder Spielerin, einmal in die Bundesliga zu wechseln. © IMAGO/Moritz Müller/IMAGO/Moritz Mueller Lesedauer:4 Min.

Mit ihr verlässt einer der wenigen internationalen Stars die Frauen-Bundesliga: Georgia Stanway verabschiedet sich mit zwei letzten Spielen vom FC Bayern. Wohin sie geht, ist noch nicht bekannt. Im Abschieds-Interview spricht sie über die Unterschiede zwischen deutscher und englischer Liga, was sie an München vermissen wird und welches Tattoo sie sich hier als letztes stechen lassen wird.

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Vier Jahre spielte sie beim FC Bayern München, viermal in Folge gewann sie die Deutsche Meisterschaft. Doch sie ist mehr als diese Erfolge: Georgia Stanway wurde schnell Stammspielerin und eine der wichtigsten Spielerinnen ihrer Mannschaft und der Frauen-Bundesliga. Ihre schnelle, robuste Spielweise, ihr forsches und mutiges Auftreten auf dem Platz machen die Mittelfeldspielerin aus.

Nun verlässt sie das beste deutsche Team. Welchem Klub sie sich im Sommer anschließen wird, verrät sie noch nicht. Wahrscheinlich ist ein Wechsel zurück zu einem Topklub nach England.

Georgia Stanway, Sie verbringen gerade Ihre letzten Tage beim FC Bayern und in Deutschland. Haben Sie noch etwas Besonderes vor?

Georgia Stanway: Natürlich muss ich mich auf den Umzug vorbereiten. Das ist ein bisschen komplizierter zu organisieren, weil ja noch Spiele mit der Nationalmannschaft folgen. Ich denke, ich werde ein bisschen was vor den letzten Spielen und ein bisschen was danach erledigen – und versuchen, so viel Zeit wie möglich noch mit der Mannschaft zu verbringen.

Wissen Sie schon, was Sie machen werden, wenn Sie wieder in England sind?

Ich werde wahrscheinlich richtig typisch englisch essen gehen. Es gibt ein paar Restaurants, die ich vermisst habe. Aber das Wichtigste ist, dass ich den Urlaub nutzen möchte, mich von der intensiven Saison zu erholen.

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Was werden Sie an Deutschland vermissen?

Am meisten werde ich definitiv die Mannschaft vermissen. Das ist eine so besondere Gruppe mit den Spielerinnen und dem Staff dahinter, sie sind mir sehr wichtig geworden. Aber ich liebe auch die Stadt, alle sind sehr herzlich und gastfreundlich.

"Viele Teams waren unerbittlich"

Was haben Sie in der Frauen-Bundesliga gelernt?

Ich habe sehr viel gelernt! Ich habe viel Spielzeit bekommen, weil ich eine Position besetzt habe, die ich mir zu eigen machen konnte. Als ich bei Manchester City spielte, hatte ich keinen festen Platz, auch in der Nationalmannschaft hatte ich ihn nicht, ich war eher überall. Beim FC Bayern habe ich eine gefestigte Rolle als defensive Mittelfeldspielerin. Dadurch konnte ich Konstanz in meine Leistung bringen. Es hat mir viel Spaß gemacht, diese Position für mich zu nutzen. Was ich im Rahmen der Mannschaft gelernt habe, war definitiv, wie wichtig die Arbeitsmoral und der Teamgeist sind. Jeder soll sich bei uns im Umfeld immer wohl und willkommen fühlen. Sportlich würde ich die Robustheit in der Bundesliga nennen. Der FC Bayern hat oft viel Ballbesitz, geht nach vorn und kreiert Chancen, aber viele Teams waren unerbittlich und haben es uns sehr schwer gemacht.

Was müssen Sie beim nächsten Klub noch verbessern?

Ich möchte an meinem Defensivspiel arbeiten. Wenn ich mir unsere Spiele in der Bundesliga anschaue, hatten wir viel Ballbesitz, aber in der Champions League hat man nicht immer so oft den Ball und dann geht es noch mehr um ein gutes Defensivspiel.

Die Bundesliga verliert mit Ihnen einen ihrer größten Stars. Ist die Bundesliga für ausländische Spielerinnen attraktiv?

Ich habe meine Zeit hier beim FC Bayern so genossen, weil ich mich von Anfang an voll darauf eingelassen habe. Ich musste damals meine Komfortzone verlassen. Ich würde jeder Spielerin empfehlen, hierher zu kommen und in der deutschen Liga zu spielen. Die Leute sind sehr nett, der Fußball und die Infrastrukturen sind gut. Es ist eine hervorragende Gelegenheit, sich als Person weiterzuentwickeln und taktische und technische Aspekte auf ein neues Level zu bringen. Ich hoffe wirklich, dass mehr Spielerinnen diesen Schritt wagen, insbesondere englische Spielerinnen.

Was deutsche Klubs von englischen lernen sollten

Dabei gilt die englische Liga als professioneller als die deutsche Liga.

Ich würde nicht von "professioneller" sprechen. Ich würde eher sagen, dass die englische Liga insgesamt ein etwas höheres Level als die Bundesliga erreicht hat. In den vergangenen Jahren hat sich der FC Bayern etwas abgesetzt. Es ist wichtig, dass alle Bundesliga-Klubs investieren und sich attraktiv halten, um so viele gute Spielerinnen wie möglich zu verpflichten.

Was ist der größte Unterschied zwischen der Bundesliga und der englischen Liga in Sachen Professionalität?

Wahrscheinlich genau das: Der FC Bayern hat es geschafft, den nächsten Schritt zu machen, um national konstant zu gewinnen, an der Spitze zu bleiben und international die Lücke zu den Topclubs zu verkleinern. Es ist wichtig, dass mehr deutsche Vereine in ähnlicher Weise investieren, um die Bundesliga so wettbewerbsfähig wie möglich zu machen.

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Welchen Rat würden Sie anderen Spielerinnen geben, die in die Bundesliga wechseln möchten?

Macht es einfach! Es war eine der besten Entscheidungen, die ich in meiner Karriere getroffen habe. Ich kann nur Positives über meine Zeit hier berichten. Die Menschen, der Verein, die Liga selbst – all das hat mich als Spielerin und als Mensch geprägt. Ich habe von Anfang an zu allem "Ja" gesagt, war aufgeschlossen und hatte das Glück, dass wir als Team viel Zeit miteinander verbracht haben. Das hilft dir als neue Spielerin, auf dem Platz und auch abseits des Platzes.

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Was wird Ihr letztes Tattoo sein, das Sie sich hier in Deutschland stechen lassen?

Ich habe noch keine Ahnung. Ich muss mir etwas überlegen, das eine besondere, sentimentale Bedeutung für meine Zeit hier hat.

Verwendete Quellen

  • Interview mit Georgia Stanway, 12.05.2026
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