Heidi Klums Irrglaube
Heidi Klums Irrglaube
Aktualisiert am 15.05.2026, 09:57 Uhr Heidi Klum kündigt "etwas ganz Neues" an. © ProSieben/Max Montgomery Lesedauer:5 Min.Mit einem Parallel-Shooting will Heidi Klum in der jüngsten Folge "Germany's next Topmodel" "etwas ganz Neues" entdeckt haben. Das ist aber Quatsch. Wirklich innovativ wird es nämlich erst, als die Models auf den Laufsteg müssen. Denn mit einem Glatzen-Walk hebt Klum das Umstyling der Staffel quasi wieder auf.
Eine Kritik von Christian Vock Diese Kritik stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht."Heute wartet ein ganz neues Shooting auf meine Models. So etwas gab es noch nie bei 'Germany's next Topmodel'", kündigt Heidi Klum gleich zu Beginn der aktuellen Folge "Germany's next Topmodel" an und irgendwie ist das ja auch verständlich. Denn natürlich wartet auf Klums Models ein "ganz neues" Shooting. Klum würde die Kandidaten ja nicht das Shooting der Vorwoche auftragen lassen, selbst, wenn das noch gut ist. Klum muss schließlich auch permanent etwas Neues machen, um die Zuschauer bei der Stange zu halten. Jedes Shooting muss das bisher Gesehene übertreffen, die ganzen Gaga-Aufgaben kommen ja nicht von ungefähr.
Zumindest scheint Klum an das Mantra des Immer-Neuen zu glauben. Ein Irrglaube, denn es ist ja nicht so, dass sich die Mädchen und jungen Frauen von heute die ersten Staffeln, bei denen sie gar noch nicht geboren waren, noch einmal angucken, um der Handlung folgen zu können. GNTM braucht kein "Was bisher geschah", denn ein richtiges Geschehen gibt es gar nicht. Beziehungsweise: Es passiert seit 20 Jahren ja doch immer dasselbe. Man läuft hin, man läuft her, man grinst und lächelt, ist auf Befehl "hot und sexy", "muss ein bisschen mehr Gas geben" und wenn der Klum danach ist, gibt es ein Foto von dem Ganzen, wenn nicht, dann nicht.
Aber Klum möchte sogleich erklären, was sie mit "So etwas gab es noch nie" gemeint hat und verrät: "Nämlich zwei Fotoshootings auf einen Schlag." Das mag es bei GTNM so tatsächlich noch nicht gegeben haben, trotzdem wird daraus kein "ganz neues Shooting". Denn nur, weil man zur selben Zeit zwei alte Sachen macht, entsteht daraus noch lange nichts Neues. Wer gleichzeitig mit zwei Pinseln auf eine Leinwand malt, kriegt dadurch nicht automatisch einen Picasso, sondern meist nur eine Sauerei. Aber urteilen wir nicht vorschnell, sondern sehen uns Klums "Innovation" erst einmal an.
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Diese Innovation beginnt für die verbliebenen neun Kandidaten in der Model-Villa, wo großes Gerät aufgebaut wird. "Keiner weiß, was passieren wird, aber es wird auf jeden Fall irgendwas passieren", prophezeit Ibo, was gleichzeitig eine sogenannte Binsenweisheit ist. Denn Hellsehen kann niemand und irgendwas passiert immer. Ibo umschreibt also nichts Geringeres als das Leben. Und dieses Leben sorgt dafür, dass plötzlich Fremde in der Villa stehen, zwei Frauen und ein Mann.
Die Damen behaupten nun ohne größere Eigenvorstellung und Zusammenhang, dass die Kandidatinnen jetzt die Chance bekämen, auf das Cover der "Instyle Sport" zu kommen. Der Herr wiederum verspricht den Kandidaten einen ähnlichen Titel-Platz für das deutsche "Esquire"-Magazin, was Alexavius mit einem "Ritterschlag" gleichsetzt. Dabei beweist es nur, dass Alexavius offenbar nicht weiß, was ein Ritterschlag ist. Der Herr des "Esquire"-Magazins offenbar auch nicht, denn er kündigt an: "Wir machen eine Pyjama-Party mit euch."
Ritter in Pyjamas, Party statt Fotoshooting – es dauert einen weiteren Satz, bis der Mann die Zusammenhänge erklärt: "Pyjamas sind ein Riesenthema in der Mode dieses Jahr", behauptet der Mann. Das mag nicht jedem bewusst gewesen sein, aber der Herr setzt noch einen obendrauf: "Das ist eine harte Aufgabe für euch." Spoiler: Ist es nicht. Einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen, ist eine harte Aufgabe. Eine Bombe zu entschärfen, ist eine harte Aufgabe. Aber sicher nicht, im Schlafanzug in die Kamera zu lächeln. Da wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen.
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Macht der immer noch nicht vorgestellte Mann aber nicht, sondern haut stattdessen weitere merkwürdige Sätze raus: "Das Cover ist wirklich die Königsdisziplin beim Magazin-Machen, gerade im Lifestyle-Bereich. Das muss sitzen." Letztendlich bedeutet das aber nur, dass alle Fotos, die keine Titelfotos sind, sitzen können, aber nicht müssen. Sonst gehörten ja auch sie zur Königsdisziplin. Dann könnten die Models bei allen Nicht-Cover-Fotos ja ein bisschen schludern, wenn ihnen danach ist. Aber der Mann ohne Namen hat noch einen fast-klugen Satz: "Ohne Cover ist alles nichts."
Große Worte, die für ein Magazin zutreffen mögen, denn ohne Cover wäre das tatsächlich nur eine Loseblattsammlung. Aber allem anderen auf der Welt, das kein Magazin ist, ist ein Cover, wir sagen's, wie's ist: schnurzpiepegal. Ohne Cover ist also nicht alles nichts, sogar das Wenigste. Schnurzpiepegal ist das Cover aber vielleicht auch den Kandidaten, auf dem Cover zu sein, hingegen nicht. Und so simulieren die Models eine Pyjamaparty auf der Herren- und irgendwas mit Sport auf der Damen-Seite.
Das klappt mal gut und mal nicht, wie's halt so ist. Gerade Kandidatin Anna macht sich nach dem Shooting ein wenig Sorgen, denn sie hat zwar irgendwann wie befohlen an den "Afterglow nach dem Sport" gedacht, zuvor sei sie aber "zu sexy" gewesen. Eine Kritik, die man bei GNTM auch nicht allzu oft hört. "Meine Chancen auf's Cover stehen im Minus-Bereich", glaubt Anna deshalb – eine eher unrealistische Einschätzung, würde Anna dafür ja nicht nur kein Titelbild von sich auf der "Instyle Sport" bekommen, sondern müsste der "Instyle Sport" sogar ein Titelbild von sich mitbringen.
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Trotzdem schafft es nicht Anna, sondern Amélie aufs Cover, aber immerhin wird Anna im Heft selbst zu sehen sein. Bei den Herren erhält Godfrey die Cover-Zusage, während Ibo und Luis aus dem Heftinneren Pyjama-Party feiern dürfen. Am Ende besteht das "ganz neue Shooting" also lediglich aus zwei gleichzeitig stattfindenden Shootings, man muss also nur das Herren- von dem Damenshooting unterscheiden können. Kriegt man hin. Damit ist die Arbeit aber noch nicht getan, denn eine Elektronikfirma macht noch ein Casting, weil es Werbung machen will. Und obwohl auch hier Anna als zeitvergessenes Problemmodel geschnitten wird, ist die Firma der Meinung, dass Aurélie und Anna genau die richtigen Falt-Handy-Gesichter sind.
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Für den finalen Entscheidungswalk will sich Klum dann mal wieder etwas Besonderes aufgehoben haben. "Zwei Weltstars entscheiden mit mir über den Einzug ins Halbfinale", kündigte Klum bereits zu Beginn Model Calum Harper und Sängerin Manon Bannerman an, doch die beiden hätten eigentlich auch zuhause bleiben können. Denn natürlich entscheidet wie immer nicht der Gast mit, sondern einzig und alleine die Klum. Schließlich heißt die Show ja auch "Germany's next Topmodel by Heidi Klum" und nicht "Germany's next Topmodel by wen wir halt diesmal so als Gast bekommen können".
Das Besondere am Entscheidungswalk sind also nicht die austauschbaren Gäste, sondern dass den Models diesmal Glatzen auf den Kopf gebastelt wurden. Spoiler: Sieht nur so halb echt aus. "Alle werden aussehen wie ich – wie cool", freut sich Anika trotzdem und Aurélie findet: "Überall Eierköpfe, es war extrem lustig." Klum hingegen kommentiert das Zurechtmachen der an Alopezie erkrankten Anika mit einem "Bei Anika lief es heute ein bisschen schneller als bei den anderen." Was man eben so lustig findet. Schlussendlich erwischt es diesmal Alexavius. "Ich fehle nur in zwei Folgen – das ist in Ordnung", nimmt der Grazer sein Ausscheiden mit Gelassenheit hin.
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