Ein historischer Moment für Australien
Ein historischer Moment für Australien
Aktualisiert am 15.04.2026, 08:27 Uhr Sie wird bald an der Spitze des australischen Heeres stehen: Susan Coyle. © IMAGO/AAP/MICK TSIKAS Lesedauer:3 Min.Susan Coyle ist die erste Frau an der Spitze des australischen Heeres. Damit krönt die 55-Jährige eine lange militärische Laufbahn, die als Vorbild für weitere Frauen in der Armee dienen könnte.
Ein Porträt von Leon Kottmann Dieser Text enthält neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Leon Kottmann sowie ggf. von Expertinnen oder Experten. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.Als Verteidigungsminister Richard Marles am Montag vor die Presse trat, sprach er von einem "zutiefst historischen Moment". Soeben hatten er und Australiens Premierminister Anthony Albanese verkündet, dass sie Susan Coyle als erste Frau für die Spitze des australischen Heeres empfehlen werden.
Die Generalgouverneurin von Australien muss dem Vorschlag noch zustimmen, was aber reine Formsache sein dürfte. Die Heereschefin ist die höchste Offizierin australischen Landstreitkräfte. Sie ist nicht, wie von manchen Medien berichtet, "Armeechefin" im Sinne der gesamten Streitkräfte, da dieser Posten noch eine Ebene über ihr angesiedelt ist und auch den Oberbefehl über Marine und Luftstreitkräfte umfasst.
Trotzdem ist es ein Novum, dass mit Coyle eine Frau so hoch aufsteigt in der australischen Armee. Die 55-jährige Coyle hatte selbst in einem Interview mit "iwfaustralia.org" betont: "Du kannst nicht sein, was du nicht siehst." Dass Coyle nun zeigt, dass auch Frauen bis an Spitzenpositionen der Armee aufsteigen können, ist laut Verteidigungsminister Marles daher "sehr bedeutsam für alle Frauen, die in der Armee dienen oder darüber nachdenken".
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Coyle selbst fand ein solches Vorbild in ihrer Familie. Sie hatte drei ältere Brüder, doch als großes Vorbild diente ihr vor allem ihre große Schwester. Alice Coyle lebte Susan den Karriereweg beim Militär vor.
Beide waren zuerst bei den Schulkadetten, dann bei der Reserve und nach der Schule gingen beide zur australischen Armee: "Ich bin ihren Fußstapfen gefolgt", erzählte Susan Coyle 2020 im Podcast "Life on the Line".
Das Militär hat in ihrer Familie eine gewisse Tradition. Ihre beiden Großväter haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, erzählt Coyle. Auch Alice absolvierte eine lange Karriere und trat vor kurzem nach 40 Dienstjahren ab.
Als Coyles Karriere begann, war sie eine von wenigen Frauen
Als Susan Coyle 1988 mit 17 Jahren zur australischen Armee kam, war sie nur eine von wenigen Frauen, die diesen Berufsweg einschlugen. Gerade mal zehn Prozent der Soldaten waren damals Frauen. Fast vier Jahrzehnte später sind es immerhin knapp 20 Prozent.
Am Anfang habe sie sich in diesem männerdominierten Umfeld schwergetan, erzählt Coyle 2025 im Interview mit dem International Women Forum: "Zu Beginn meiner Karriere habe ich versucht, mich anzupassen, einer von den Jungs zu sein. Jetzt weiß ich, dass ich einfach ich selbst sein musste."
Coyle, die mit einem Armeeangehörigen verheiratet ist und drei Kinder hat, verfügt über eine Menge Erfahrung. Sie leitete im Jahr 2020 eine Taskforce im Nahen Osten, bei der sie die Verantwortung für 1.200 Rekruten in der Region trug. Außerdem war sie bereits an Einsätzen in Afghanistan, den südpazifischen Salomonen und Osttimor beteiligt.
Analyse Bürgermeister von New York 100 Tage Mamdani: Was hat der demokratische Sozialist bislang erreicht? vor 3 Tagen von Lukas HermsmeierCoyle sieht ihre Erfahrung als "solide Grundlage"
2022 kehrte sie zurück nach Australien und übernahm dort die Leitung der Abteilung der Informationskriegsführung. 2024 stieg sie weiter auf und wurde Chefin der Joint Capabilities Group (JCG), die verschiedene Abteilungen der Armee zusammenfasst. So ist die JCG auch für Cyberkriegsführung und den Weltraum verantwortlich.
Ihre Erfahrungen bezeichnet Coyle selbst als "solide Grundlage" für ihre neue Aufgabe. Die australischen Streitkräfte durchlaufen derzeit einen tiefgreifenden Wandel: Sie modernisieren ihr Arsenal mit Waffen von großer Reichweite, unbemannten Systemen und weiteren modernen Kampfmitteln.
Gleichzeitig geriet das australische Militär zuletzt in die Kritik, weil sich Vorwürfe sexueller Belästigung und struktureller Diskriminierung häuften. Im Oktober reichten Tausende Soldatinnen eine Sammelklage ein und werfen dem Militär vor, sie nicht ausreichend vor Übergriffen geschützt zu haben.
Eine Frau an der Spitze des Heeres ist ein klares Zeichen
Coyles Aufstieg an die Spitze der australischen Armee lässt sich somit auch als Zeichen deuten, dass das Militär einen kulturellen Wandel anstrebt und die Bedingungen für Soldatinnen verbessern möchte.
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Sie selbst betont, wie wichtig ihr der Schutz ihrer Mitarbeiter ist: "In meinem Führungsstil steht der Mensch im Mittelpunkt. Mir liegt das Wohl unserer Mitarbeiter und ihrer Familien am Herzen", betonte sie gegenüber dem IWF 2025.
Verwendete Quellen
- Podcast: Life on the Line: Interview mit Susan Coyle #86 Susan Coyle — Life on the Line Podcast
- IWF: Five minutes with IWFA Member Susan Coyle - The International Women's Forum Australia
- Australisches Verteidigungsministerium: Chief of Joint Capabilities
