"Euphoria" kehrt als Tarantino-Kopie zurück
"Euphoria" kehrt als Tarantino-Kopie zurück
Aktualisiert am 14.04.2026, 10:00 Uhr "Euphoria" war einer der Hypes der Gen Z 2019. Nun geht die Serie in die dritte Staffel. © picture alliance / Photoshot/ Lesedauer:3 Min.Nach vier Jahren gibt es endlich eine dritte Staffel der Serie, die Zendaya, Sydney Sweeney und Jacob Elordi zu Stars machte. Mit dem Original hat das nicht mehr viel zu tun.
Eine Kritik von Felix Reek Diese Kritik stellt die Sicht von Felix Reek dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.Serienerfinder Sam Levinson hat in den letzten 4 Jahren wohl ziemlich viele Filme von Quentin Tarantino gesehen. Denn die dritte Staffel von "Euphoria" ist eine Mischung aus "Django Unchained" und "Pulp Fiction". Rue, gespielt von Zendaya, fährt in den ersten Szenen mit Vollgas durch die mexikanische Wüste und überquert mit ihrem SUV, im wahrsten Sinne des Wortes, den Grenzzaun zur USA. Mariachi-Sound inklusive. Sie ist jetzt ein Drogenkurier und trifft dabei auf allerlei spezielle Gestalten, die auch aus dem Universum des Meisters der seltsam-coolen Gangsterfiguren stammen könnten.
Den anderen Protagonisten der Erfolgsserie von HBO ist es auch nicht besser ergangen. Eine von ihnen ist Prostituierte, die nächste finanziert sich den hohen Lebensstandard über OnlyFans. Das sieht so gut aus, dass es ohne Weiteres auch im Kino laufen könnte. Nur hat das mit der ursprünglichen Serie nicht mehr viel zu tun.
Auftakt zur dritten Staffel Sydney Sweeney und Zendaya zeigen bei "Euphoria"-Premiere Haut vor 6 TagenEin desolates Bild junger Menschen
"Euphoria" war einer der Hypes der Gen Z. 2019 startete die Serie und zeichnete wie kaum eine andere ein authentisches, wenn auch desolates Bild junger Menschen. Schon die erste Folge setzte die Stimmung: Rue wird drei Tage nach 9/11 geboren, leidet an ADHS, Panikattacken und Angstzuständen und wird als Kind mit Psychopharmaka vollgestopft. Als junge Erwachsene setzt sie das nahtlos fort und wirft sich alles an Drogen ein, was sie in die Finger bekommt. Einfach nur, um für zwei Sekunden “das große Nichts” zu erleben, jenen Moment, in dem alles still ist.
Der Serie gelang es immer gut, aktuelle Strömungen einzufangen: den Einfluss von Social Media, Internetpornografie sowie klassische Themen des Heranwachsens – hier konnte sich die Gen Z wiederfinden. Gleichzeitig schuf sie drei der größten Stars dieser Generation: Zendaya ("Spider-Man"), Sydney Sweeney ("The Housemaid", "The White Lotus") und Jacob Elordi ("Frankenstein", "Wuthering Heights").
Das dürfte auch erklären, warum es so lange gedauert hat, bis endlich eine neue Staffel erschien: Die drei Hauptdarsteller sind in Hollywood mittlerweile einfach zu gefragt. Ob die dritte Staffel die letzte sein wird, ist noch offen. In den letzten Monaten war immer wieder von Differenzen mit Showrunner Sam Levinson die Rede. Die letzten Folgen von "Euphoria", die jeweils montags auf HBO Max und Wow erscheinen, sollen immer noch nicht final geschnitten sein.
Richtungswechsel in Staffel 3
Für deutsche Journalisten gab es vorab keine Folgen zu sehen. Deshalb geht es hier nur um den Staffelauftakt, der am 13. April online ging. Wer allerdings im Netz nach Rezensionen sucht, wird schnell feststellen, dass die internationale Presse einige Folgen mehr sehen konnte und nicht sonderlich begeistert ist.
Relativ einig scheinen sich die Kritiker darüber, dass "Euphoria" in den neuen Folgen eine ganz andere Richtung einschlägt. Bisher standen über weite Strecken die Schule und deren soziales Umfeld im Mittelpunkt, jetzt spielt die Serie fünf Jahre später und folgt den Protagonisten in ihr Leben nach dem Abschluss. Das hat natürlich den Nachteil, dass es kaum noch gemeinsame Szenen gibt – was aber natürlich besser in den Terminplan der jungen Stars passt, die mittlerweile alle weit in ihren Zwanzigern sind.
Hollywoodstar Sydney Sweeney zu Besuch bei Sporting Lissabon
Aktualisiert am 03.03.2026, 15:45 Uhr Hollywoodstar Sydney Sweeney sorgt für Begeisterung: Überraschend besuchte sie den portugiesischen Fußballverein Sporting Lissabon und zeigte dabei auch ihr Ballgefühl auf dem Rasen.Empörung statt Substanz
Nur verliert die Serie damit das, was sie einmal ausgemacht hat. Klar, Zendaya ist noch immer überragend, und "Euphoria" sieht fantastisch aus. Die Serie greift aktuelle oder nicht mehr ganz so aktuelle Themen wie die Fentanyl-Krise in den USA, den Boom von OnlyFans oder den Tradwife-Trend auf. Aber neben der technischen Brillanz und den starken Darstellungen wirkt das Ganze oft zu sehr, als suche die Serie nach promo-tauglicher Empörung im Netz. Schon in der ersten Folge kriecht Sydney Sweeney im Hündchenkostüm übers Bett.
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Insgesamt ist "Euphoria" immer noch unterhaltsam, wirkt aber oft schlecht gelaunt und wie die Fantasie eines alten weißen Mannes. Und man hat häufig den Eindruck, als wären nicht nur die Hauptdarsteller froh, dass es endlich zu Ende ist. Ob das wirklich so sein wird, dürfte vom Erfolg der dritten Staffel abhängen – und davon, wie viel HBO bereit ist, seinen Gen-Z-Stars zu zahlen.
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