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Grindwale müssen gegen Schiffslärm "anschreien"

So laut wie ein Staubsauger

Grindwale müssen gegen Schiffslärm "anschreien"

Aktualisiert am 11.05.2026, 19:33 Uhr Grindwale rufen teilweise lauter, um den Schiffslärm in der Straße von Gibraltar zu übertönen. © dpa / Philippe Verborgh, CIRCE, Spain Lesedauer:2 Min.

Tausende Schiffe durchqueren jedes Jahr die Straße von Gibraltar – und bringen die dort lebenden Grindwale zunehmend an ihre Grenzen. Eine Studie zeigt: Um sich im Dauerlärm verständigen zu können, müssen die Tiere teils deutlich lauter rufen. Doch das funktioniert nicht immer.

Zwischen Schiffsmotoren und -hupen ist es nicht immer leicht für Meeresbewohner, sich zurechtzufinden. Welche teils lebensbedrohlichen Folgen dies haben kann, zeigen unter anderem Strandungen von Walen.

Auch die Grindwale, die in der Straße von Gibraltar zuhause sind, bekommen durch den Lärm unter Wasser massive Probleme: Um sich Gehör zu verschaffen, rufen die Wale teilweise lauter als üblich, wie ein internationales Forschungsteam herausgefunden hat und im "Journal of Experimental Biology" schreibt.

Die Straße von Gibraltar – also die Meerenge zwischen Spanien und Marokko – gehört zu den am stärksten befahrenen Gewässern der Welt, der Studie zufolge fahren jedes Jahr mehr als 60.000 Schiffe hindurch. Zwischen all diesen Schiffen müssen die Wale es schaffen, Nahrung sowie ihre Herde zu finden und ihren Nachwuchs aufzuziehen.

Rufe der Grindwale aufgezeichnet und ausgewertet

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Die Gruppe um Milou Hegeman und Frants Jensen von der dänischen Universität Aarhus war zwischen 2012 und 2015 mit einem Forschungsschiff in der Straße von Gibraltar unterwegs und hat die Rufe der Wale aufgezeichnet, um mehr darüber zu erfahren, wie die Tiere unter diesen Umständen leben.

Dazu befestigten sie mit Saugnäpfen Aufzeichnungsgeräte an den Rücken von 23 Grindwalen (Globicephala melas). Die Geräte dokumentierten nicht nur die Geräusche der Tiere, sondern zeichneten auch auf, in welcher Tiefe die Wale unterwegs waren und wie sie sich bewegten. Nach 24 Stunden lösten sich die Geräte und trieben an die Oberfläche.

Lärm wie neben einem Staubsauger

Zurück im Labor analysierte das Team 1432 Walrufe und den Umgebungslärm. Dieser bewegte sich in einer Spanne von 79 bis 144 Dezibel – den Autoren zufolge vergleichbar mit der Geräuschkulisse eines lauten Restaurants bis hin zu der Lärmbelastung, die direkt neben einem Staubsauger herrscht.

Bei den Walen scheint dies dazu zu führen, dass sie ihr Verhalten anpassen und die Lautstärke ihrer Rufe erhöhen, wie die Forscher feststellten. Dies war vor allem bei Rufen mit höherer Frequenz und bei kurzen, unterbrochenen Rufen der Fall. Eine geringe Erhöhung der Lautstärke reichte den Walen hierbei aus, um sich Gehör zu verschaffen. Die Rufe mit höherer Frequenz dienen den Walen laut den Forschern dazu, sich in näherer Umgebung zu verständigen.

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Selbst Maximum an Lautstärke oft nicht ausreichend

Allerdings funktioniert diese Lösung wohl nicht bei allen Arten von Rufen: Bei Rufen in niedrigerer Frequenz sowie Rufen aus zwei verschiedenen Komponenten schöpfen die Wale der Studie zufolge ohnehin bereits das Maximum an Lautstärke aus, das sie imstande sind, zu erzeugen. Lauter zu rufen, um die Schiffe zu übertönen, ist in diesen Fällen somit keine Option. Unglücklicherweise seien es genau diese Rufe, mit denen sich die Wale gegenseitig darüber verständigen, wo sie gerade sind, um zueinanderzufinden, schreibt das Team.

"Zunehmender Lärm verringert die effektive Kommunikationsreichweite, wodurch es für weit voneinander entfernte Tiere schwieriger wird, einander zu finden", erklärt Jensen – etwa nach der Nahrungssuche. Die Grindwalpopulation in der Straße von Gibraltar umfasse nur noch 250 Tiere, betonen die Autoren – und rufen dazu auf, den Lärm zu reduzieren, um die Wale zu schützen. (dpa/bearbeitet von sav)

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