Größter Wasserfall der Erdgeschichte aufgespürt
Größter Wasserfall der Erdgeschichte aufgespürt
Aktualisiert am 13.05.2026, 04:10 Uhr Durch die Niagarafälle strömen 2,4 Millionen Liter pro Sekunde - doch das ist nichts im Vergleich mit dem, was die Geologen entdeckten. (Symbolbild) © Getty Images/iStockphoto/georgeclerk Lesedauer:2 Min.Vor Millionen von Jahren stürzte eine unfassbare Wassermenge in das ausgetrocknete Mittelmeer. Ein Forscherteam hat nun die Überreste dieses gigantischen Naturschauspiels auf dem Meeresboden aufgespürt – und liefert damit neue Erkenntnisse über eine der dramatischsten Episoden der Erdgeschichte.
Ein internationales Forschungsteam um den Hamburger Geophysiker Benedikt Haimerl hat auf dem Meeresboden vor Sizilien die Spuren des vermutlich größten Wasserfalls der Erdgeschichte aufgespürt. Die gewaltige Struktur entstand vor rund 5,3 Millionen Jahren, als sich das zuvor weitgehend ausgetrocknete Mittelmeer in einem katastrophalen Flutereignis wieder mit Wasser füllte. Haimerl stellte die Ergebnisse auf der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien vor, wie der "Standard" berichtet.
Um die Dimensionen zu begreifen, hilft ein Vergleich: Durch den prähistorischen Wasserfall strömten den Modellberechnungen zufolge etwa 100 Milliarden Liter Wasser pro Sekunde – rund 40.000-mal so viel wie durch die heutigen Niagarafälle, die auf etwa 2,4 Millionen Liter pro Sekunde kommen.
Als das Mittelmeer austrocknete
Die Vorgeschichte dieser Megaflut reicht weit zurück. Während der sogenannten Messinischen Salinitätskrise war das Mittelmeer zu großen Teilen ausgetrocknet. In dem riesigen Becken lagerten sich kilometerhoch Salze ab – ein Befund, der erstmals in den 1970er-Jahren durch Bohrungen im Meeresboden zutage kam, so der "Standard". Wie stark der Meeresspiegel damals tatsächlich absank, ist unter Fachleuten seit Jahrzehnten umstritten. Die Schätzungen reichen laut dem Konferenzbeitrag auf "Copernicus" von weniger als 500 Metern bis zu mehr als zwei Kilometern.
Fast 500 Meter hoch Studie enthüllt Details zu Mega-Tsunami in Alaska vor 5 TagenIrgendwann brach der Atlantik dann über die heutige Straße von Gibraltar in das ausgedörrte Becken ein – die sogenannte Zancleanische Flut. Allerdings sollte man sich dabei keinen einzelnen tosenden Wasserfall vorstellen: Das Wasser bahnte sich zunächst über einen mehrere hundert Kilometer langen Kanal seinen Weg und füllte nach und nach das westliche Mittelmeer bis nach Italien. Erst zwischen Sizilien und der afrikanischen Küste traf es auf eine zweite natürliche Barriere.
Ein Amphitheater auf dem Meeresgrund
Beim Überwinden dieser Barriere stürzte das Wasser dann offenbar tatsächlich als gewaltiger Wasserfall in die Tiefe. Den Nachweis dafür lieferten Haimerl und sein Team mithilfe sogenannter Reflexionsseismik – einem Verfahren, bei dem Vibrationswellen durch den Untergrund geschickt und ihre Reflexionen gemessen werden. So lassen sich Form und Mächtigkeit der verschiedenen Gesteinsschichten rekonstruieren.
Die Daten offenbarten am Fuß des sogenannten Noto Canyon eine amphitheaterförmige Erosionsstruktur von enormen Ausmaßen. "Es handelt sich um eine 20 Kilometer breite und über zehn Kilometer lange Struktur", erklärte Haimerl bei einer Pressekonferenz. Die Gewalt des einströmenden Wassers habe diesen Canyon geformt und unterhalb eine mehr als 800 Meter hohe Schwemmfläche aufgetürmt.
Meeresspiegel sank um 2.200 Meter
Die Morphologie dieser Struktur – ihre Amphitheaterform, ihr Relief und ihre seitliche Ausdehnung – sei das Ergebnis der außerordentlichen hydraulischen Energie, die bei der katastrophalen Atlantikflut freigesetzt wurde, heißt es im Konferenzbeitrag. Es handele sich um den größten bislang identifizierten fossilen Wasserfall.
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Die Entdeckung ermöglicht dem Team zudem eine neue Abschätzung des damaligen Meeresspiegelrückgangs. Demnach lag der Wasserspiegel im östlichen Mittelmeer in Spitzenzeiten rund 2.200 Meter tiefer als heute – ein Wert, der am oberen Ende der bisherigen Schätzungen liegt. Das spricht für ein Ereignis von noch gewaltigeren Ausmaßen, als die meisten Fachleute bislang angenommen hatten.
Numerische Modelle stützen laut "Copernicus" diese Größenordnung, betonen allerdings, dass es zeitliche und lokale Schwankungen gegeben habe und nicht von einem einzigen statischen Tiefstand auszugehen sei. Die bisherige Bandbreite der Schätzungen spiegele eher die unterschiedliche Empfindlichkeit der Methoden wider als grundsätzlich unvereinbare Szenarien. (bearbeitet von mak)
Verwendete Quellen
- derstandard.at: Größter bekannter Wasserfall der Erdgeschichte identifiziert
- meetingorganizer.copernicus.org: Noto Canyon, Sicily: Terminal Spillway of the Zanclean Flood and Earth's Largest Fossil Waterfall Indicating a ~2200 m Sea-Level Drawdown
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