"Dröge, vorhersehbar und unsagbar langfädig"
Das sagen unsere Leser zum "Tatort": "Dröge, vorhersehbar und unsagbar langfädig"
Aktualisiert am 20.04.2026, 14:00 Uhr Kommissar Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner, l.) spricht auf dem Revier mit Ramin Taremi (Omid Memar). © SWR/Benoît Linder Lesedauer:5 Min.Im Schwarzwald-"Tatort: Innere Angelegenheiten" müssen Tobler und Berg gegen ihre eigenen Kolleginnen und Kollegen ermitteln: ein Kammerspiel an drei Orten, mit wenigen Darstellern – aber dennoch spannend? Da gehen die Meinungen unserer Leserinnen und Leser auseinander.
Leserstimmen zusammengestellt von Jakob Rondthaler Patricia Kämpf Dieser Artikel basiert auf Zuschriften unserer Leserinnen und Leser und gibt ihre Meinungen, Einschätzungen und Fragen wieder, die sie unserer Redaktion geschickt haben. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.In einer Diskothek bei Freiburg ist ein Mitglied einer Rockerbande erschlagen worden. Zuvor war es in einen Streit mit Ramin Taremi (Omid Memar) geraten – der galt, weil vorbestraft, im "Tatort: Innere Angelegenheiten" lange als Hauptverdächtiger. Doch dann ermittelten Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) in eine andere Richtung – und nahmen die sechs Polizeibeamten ins Visier, die in der Nacht als Erste vor Ort waren.
Der Schwarzwald-"Tatort" spielte in nur einer Nacht, an lediglich drei Orten. Auch die Anzahl der Darstellerinnen und Darsteller war überschaubar, "Innere Angelegenheiten" lebte vor allem vom Dialog. Gelang es dem Fall dennoch, die Spannung zu halten? Da gehen die Meinungen unserer Leserinnen und Leser in dieser Woche auseinander.
- "Hat mir gut gefallen, weil er nicht so reißerisch und unglaubwürdig war. Auch wurde mal nicht das Befinden der Ermittler in den Mittelpunkt gestellt, was mittlerweile richtig lästig ist. Dass es innerhalb der Polizei solche korrupten und verlogenen Beamten gibt, glaub ich sofort. Warum auch nicht, sind auch nur Menschen! Und wenn es um den eigenen Vorteil geht, steht die Moral weit abseits. Für mich ein 'Tatort' wie in letzter Zeit sehr selten – einfach gut und klasse gespielt von allen." (Rita, 76 Jahre, München)
- "Das war endlich mal ein richtig guter 'Tatort'. Spannend und mit doch unerwartetem Ende." (Jutta, 69 Jahre, Untergrombach)
- "Das war einer der besten 'Tatorte' in letzter Zeit. Ohne Gerenne und Geballer." (Monika, 77 Jahre, Ellhofen)
- "Brillanter 'Tatort', und das ganz ohne Effekthascherei. Super-spannend zu beobachten, wie sich jede einzelne Person mitten in ihrer Gruppendynamik verhalten hat. Vorurteile, persönlicher Zwiespalt, Recht und Gerechtigkeitsempfinden wurden hier intensiv und wirkungsvoll in den Mittelpunkt gestellt." (Patricia, 64 Jahre)
- "Eine klare Geschichte, die in die Zeit passt, und Spannung bis in die letzte Minute. Und super erzählt, im Wechsel, drei Handlungsräume, reduziert auf wenige Personen. Dieser Rahmen lebt natürlich von den Darstellern, und die waren – ohne Ausnahme – erstklassig besetzt. Kurz: Diesen Monat bezahle ich gerne meine Rundfunkgebühren und Respekt an die Rollenbesetzung." (Roland, 72 Jahre, Konstanz)
"Spannend bis zum Schluss, filigrane Puzzlearbeit"
- "Ich habe vor längerer Zeit aufgehört, den 'Tatort' zu schauen, mit nur wenigen Ausnahmen, dazu zählt der Freiburger 'Tatort', weil ich die Stadt mag. Diesmal war ich positiv überrascht: Der Kammerspiel-Charakter konnte die Persönlichkeiten und Problematiken aller Beteiligten gut verdeutlichen und machte uns klar, dass es nie einfache Lösungen gibt. Wie es sich entwickelte, dass sich die Tatperson schließlich zu ihrer Schuld bekennen konnte, war spannend. Für mich alle Sterne, und gern immer wieder solche Qualität." (Susanne, 64 Jahre, Xanten)
- "Der 'Tatort' war super gestaltet, spannend bis zum Schluss, filigrane Puzzlearbeit. Unerwartetes Ergebnis. Wenn die Polizei Fehler macht, muss das geahndet werden." (Vera, 73 Jahre)
- "Seit Langem einer der besten 'Tatort'-Krimis. Tobler/Berg sind überhaupt ein tolles Team." (Marie, 70 Jahre, Graz)
- "Zumindest einer der besseren 'Tatorte' mit diesem Team, das ich eigentlich gar nicht sehr mag. Trotzdem bleibt ein schaler Nachgeschmack. Wenn die deutsche Exekutive auch nur ansatzweise so agiert wie diese Bereitschaftstruppe, dann braucht es erst gar keinen AfD-Justiz- oder -Innenminister, dann ist die deutsche Polizei schon längst im Eimer. Auch wenn in diesem Film alles ein 'gutes' Ende nimmt und das Ermittlerteam doch, trotz allem, die richtige Spur konsequent verfolgt, so ist doch – aus meiner Sicht – das Misstrauen gegenüber der Polizei das, was hängenbleibt. Was, wenn Ermittler ähnlich ticken wie diese Truppe, und zwar nicht nur in einem Film, sondern in der Realität? Dann ist es nicht mehr allzu weit zu US-amerikanischen Zuständen. Seltsam finde ich auch das Ende, es wäre ja zumindest interessant, wie es mit der 'Täterin' weitergeht. Wird die vom Dienst suspendiert, war das letztendlich Notwehr oder Totschlag oder was anderes? Trotzdem zumindest sehenswert." (Horst, 62 Jahre)
- "Der Film war gut gemacht, hielt die Spannung bis zum Schluss hoch. Am Ende jedoch wurde alles unrealistisch. Warum sollten die Kollegen der Bereitschaftspolizei die Notwehrsituation vertuschen? Warum wird während des Films so lange darüber diskutiert, ohne die Situation so anzusprechen? Nur um den 'Täter' unrechtmäßig verurteilt zu sehen? Ist aus meiner Sicht als Polizeibeamter unrealistisch." (Fritz, 66 Jahre, Walting)
"Vorhersehbar, langatmig, voller Stereotype"
- "Die Dialoge zwischen den Polizisten zogen sich gefühlt endlos in die Länge wie ein Kaugummi, zudem waren sie immer nur andeutungsweise: wer denn gefälligst was zu tun/lassen hat – das empfand ich als sehr langweilig, und das 'große Finale' am Tatort war auch sehr durchschnittlich inszeniert. Wurde in vielen anderen Filmen dieser Reihe deutlich besser dargestellt. Insgesamt vergebe ich deswegen 3 von 10 Punkten." (Sascha, 54 Jahre)
- "War ein sehr schlechter 'Tatort', habe nach 45 Minuten ausgeschaltet." (Angelika, 64 Jahre, Baar-Ebenhausen)
- "Vorhersehbar, langatmig, voller Stereotype und insgesamt überflüssig, 90 Minuten Lebenszeit, die ich ohne jeglichen Unterhaltungswert vergeudet habe. Unklar war anfangs nur, welcher der Polizist:innen der Täter war, wobei ich mir die Frage stelle, was die uniformierte Polizei veranstaltet hat, um im Sonntagskrimi immer wieder negativ dargestellt zu werden? Die letzte positive Darstellung war Klaus Löwitsch als Polizeihauptmeister Dietze vor 41 Jahren. Außerdem wäre es schön, wenn die verantwortlichen Autor:innen endlich mal die Achtzigerjahre verlassen und im Jetzt ankommen, dann könnte Kommissarin Tobler mal ihre ewig untergeordnete Rolle verlassen und Führungsqualitäten zeigen. So riesig dürfte das Dezernat nicht sein, dass sie nicht weiterhin aktiv ermitteln und am Geschehen teilnehmen könnte. Heute war ich zum ersten Mal in fast 50 Jahren versucht, den 'Tatort' vorzeitig zu beenden – dabei kann der SWR doch auch anders (Ludwigshafen, Stuttgart)." (Jens, 61 Jahre)
- "Wir haben nach einer halben Stunde wieder weggeschaltet. Zu fade die ganze Handlung und der Ablauf. Sinnfreie und langatmige Diskussionen von sechs Polizei-Statisten, die für uns komplett an den Haaren herbeigezogen waren. Die meisten 'Tatorte' werden immer schlimmer und man merkt, dass den Autoren nichts mehr einfällt, und man hat dann den Eindruck, dass lieber irgendetwas zu Papier gebracht wird als gar nichts. Der Münster- und der Wiener 'Tatort' bilden da Gott sei Dank noch eine rühmliche Ausnahme." (Peter, 58 Jahre, Tuttlingen)
"Zwischen Gewissensdrama und Teambuilding-Maßnahme"
- "Moralisches Kammerspiel mit Blaulicht, das sich selbst ernst nimmt: Der 'Tatort: Innere Angelegenheiten' versucht sich an einem Blick in die moralische Waschküche der Polizei – und landet dabei irgendwo zwischen Gewissensdrama und schlecht gelaunter Teambuilding-Maßnahme. Schon der Titel klingt, als würde gleich jemand mit strengem Blick eine Powerpoint über 'Vertrauensverlust im öffentlichen Dienst' präsentieren. Und tatsächlich: Es geht um Korruption, Loyalität, Verrat – also die üblichen Zutaten, nur diesmal mit extra viel bedeutungsschwangerem Schweigen. Man hat stellenweise das Gefühl, die Figuren sprechen weniger miteinander als mit ihrem inneren TED-Talk-Publikum. Die Ermittler wirken, als hätten sie alle gleichzeitig beschlossen, dass Humor ein kündigungsrelevantes Verhalten ist. Jeder Blick ist schwer, jede Entscheidung schwerer, und die Dialoge sind so aufgeladen, dass man sich fragt, ob im Drehbuch irgendwo 'dramatische Pause (mindestens 7 Sekunden)' als Pflichtvorgabe stand." (Thorsten, 53 Jahre, Hamburg)
- "Einmal mehr war der Schwarzwaldkrimi dröge, vorhersehbar und unsagbar langfädig. Das als Kammerspiel angekündigte Bonsaidrama ließ einen ohne Spannung, Erkenntnisgewinn oder Überraschungen immer wieder auf die Uhr schauen und hoffen, dass es endlich vorbeigeht. Die nicht gerade komplexe Handlung ließ auch jeglichen Tiefgang bei der Besetzung der Rollen vermissen. Es bleibt dabei: Der Schwarzwald-'Tatort' ist knapp hinter dem schweizerischen der zweitschlechteste überhaupt." (Arno, 67 Jahre, Zug)
- "In letzter Zeit ist die Qualität der 'Tatort'-Folgen stetig gesunken, und auch bei diesem fand ich die Spannung nicht besonders hoch. Die unrealistischen Teile nehmen dermaßen stark zu, um ja auf 90 Minuten Sendezeit zu kommen. Meine Note zur Folge: 4-." (Thomas, Oberbayern)
