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Er macht nichts im Haushalt – und jetzt?!

Eine Frage, mehrere Antworten

Er macht nichts im Haushalt – und jetzt?!

Aktualisiert am 18.04.2026, 21:40 Uhr Was tun, wenn die Hausarbeit immer nur an einer Person hängen bleibt? (Symbolbild) © Getty Images/iStockphoto/CHEBOTKEVICH - bearbeitet Lesedauer:4 Min. Von Tanja Ransom Franziska Scharch

In vielen Beziehungen sorgt die Aufteilung der Hausarbeit für Konflikte. Was tun, wenn eine Person ständig anpackt, während die andere sich zurücklehnt? Eine Person hat diese Frage für unser Leserformat "… und jetzt?!" gestellt – und Menschen mit ganz unterschiedlichen Expertisen haben geantwortet.

Es gibt mehr als Schwarz und Weiß, richtig oder falsch. Aus diesem Grund sprechen wir in unserem Leserformat "... und jetzt?!" mit verschiedenen Menschen über persönliche Fragen, die unsere Leserinnen und Leser beschäftigen.

Diesmal geht es um folgendes Thema:

"Wie kann ich (65) meinen Partner (75) dazu bewegen, sich mehr in die täglichen Routineaufgaben, sprich Hausarbeit, mit einzubringen?"

Hier lesen Sie die Antworten, die uns Expertinnen und Experten auf die Frage gegeben haben:

Simon B. Eickhoff: Alte Erwartungshaltungen neu aushandeln

Simon Eickhoff © FZJ/Sascha Kreklau

"Der Mensch ist ein Gewohnheitstier – das ist nicht nur ein Ausspruch, sondern entspricht auch den Erkenntnissen der Neurobiologie. Ich gehe mal davon aus, dass diese beiden schon eine längere Beziehung führen und entsprechend lange auch ihre Rollen gefunden und gelebt haben.

Wenn man sich nun bewusst macht, dass unser Erleben und unser Handeln sehr stark von Erfahrungen und Erwartungen geprägt sind, dann ist es klar, dass der Partner nach Jahrzehnten eher überrascht ist, wenn die Frau auf einmal sagt: 'Heute machst du die Küche.' Das ist nicht negativ gemeint, sondern bedeutet lediglich einen kompletten Bruch der Erwartungshaltung.

Übrigens ist das auch ein Grund, warum einschneidende Lebensereignisse, insbesondere die Pensionierung, durchaus zu Beziehungskrisen führen können, da es dann fast zwingend zu einem Bruch der bisherigen Schemata kommt. Also Erwartungshaltungen, Selbst- und Fremdbilder neu ausgehandelt werden müssen."

Zur Person

  • Prof. Dr. Simon Eickhoff leitet das Institut für Systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Düsseldorf und das Institut für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich.
  • Seine Forschungsschwerpunkte sind die Gehirnorganisation und neue diagnostische Ansätze für neurologische und psychiatrische Erkrankungen. Dabei setzt er auf künstliche Intelligenz.

Aylin Thiel: Mit Empathie aufeinander zugehen

Dr. Aylin Thiel © Dr. Aylin Thiel

"Mit 35 Jahren macht ein Altersunterschied nicht viel aus. Aber mit 75 Jahren merkt man schon, dass der Alltag schwerer wird. Dann kann man leicht das Gefühl haben, dass jemand, der 65 Jahre alt ist, dies doppelt so schnell erledigt.

Man ruht sich vielleicht darauf aus und denkt, dem anderen fällt das leicht, das macht ihm nichts aus und ich bin gar nicht mehr hilfreich. Mit 75 Jahren ist man schon länger in diesem Abbauprozess und kann das Gefühl haben, dass alles anstrengend und schwer ist. Die Hüfte schmerzt, man hört und sieht nicht mehr gut. Irgendwann denkt man sich: 'Mach du das lieber, ich halte mich da mal raus.' Das muss nicht böse gemeint sein, man fühlt sich vielleicht nicht mehr wertvoll genug, um sich einzubringen.

Es ist wichtig, dass die 65-jährige Person das Thema anspricht und beispielsweise sagt: 'Ich merke, dass ich dich hier im Haushalt vermisse. Ich merke, dass ich dich brauche. Auch mir fallen die Dinge schwer. Ich fühle mich zunehmend allein, obwohl wir zusammen sind. Ich frage mich, was passiert ist, dass du dich so zurückziehst. Ich kann dir nur sagen, dass ich mir wünschen würde, dass du etwas übernimmst, zum Beispiel morgens das Frühstück.' Man könnte dem anderen ein paar Aufgaben anbieten, sodass er merkt: 'Okay, stimmt, das könnte ich tun.' Ich glaube, das könnte für beide unglaublich bereichernd sein. Aber wichtig ist es, darüber zu sprechen. Wenn wir uns wirklich öffnen, würden meiner Meinung nach mehr solcher Gespräche entstehen."

Zur Person

  • Dr. Aylin Thiel ist Psychologische Psychotherapeutin, Traumatherapeutin sowie Paartherapeutin.
  • Auf ihrem Instagram-Kanal teilt sie ihr Wissen und Impulse zu den Themen Trauma, Heilung und Selbstfürsorge. Sie ist SPIEGEL-Bestseller-Autorin des Buches "Trauma ENDLICH überwinden: Finde die Lebensfreude, die du verdienst".

Andrea Newerla: Die Rolle als Umsorgerin hinterfragen

Dr. Andrea Newerla © Dr. Andrea Newerla

"In heterosexuellen Langzeitbeziehungen ist das nichts Ungewöhnliches. Unsere Gesellschaft ist geprägt von patriarchalen Machtverhältnissen. Studien zeigen, dass Männer in heterosexuellen Beziehungen deutlich mehr profitieren als Frauen. Und das aus verschiedenen Gründen: Beispielsweise übernehmen Frauen einen Großteil der Care-Arbeit.

Es gibt daher auch viele Frauen, die sich im Alter trennen oder sich nicht neu verpartnern. Dass dies in der beschriebenen Partnerschaft nicht funktioniert, ist daher ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.

Ich würde zunächst zu einem Gespräch raten, in dem die Person den Wunsch äußert, dass sich die Beziehungsperson mehr im Haushalt einbringt. Dann sollte man schauen, wie die Person darauf reagiert. Wenn die Person sich weigert, würde ich empfehlen, gemeinsam eine Beratung aufzusuchen und deutlich zu machen: 'Ich wünsche mir das, weil ich das nicht alles allein übernehmen will.' Wenn das nicht hilft, ist eine Trennung eine Option. Wenn man nur dafür da ist, alles für eine andere Person zu tun und sie zu umsorgen, sollte man sich fragen, ob eine so einseitige Beziehung wirklich erfüllend ist."

Zur Person

  • Dr. Andrea Newerla ist Soziologin, Beziehungsberaterin, Trainerin und Autorin. Sie hat an verschiedenen Universitäten zu Intimität, Online-Dating und Beziehungen jenseits heteronormativer Standards geforscht.
  • Sie bietet Beratungen an und teilt ihre Tipps auf ihrem Instagram-Kanal.

Ronja Runge: Zuerst über Gefühle sprechen

Ronja Runge © Anna Spindelndreier

"Ein guter Ansatzpunkt ist, erst einmal zu überlegen, was das mit mir macht. Macht es mich wütend? Bin ich traurig? Mit diesen Gefühlen kann man an den Partner herantreten und sagen: 'Du, das macht mich total sauer, wenn du nie abspülst. Das macht etwas mit mir.'

Damit zeigt man dem Partner: Es ist nicht bloß die Wäsche, es ist nicht diese Arbeit an sich, sondern da liegt was drunter. Und zwar ein Gefühl von Unfairness, dass wir uns Dinge nicht teilen können. Das bringt mich in eine doofe Rolle, in der ich nicht sein will.

Und dann fragen: 'Gibt es Sachen, die dir total leicht fallen, die mich nerven, etwa den Boden wischen? Können wir unsere Haushaltsaufgaben nach Gusto teilen und überlegen, was macht mir mehr Freude und was dir? Finden wir einen Kompromiss?'

Auf der anderen Seite ist es wichtig, deutlich zu machen: Für mich ist da ein Endpunkt, denn ich möchte nicht immer sauer sein. Wenn ich dauernd genervt bin, trägt mich das von dir weg und schafft Distanz."

Zur Person

  • Ronja Runge ist Sexualwissenschaftlerin und arbeitet in der Sexualbildung.
  • Sie schult Fachkräfte und Menschen mit Behinderung in den Bereichen Barrierefreiheit, Gewaltschutz und Sexualität.

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