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Eine Rolle erweist sich als Schwachstelle der ersten Folge

Kritik Kommissar Rex ist zurück

Eine Rolle erweist sich als Schwachstelle der ersten Folge

Aktualisiert am 14.04.2026, 08:39 Uhr Kommissar Rex ist zurück. An seiner Seite: Chefinspektor Max Steiner (l.). © SAT.1/ORF/Petro Domenigg Lesedauer:5 Min.

22 Jahre nach dem Ende ist "Kommissar Rex" an seinen Ursprungsort zurückgekehrt. Der berühmteste Polizeihund des deutschsprachigen Fernsehens nimmt wieder die Spur auf – mit neuem Herrchen, moderner Optik und längeren Folgen. Die erste Episode setzt auf Nostalgie. Gleichzeitig versucht die Serie, der Hauptfigur Max Steiner mehr Raum zu geben. Gegen den fellnasigen Superstar der Serie kommt der aber nicht an.

Eine Kritik von Robert Penz Diese Kritik stellt die Sicht von Robert Penz dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Die auch von Sat.1 ausgestrahlte und vom öffentlich-rechtlichen ORF produzierte Serie war im Grunde nie nur eine Krimireihe, sondern auch ein kulturindustrielles Phänomen: eine österreichische Melange aus Verbrechen, Schmäh und tierischer Emotionalität, die international erstaunlich gut funktionierte. Vor allem die Zeit mit dem schon damals renommierten österreichischen Theaterschauspieler Tobias Moretti als Kriminalinspektor Richard "Richie" Moser – und Herrchen von Rex – war besonders erfolgreich.

Am Montag startete die neue Staffel "Kommissar Rex" mit der ersten Folge "Wien sehen und sterben". Die Herausforderung ist klar: an die Vergangenheit anknüpfen, ohne sie bloß zu kopieren. Schon die ersten Minuten rund um den abendlich beleuchteten Stephansdom spielen bewusst mit bekannten Bildern. Nicht zufällig erinnert das an die allererste Folge ("Endstation Wien", 1994), in der einst ein Teil des Haas-Hauses am Stock-im-Eisen-Platz gegenüber dem Stephansdom in die Luft gejagt wurde. Die neue Episode legt in einer Bar im Haas-Haus los: Ein Mann (Stefano Bernardin) sitzt panisch zitternd auf einem Stuhl, in der Hand ein Zettel mit der Aufschrift: "Wenn du aufstehst, bist du tot." Unter ihm tickt eine Bombe.

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Zeit fürs Privatleben

Was in der neuen Serie schon nach wenigen Minuten augenscheinlich wird: Vieles wirkt heute moderner und dynamischer, jedoch bleibt das Grundgefühl vertraut. Und Wien ist wieder mehr als nur Kulisse und erneut dritte Hauptfigur.

Neu ist auch die Länge der Folgen: Statt wie früher rund 45 Minuten sind die Episoden nun auf eineinhalb Stunden angewachsen, was zunächst Vorteile bringt – gerade die Bombenszene zu Beginn profitiert davon: Die Serie nimmt sich hier schon Zeit, Spannung aufzubauen, Situationen auszuspielen und Figuren atmen zu lassen. Auch die Dialoge wirken dadurch ruhiger und glaubwürdiger.

Mit Maximilian Brückner als Max Steiner setzt sie zudem auf eine Figur, die sich klar von ihren Vorgängern unterscheidet. Steiner ist besonnener, weniger impulsiv und insgesamt introvertierter als etwa Richard Moser.

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Seine Konflikte liegen weniger im Job als im Privaten. Etwa in der Beziehung zu seiner Tochter und seinem nicht ganz geordneten Leben. Diese stärkere Gewichtung des Persönlichen ist ebenfalls ein Ergebnis der längeren Laufzeit und grundsätzlich ein Gewinn.

Allerdings fehlt Steiner in der ersten Folge noch etwas Profil. Er funktioniert, bleibt aber noch nicht nachhaltig hängen. Anders Rex: Sobald der Schäferhund ins Bild kommt, ist das vertraute Gefühl sofort wieder da. Er ist Fixpunkt, Publikumsliebling und Bindeglied zwischen alter und neuer Serie. Und er versteht natürlich jedes Wort.

"Kommissar Rex": Humor wieder mit von der Partie

Kein Wunder, dass der Mann auf der Bombe – später als Sascha Trautmann identifiziert – zunehmend die Nerven verliert. Aus Angst, er könnte aufstehen und das gesamte Gebäude in die Luft jagen, greift Kommissar Steiner zu einer waghalsigen Maßnahme und setzt sich an seine Stelle.

Humor ist dabei weiterhin Teil des Konzepts: "Servus Max! Warum wundert mich das jetzt nicht?", begrüßt der Bombenentschärfer den nun auf dem Sprengsatz sitzenden Chefinspektor. "Du mich auch!", kontert dieser trocken. Im weiteren Verlauf zeigt sich jedoch auch die Kehrseite der erweiterten Episodenlänge: Die Handlung wird zunehmend komplexer und entwickelt sich von der Bombensituation über einen Giftmord hin zu einer Art Agentengeschichte, was stellenweise zu konstruiert anmutet. Einzelne Ideen sind gelungen, greifen aber nicht immer sauber ineinander.

Optisch und akustisch macht "Wien sehen und sterben" aber einiges her. Drohnenaufnahmen, abwechslungsreiche Kamerafahrten, Zeitlupen und längere Musikepisoden – etwa mit Tracks von U2, Coldplay oder Arcade Fire – schaffen jede Menge Atmosphäre. Gleichzeitig bleibt man den klassischen Zutaten treu: dem Humor, kleinen Running Gags und natürlich der Wurstsemmel.

Dass "Kommissar Rex" trotz der rund 90 Minuten gar nicht erst versucht, ein harter, düsterer Crime-Thriller zu sein, erweist sich ebenso als Stärke. Statt auf Schockeffekte setzt die Serie auf Spannung, Charme und Zugänglichkeit – angenehm unaufgeregt, wenn auch nicht immer voll ausgeschöpft.

Nebenfiguren mit Luft nach oben

Während Steiner und Rex das Zentrum bilden, bleiben die Nebenfiguren noch blass. Inspektor Felix Burger (Ferdinand Seebacher) bringt zwar eine moderne, technikaffine Note und in der sozialen Interaktion mit ihm Unbekannten eine sympathische Portion Schusseligkeit ein, wirkt aber bislang eher wie ein Helferlein im Hintergrund.

Majorin Evelyn Leitner (Doris Golpashin) erweist sich hingegen als Schwachstelle der ersten Folge. Weder die Rolle noch ihre mimische Darstellung überzeugt. Es wirkt, als hätten Buch, Regie und Darstellerin noch keine klare Idee, wohin die Reise gehen soll. Statt einer starken Vorgesetzten sieht man eine dekorative Figur, deren Mimik nur gelegentlich mit dem Gesagten in Einklang steht. Frühere Sidekicks wie Ernst Stockinger (Karl Markovics) oder Peter Höllerer (Wolf Bachofner) hatten hier so viel mehr Profil.

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Auch Alfred Dorfer, der den Pathologen Tom Wippler spielt, bleibt in der ersten Folge noch unter seinen Möglichkeiten – sein Auftritt ist allerdings viel zu kurz, um Eindruck hinterlassen zu können. Ob es künftig wieder prominente Gastauftritte geben wird – wie einst etwa von Christiane Hörbiger oder dem späteren Oscar-Preisträger Christoph Waltz – bleibt abzuwarten.

Netter Start mit viel Wien

Was hingegen richtig gut funktioniert, ist die bereits erwähnte Inszenierung Wiens. Die Serie zeigt die Stadt von ihrer besten Seite: Stephansdom, Rathaus, Fiaker, Weinberge et cetera. Das ist natürlich kein Zufall, sondern Teil des Konzepts. "Kommissar Rex" war immer auch ein Stück Österreich-Export. Und bleibt es offenbar.

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Gleichzeitig deutet sich an, dass die Serie auch inhaltlich breiter werden will. Obdachlosigkeit, Machtmissbrauch oder Femizid sollen in den kommenden Folgen eine Rolle spielen – allesamt Themen, die auch hinter der Wiener Postkartenfassade präsent sind.

Der Neustart von "Kommissar Rex" ist keine Sensation, aber eine solide Angelegenheit. Die Folge bringt viele der alten Stärken zurück und findet grosso modo einen stimmigen Ton.

Klar: Wer damit nur schlecht umgehen kann, dass Rex "ein paar Dinge" mehr drauf hat als ein konventioneller Polizeihund und abends vermutlich auch noch den Geschirrspüler ausräumt und im Körbchen Sudoko spielt, wird mit der Serie fremdeln. Für alle anderen gilt: Fans bekommen ein Wiedersehen mit vertrauten Elementen, Neueinsteiger finden einen leichten Zugang. Die großen Momente fehlen noch, aber die Richtung passt halbwegs.

Wenn Rex allerdings weiterhin alle paar Minuten treuherzig den Kopf zur Seite legt, wird man sich seine Halswirbelsäule einmal anschauen müssen.

Teaserbild: © Petro Domenigg/Sat.1/dpa Feedback an die Redaktion