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Ein trauriger Abstieg: die Letzten ihrer Art!

Analyse Bundesliga wird noch monotoner

Ein trauriger Abstieg: die Letzten ihrer Art!

Aktualisiert am 12.05.2026, 10:21 Uhr Die SGS Essen hat kaum mehr Hoffnung auf den Klassenerhalt. Sie wird der Liga fehlen. © IMAGO/Zink/IMAGO/Sportfoto Zink / Daniel Marr Lesedauer:5 Min.

Eintracht Frankfurt könnte im Kampf um Europa nochmal wackeln, im Abstiegskampf dürfte alles entschieden sein. Das Wichtigste zum 25. Spieltag der Frauen-Bundesliga.

Eine Analyse von Justin Kraft Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Justin Kraft sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Am vorletzten Spieltag der Frauen-Bundesliga ist vor allem im Tabellenkeller die Vorentscheidung gefallen. Eine Überraschung scheint für den letzten Spieltag ausgeschlossen zu sein. Anders ist es im Kampf um Europa.

Drei Teams streiten sich noch um den begehrten dritten Platz, der zur Champions-League-Qualifikation berechtigt. Wackelt Eintracht Frankfurt nochmal? Das Round-up zum vergangenen Wochenende.

Die Tränen: SGS Essen so gut wie abgestiegen

Das bedeutungsvollste Spiel fand an diesem Wochenende in Nürnberg statt: Der FCN empfing die SGS Essen zum Kellerduell. Die Ausgangssituation war klar: Mit einem Sieg würde sich der Club den Klassenerhalt sichern, Essen hingegen brauchte mindestens einen Punkt und die Mithilfe des HSV, der nicht punkten durfte, um noch zu hoffen.

Entsprechend umkämpft war das Freitagabendspiel auch. Für Essen sollte es jedoch ein Abend zum Vergessen werden. Sie liefen an, sie investierten viel und sie erspielten sich zahlreiche gute Gelegenheiten. Doch am Ende waren es die Nürnbergerinnen, die mit einer für sie eher ungewohnten Spielweise drei Tore erzielten.

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Der FCN agierte sehr tief, ließ Essen teilweise bis weit in die eigene Hälfte gewähren und setzte nahezu komplett auf Umschaltsituationen. Das sonst recht hohe und aggressive Pressing war diesmal seltener zu sehen. Essen tat sich spürbar schwer damit, das Spiel selbst zu gestalten. Und trotzdem hatten sie auch nach dem 0:1-Rückstand zahlreiche gute Gelegenheiten, um dem Spiel eine andere Wendung zu geben.

Am Ende aber steht ein bitteres 0:3, mit dem der Klassenerhalt deutlich unrealistischer geworden ist. Der HSV verlor zwar ebenfalls mit 1:2 in Köln, hat vor seinem letzten Spiel gegen den FC Bayern aber drei Punkte und elf Tore Vorsprung. Es bräuchte einen Kantersieg der Münchnerinnen und Essen müsste daheim gegen Freiburg vermutlich ebenfalls hoch gewinnen. Kaum vorstellbar, dass beides eintrifft.

Die Professionalisierung: Ein hoher Preis für Wachstum

Für die SGS, die seit 2004 ununterbrochen Teil der Bundesliga war, geht es damit höchstwahrscheinlich in die 2. Bundesliga. Das Oberhaus wird diesen Klub, der so viele tolle Talente ausgebildet hat und immer noch ausbildet, vermissen. Denn spätestens mit dem Abstieg von Essen und Jena ist die Frauen-Bundesliga jetzt endgültig in der Hand jener Fußballklubs, die im Profifußball der Männer entweder in der Bundesliga oder mindestens in der 2. Bundesliga agieren.

Einerseits ist das folgerichtig. Es war von Anfang an Utopie, wenn man glaubte, es wäre irgendwie möglich, die Professionalisierung in diesem Tempo vorantreiben zu können, wenn nicht bestehende Strukturen genutzt werden. Ein Neuaufbau solcher wäre fast unmöglich gewesen. Zumindest vor dem Hintergrund, dass Wachstum und mehr Sichtbarkeit die oberste Prämisse waren.

Klubs wie Turbine Potsdam oder die SGS Essen konnten dieses Tempo natürlich nicht mitgehen. Dafür fehlen die finanziellen Mittel. Und es ist nachvollziehbar, dass diese Klubs mit den Entwicklungen hadern. Gleichwohl liegen die wichtigsten Ursachen dafür in der Vergangenheit. Der Fußball der Frauen konnte und durfte sich nie so entwickeln, wie es jener der Männer tat. Strukturen in Deutschland sind an den Frauen vorbei entstanden und gewachsen.

Jetzt werden diese Strukturen nach und nach auch im Fußball der Frauen genutzt. Mit dem Aufstieg des VfB Stuttgart und dem möglichen Aufstieg des FSV Mainz 05 wird die Liga nochmal wachsen und mehr Fans mitbringen. Der Preis dafür sollte aber nicht ignoriert werden. Die Arbeit, die Essen über viele Jahre geleistet hat und nach wie vor leistet, ist mehr als Bundesliga-tauglich. Nur die Mittel sind es eben nicht (mehr). Damit geht auch ein weiteres Stück Individualität in der obersten Spielklasse verloren.

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Die Kanonen: Dreikampf um die meisten Tore und Dreikampf um Europa

Einmal traf Pernille Harder für den FC Bayern gegen Eintracht Frankfurt. Ohne Tor blieb Selina Cerci für die TSG Hoffenheim beim 2:0-Sieg bei Union Berlin – bereitete aber immerhin beide Treffer vor. Damit sorgten sie für einen letzten Funken Spannung vor dem letzten Spieltag.

Denn weil Frankfurt beim 0:2 in München ohne Punkt blieb, konnten die TSG und Leverkusen den Abstand auf den dritten Platz nochmal verkürzen. Die Werkself gewann mit 3:1 in Leipzig. Hoffenheim ist jetzt drei Punkte und zwei Tore hinter der SGE, Leverkusen zwei Punkte und zehn Tore. Am letzten Spieltag empfängt Frankfurt Union Berlin. Eine Niederlage und die Konkurrenz könnte profitieren.

Hoffenheim spielt daheim gegen Leipzig und Leverkusen spielt ebenfalls zu Hause gegen Bremen. Für Werder könnte es derweil ebenfalls noch eine große Motivation geben: Denn Mühlhaus, die beim 7:0 gegen Carl Zeiss Jena dreimal traf, hat gute Karten auf die Torjägerinnenkanone. Sie steht jetzt ebenso wie Harder und Cerci bei 16 Saisontreffern. Mit Frankfurt, Leverkusen und Hoffenheim gibt es also noch einen Dreikampf um den letzten Europapokalplatz, während drei Stürmerinnen sich noch um den Titel als beste Torjägerin streiten.

Die Übergabe: Dominanter geht es kaum

Für den FC Bayern dürfte diese Woche aber anderes entscheidend sein. Am Donnerstag geht es im Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg und darum, das Double perfekt zu machen. Es wäre eine weitere Ansage an den deutschen Fußball.

Am Samstag bekamen die Münchnerinnen gegen Frankfurt die Schale überreicht. Aus 25 Spielen holten die Bayern 23 Siege, zwei Unentschieden und verloren bisher kein einziges Spiel. 89:9 Tore sind die Bilanz eines Klubs, der die Liga nach Belieben dominiert.

Es gibt sicher viele Diskussionen, die dadurch ausgelöst werden und die Frage danach, ob es der Bundesliga guttun kann, ein solches Monopol zu erleben, ist berechtigt. Gleichzeitig haben die Bayern in dieser Saison nochmal mehr als in den Vorjahren eine Überlegenheit gezeigt, die rein sportlich beeindruckend ist.

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Noch offensivstärker, noch stabiler in der Defensive, noch erdrückender und spielerisch stärker – selbst für den VfL Wolfsburg gab es keine Kontaktpunkte mehr zu den Bayern. Unter José Barcala sind sie endgültig in eine eigene Liga aufgestiegen. So besorgniserregend das für die Spannung der Liga ist, so verdient ist der Respekt für diese Leistung.

Und auch für das Abschneiden in den europäischen Wettbewerben ist es sicher von Vorteil, ein Team auf diesem Niveau zu haben. Bleibt abzuwarten, ob die Konkurrenz in naher Zukunft noch irgendwelche Lösungen parat hat, um die Lücke wieder kleiner werden zu lassen.

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Bundesliga: Und sonst so?

In Freiburg hat sich der VfL Wolfsburg die Vizemeisterschaft endgültig gesichert. Nach Rückstand drehte der VfL auf und gewann souverän mit 4:2. Vor dem Pokalfinale am Donnerstag ging es für die Wölfinnen vor allem darum, Selbstvertrauen zu tanken.

Bundesliga: Wie geht es jetzt weiter?

Traditionell finden die letzten Spiele zeitgleich statt. Am Sonntag kommt es um 14 Uhr daher zu folgenden sieben Aufeinandertreffen:

  • VfL Wolfsburg – 1. FC Nürnberg
  • Carl Zeiss Jena – 1. FC Köln
  • Eintracht Frankfurt – Union Berlin
  • Hamburger SV – FC Bayern
  • TSG Hoffenheim – RB Leipzig
  • SGS Essen – SC Freiburg
  • Bayer Leverkusen – SV Werder Bremen
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