Egoist oder Märtyrer?
Egoist oder Märtyrer? Die Schweiz streitet über Impffälscher Fischer
Aktualisiert am 20.04.2026, 14:23 Uhr © bitprojects Lesedauer:2 Min.Der Skandal um den frisch entlassenen und damit ehemaligen Nationaltrainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft, Patrick Fischer, sorgt weiterhin für Schlagzeilen kurz vor der Heim-WM. Die Schweiz diskutiert: Ist Impffälscher Fischer ein Egoist oder sogar ein Märtyrer?
Alles war vorbereitet: Die Heim-WM sollte der krönende Abschluss für den erfolgreichsten Eishockey-Nationaltrainer der Schweiz werden - womöglich mit dem Weltmeistertitel als Abschiedsgeschenk. Dann holte Patrick Fischer die Vergangenheit ein.
Mit einem gefälschten Impfzertifikat war der schillernde Coach zu Olympia 2022 in Peking eingereist, ein Jahr später dafür mit einer Geldstrafe belegt worden. Jetzt wurde der Skandal öffentlich, der 50-Jährige, der mit der "Nati" gerade zum ersten WM-Vorbereitungsspiel in die Slowakei gereist war, entlassen. Und die eishockeyverrückte Schweiz diskutiert seitdem aufgeregt über das Ego eines außergewöhnlichen Trainers, Moral und Ethik im Sport - und die Rolle der Medien.
Trainer der Schweiz gesteht Corona-Zertifikat für Olympia war gefälscht vor 6 TagenFischer plaudert Verfehlung selbst aus
Denn Fischer hatte seine Verfehlung gegenüber einem Reporter des öffentlich-rechtlichen Rundfunksenders SRF ausgeplaudert - ausgerechnet in einer Drehpause zu einer filmischen Hommage auf den 50-Jährigen, der die Schweiz seit seinem Amtsantritt im Dezember 2015 zu drei WM-Silbermedaillen führte. Die zu den Fischer-Festspielen bei der Weltmeisterschaft in Zürich und Fribourg (15. bis 31. Mai) aufgeführt werden sollte.
Der SRF recherchierte, und Fischer kam einer Veröffentlichung zuvor, indem er sich selbst mit einem Handyvideo zu Wort meldete, um Verzeihung bat und von einer "persönlichen Notlage" sprach. Er habe sich nicht gegen Corona impfen lassen wollen, deshalb bestellte er im Internet ein gefälschtes Zertifikat, wie die Staatsanwaltschaft Luzern schon 2023 befand und einen Strafbefehl wegen Urkundenfälschung in Höhe von 38.910 Franken ausstellte.
Zwei Tage lang hielt der Schweizer Verband noch an ihm fest, dann feuerte er Fischer, weil er "Vertrauen und Integrität", also "Werte und Respekt", die zentral seien, verletzt sah. Die Szene der Impfskeptiker feierte Fischer als Märtyrer, eine Online-Petition für die Rücknahme der Kündigung sammelte nach eigenen Angaben 250.000 Unterschriften, der SRF-Journalist wurde bedroht, ein semiprominenter Schauspieler und Maler, der als Zirkusclown reüssierte, kündigte an, die Spiele des Erstligisten Rapperswil-Jona zu boykottieren, weil der Reporter dort Stadionsprecher ist.
Fischer - ein Mann der Extreme
Fischers Kritiker werfen ihm vor, er habe "sein Ego über die Interessen des Teams" gestellt - wie die NZZ kommentierte, und "die Kabine verraten". Der ehemalige Nationalspieler, der erst mit 31 Jahren den Sprung in die NHL wagte, ist nicht nur der erfolgreichste Schweizer Coach, sondern auch einer der schillerndsten weltweit. Gerne inszenierte sich der äußerst selbstbewusste Fischer als Mann der Extreme, erzählte von seiner Reise zu Indigenen im peruanischen Dschungel, die sein Leben umkrempelte, ihm aber auch den Ruf eines Esoterikers einbrachte.
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Er habe dort gelernt, dass es nicht entscheidend sei, "was die Leute über mich denken. Sondern, was für mich stimmt." Es sei sein Leben, "ich kam allein auf die Welt und werde allein wieder gehen." Klingt egoistisch - und erklärt womöglich vieles. (sid/bearbeitet von ska)
Teaserbild: © IMAGO/Bildagentur Monn/IMAGO/Ervin Monn Feedback an die Redaktion