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Europa statt US-Firma: Verfassungsschutz setzt offenbar auf Palantir-Alternative

Europäische Lösung

Europa statt US-Firma: Verfassungsschutz setzt offenbar auf Palantir-Alternative

Aktualisiert am 13.05.2026, 20:42 Uhr Als erste deutsche Sicherheitsbehörde will der Verfassungsschutz wohl auf eine europäische Datenanalyse-Software setzen. © picture alliance / Sipa USA/SOPA Images Lesedauer:2 Min.

Schon länger wird darüber diskutiert, welche Datenanalyse-Software deutsche Sicherheitsbehörden nutzen sollten. Teil der Debatte: die umstrittene US-Firma Palantir. Das Bundesamt für Verfassungsschutz soll sich nun für eine europäische Alternative entschieden haben.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz will in Zukunft offenbar auf einen europäischen Anbieter von Datenanalyse-Software setzen. Das ergaben Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung". Dabei geht es um Software, die mit Hilfe Künstlicher Intelligenz große Datenmengen verarbeiten und analysieren kann.

Den Recherchen zufolge hat sich der deutsche Inlandsgeheimdienst für das Produkt der französischen Firma ChapsVision entschieden – und damit nicht für das Angebot des US-Unternehmens Palantir. Die amerikanische Firma von Peter Thiel und Alexander Karp ist umstritten und trotzdem für viele Behörden bereits das Mittel der Wahl, so etwa für die Landespolizeien in Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Dort setzt man auf die Palantir-Softwarelösung "Gotham". Zumindest bislang noch. In Nordrhein-Westfalen steht die Anwendung der ARD zufolge auf dem Prüfstand.

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Software soll bei Bekämpfung von Terrorismus und Spionage zum Einsatz kommen

Auch andere europäische Länder nutzen verschiedene Palantir-Anwendungen. Ein Kritikpunkt: Die Abhängigkeit der USA würde so weiter gesteigert. Und auch Peter Thiel selbst steht aufgrund seiner libertären Ansichten in der Kritik.

Auch Verfassungsschutzchef Sinan Selen sprach sich im vergangenen Winter für einen europäischen Fokus aus. Der aktuellen Recherche zufolge ist das Bundesamt für Verfassungsschutz die erste deutsche Behörde, die mit ChapsVision auf eine solche europäische Alternative setzt. Das französische Unternehmen äußerte sich auf Nachfrage von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung nicht. Vom Verfassungsschutzes heißt es demzufolge allerdings, der Machtbarkeitsnachweis für die eingekaufte Software sei mittlerweile abgeschlossen.

Konkret geht es um die Softwarelösung ArgonOS. Neben der Analyse großer Datenmengen mittels KI soll damit auch in offen zugänglichen Quellen recherchiert werden können. Es geht also um sogenannte Osint-Recherchen (Open-Source-Intelligence). Wie WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" berichten, ist die Software bereits einsatzbereit. Genutzt werden könne sie dann etwa für die Terrorismusbekämpfung oder die Spionageabwehr, allerdings in einem rechtlich eng begrenzten Rahmen.

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Verfassungsschutz soll mehr Befugnisse bekommen

Das Bundesamt für Verfassungsschutz soll künftig neue Befugnisse bekommen. Noch wird an der Gesetzesnovelle gearbeitet. Bei einem Cyberangriff soll die Sicherheitsbehörde nicht mehr nur in der Lage sein, Daten auszulesen und zu analysieren, was ein ausländischer Geheimdienst vorhat. Sie soll den Angriff auch stören beziehungsweise die Einsatzmittel des Angreifers manipulieren dürfen.

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Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat in der Vergangenheit mehrfach betont, der Verfassungsschutz solle ein "echter Geheimdienst" werden. Wie die ARD berichtet, befürwortet Dobrindt auch die Nutzung von KI und Gesichterkennungssoftware. (ras)

Verwendete Quellen:

  • tagesschau.de: "Verfassungsschutz setzt auf Palantir-Alternative"
  • Material der dpa
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