Ein Gedanke überschattete die Meisterfeier der Bayern
Ein Gedanke überschattete die Meisterfeier der Bayern
Aktualisiert am 20.04.2026, 11:20 Uhr © SID Lesedauer:4 Min. Von Oliver JensenDer FC Bayern München sichert sich vorzeitig die Deutsche Meisterschaft. TV-Experte Michael Ballack traut dieser Mannschaft sogar das Triple zu. Sportvorstand Max Eberl hingegen warnt vor den Misstönen, falls kein weiterer Titel hinzukommen sollte.
Als die Meisterschaft sicher war, zeigte auch der sonst meist zurückhaltende Trainer Vincent Kompany Emotionen. Er riss die Arme in die Höhe, als der Schlusspfiff im Spiel gegen den VfB Stuttgart (4:2) ertönte, umarmte seine Trainerassistenten und Sportdirektor Christoph Freund. Wenige Minuten später hüpfte er gemeinsam mit den Spielern vor der Südkurve und sang: "Super Bayern, super Bayern, hey, hey."
"Jeder Titel ist wie der erste."
"Ich habe ja schon Emotionen, das ist für mich kein Problem", sagte er lachend, als er im Interview mit DAZN darauf angesprochen wurde. "Jeder Titel ist wie der erste. Ansonsten müssten wir in diesem Geschäft nicht sein. Diese Momente kosten viel Arbeit. Man muss das auch genießen."
Kurioses Party-Tier Warum der FC Bayern einen Vogel hat vor 4 StundenDie vorzeitige Meisterschaft geriet kurz in Gefahr, als der VfB in der 21. Minute durch Chris Führich mit 1:0 in Führung ging. Doch der FC Bayern drehte das Spiel. Innerhalb von fünfeinhalb Minuten trafen Raphael Guerreiro (31.), Nicolas Jackson (33.) sowie Alphonso Davies (37.). Später legte der eingewechselte Harry Kane (52.) nach, ehe VfB-Spieler Chema (88.) den bedeutungslosen Anschlusstreffer zum 2:4 erzielte.
Gnabry-Verletzung tut weh
Wichtig ist für den FC Bayern nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Form und Verfügbarkeit der Spieler. Zum Wochenende gab es eine Schock-Diagnose: Serge Gnabry wird aufgrund einer Oberschenkelverletzung den Rest der Saison verpassen. "Er ist ein extrem großer Verlust, sowohl als Fußballer wie auch als Mensch", bedauerte Joshua Kimmich. "Das wird uns extrem wehtun. Aber ich hoffe, dass wir das irgendwie aufgefangen bekommen."
Hoffnung macht dafür die Leistung von Jamal Musiala. Der 23-Jährige fiel die komplette Hinrunde aufgrund eines Wadenbeinbruchs aus und suchte zeitweise nach seiner Form, findet inzwischen aber zunehmend zu seiner Rolle als Unterschiedsspieler zurück. Er bereitete gegen Stuttgart das 1:1 vor, indem er sich gegen zwei Gegenspieler durchsetzte, an die Grundlinie gelangte und den Ball für Guerreiro querlegte.
"Das sind genau die Situationen, die er braucht – dieses Selbstverständliche in seinem Spiel", lobte DAZN-Experte Sami Khedira. "Man merkt einfach, dass er Step-by-Step wieder seine Form bekommt und zu seiner Extraklasse zurückfindet."
Kompany erklärt seine Jubel-Explosion nach der Meisterschaft
Aktualisiert am 20.04.2026, 06:41 Uhr Für Herbert Hainer waren die Szenen des jubelnden Vincent Kompany nach Bayern Münchens 35. Titelgewinn "die Bilder des Jahres". Auf der Pressekonferenz erklärt der Trainer, warum die Emotionen aus ihm herausgebrochen sind.Bayern ist historisch effektiv
Die Saison des FC Bayern ist bereits jetzt historisch. Mehrere Rekorde wurden aufgestellt. Die Bestmarke mit 101 Toren in einer Bundesliga-Saison aus der Saison 1971/1972 wurde längst übertroffen. Vier Spieltage vor Saisonende hat die Mannschaft bereits 109 Treffer auf dem Konto. Ebenfalls stark: In 30 Bundesligaspielen befand Bayern sich zusammengerechnet nur 311 Minuten in Rückstand. Auch dies ist ein Rekord.
Galerie Nach Sieg gegen Stuttgart So bejubeln die Bayern die Meisterschaft vor 14 Stunden von Ludwig HornAll das beweist, dass die Mannschaft sich gegenüber der Vorsaison weiterentwickelt hat. "Natürlich haben die vorderen Spieler die Vielzahl der Tore gemacht. Trotzdem sieht man, dass wir auch aus vielen anderen Situationen gefährlich werden können. Ob nun bei Standards, in Umschaltsituationen oder im eigenen Ballbesitz, da haben wir viele Möglichkeiten", erklärte Kimmich.
Die Effektivität dieser Mannschaft ist einzigartig. Erstmals seit Datenerfassung hat eine Mannschaft zwei Spieler mit jeweils mindestens 30 Torbeteiligungen in der Mannschaft. Harry Kane steht in der Bundesliga bei 32 Toren und fünf Torvorlagen, Michael Olise bei zwölf Toren und 20 Vorlagen.
Galerie Reaktionen und Pressestimmen "Der unaufhaltsame FC Bayern München" vor 3 StundenMax Eberl warnt vor Gerede, "falls wir nur Meister" werden
"Das ist super schön. Das ist auch der Grund, warum wir dort stehen, wo wir stehen", sagte Sportvorstand Max Eberl über diese Bestmarken und warnte dennoch: "Wir wissen doch auch, wie das Gerede ist, wenn wir jetzt – in Anführungsstrichen – vielleicht nur Deutscher Meister werden." Für Eberl wäre dies trotzdem eine erfolgreiche Saison. Doch die Meinung der Öffentlichkeit könnte eben eine andere sein.
Das weiß auch der frühere Bayern-Spieler Michael Ballack: "Jetzt kommen die vier Wochen, in denen du die Saison veredeln musst. In München ist die Meisterschaft meist nicht genug. Der Pokal soll es auf jeden Fall wieder einmal sein, die Champions League eigentlich auch."
Ballack traut dem FC Bayern jedenfalls das Triple zu: "In dieser Saison sieht es sehr, sehr gut aus, was die Form der gesamten Mannschaft betrifft. Sie haben sich auch hinten in der Abwehr stabilisiert. Sie sind in dieser Bundesliga auf einem anderen Niveau."
Verletzte und Festnahmen Fans liefern sich Massenschlägerei vor Bayern-Spiel vor 5 StundenZuversicht vor Leverkusen und Paris
Bayern blickt wegweisenden Spielen entgegen. Mittwoch steht das Halbfinale im DFB-Pokal bei Bayer 04 Leverkusen an. Bayern könnte erstmals seit 2020 wieder das Pokalfinale von Berlin erreichen. In den beiden Wochen darauf folgen die Halbfinalspiele der Champions League gegen Paris Saint-Germain am 28. April und 6. Mai.
Bayern-Präsident Herbert Hainer glaubt, dass seine Mannschaft "Mut und Selbstbewusstsein" aus der Meisterschaft ziehen wird: "Das wird in Leverkusen sicherlich kein einfaches Spiel. Aber ich bin relativ optimistisch, dass wir dann nach Berlin fahren werden."
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Ähnlich zuversichtlich blickt er der Aufgabe gegen den Titelverteidiger der Champions League entgegen: "Paris ist eine unheimlich starke Mannschaft. Die Chancen stehen 50:50. Aber ich habe unheimliches Vertrauen in unsere Mannschaft. Wir haben letztes Jahr im Herbst in Paris bewiesen, dass wir sie schlagen können."
Damals gewann Bayern trotz einer Roten Karte in der ersten Halbzeit für Luis Díaz mit 2:1. Ob ähnliches noch einmal gelingt? Eberl stellt klar: "Wir können kein Ergebnis garantieren. Aber wir wollen diese Bereitschaft und Energie garantieren. Und das haben wir bislang getan."
Teaserbild: © IMAGO/Beautiful Sports International/IMAGO/BEAUTIFUL SPORTS/Goldberg Feedback an die Redaktion