Die Anreise wird zur echten WM-Baustelle
Die Anreise wird zur echten WM-Baustelle
Aktualisiert am 14.04.2026, 07:41 Uhr Parkplätze ohne Ende: Tausende Autos können rund ums MetLife Stadium eigentlich parken. Während der WM-Spiele wird das allerdings nicht möglich sein. (Archivbild) © IMAGO/Zoonar.com/John McAdorey Lesedauer:5 Min. Von Michael SchleicherIn mehreren WM-Städten in den USA zeichnen sich bereits zwei Monate vor dem Turnierstart große Probleme mit der Anreise ab. In New York kommt es deshalb zu einer besonders ungewöhnlichen Maßnahme.
Die hohen Ticketpreise für Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko beherrschten in den vergangenen Monaten die Schlagzeilen. Jetzt, wo es bis zum Turnierstart am 11. Juni nicht mehr lange hin ist, rückt ein ganz anderes organisatorisches Thema in den Fokus: die Anreise zu den WM-Stadien vor Ort.
Denn in mehreren Gastgeberstädten in den USA wird es womöglich zu Problemen auf dem Weg zum Stadion kommen. Besonders betroffen werden dabei New York und New Jersey sein.
WM-Finale steigt im "New York New Jersey Stadium"
Wie mehrere US-Medien unter Berufung auf eine Ankündigung von NJ Transit, dem öffentlichen Verkehrsunternehmen in New Jersey, berichten, wird geplant, die stark frequentierte Penn Station im Westen von Manhattan teilweise zu sperren. Genauer gesagt, sollen vier Stunden vor Spielbeginn im MetLife Stadium nur noch Fans, die ein Ticket fürs Spiel haben, die Züge der NJ Transit benutzen dürfen. Pendler und andere Fahrgäste haben das Nachsehen und müssen sich um Alternativen kümmern.
Die Spielstätte, die sich normalerweise die Footballteams der New York Jets und New York Giants teilen, fasst 82.500 Zuschauer, befindet sich jedoch nicht in New York, sondern in East Rutherford, einem Bezirk im benachbarten New Jersey. Während der WM heißt das Stadion – wenig kreativ – "New York New Jersey Stadium", insgesamt acht Spiele finden dort statt, darunter auch das Endspiel am 19. Juli.
Den Berichten zufolge geht NJ Transit davon aus, dass pro Spieltag rund 40.000 Menschen mit den Zügen des Verkehrsunternehmens zum Stadion fahren werden. Kris Kolluri, Präsident und CEO von NJ Transit, erklärte laut "abc7NY" kürzlich bei einer Haushaltsanhörung, dass alleine 28.000 davon aus New York kommen und "fast alle über die Penn Station anreisen" werden.
Die Penn Station in New York City
- Die Pennsylvania Station, eher bekannt als "Penn Station", im Westen von Manhattan ist einer der wichtigsten Bahnhöfe in den USA und gilt als Verkehrsknotenpunkt mit dem höchsten Verkehrsaufkommen in der westlichen Hemisphäre. An einem normalen Werktag nutzen rund 650.000 Fahrgäste die Penn Station, um von A nach B zu kommen.
Rund um das Metlife Stadium sind die Sicherheitsvorkehrungen bei der WM besonders groß. Das liegt unter anderem daran, dass US-Präsident Donald Trump sowie mehrere Staatsoberhäupter einige der Spiele im Stadion mitverfolgen werden. Kolluri bezeichnete die acht Spiele im Metlife Stadium als die "sicherheitstechnisch wohl wichtigste Veranstaltung, die wir jemals in den USA erleben werden".
30.000 Parkplätze – und kaum einer darf genutzt werden
Mit drei Sicherheitszonen in verschiedenen Radien soll sichergestellt werden, dass nur Personen Zutritt erhalten, die diesen auch wirklich haben dürfen. Entsprechend wird dann auch nur Fahrgästen, die ein spezielles Ticket für das entsprechende Spiel vorzeigen können, Einlass zum Wartebereich des Bahnhofs gewährt.
Eine weitere Sicherheitsmaßnahme: Anders als in anderen WM-Stadien in den USA ist das Parken am Metlife Stadium bis auf wenige Ausnahmen verboten. Der Druck aufs öffentliche Verkehrsnetz steigt damit weiter. Normalerweise gibt es auf dem gesamten Gelände des Stadionkomplexes rund 30.000 (!) Parkplätze.
Galerie In Kanada, Mexiko und den USA Von Atlanta bis Vancouver: Die 16 Stadien der Fußball-WM 2026 06. Dezember 2025 von Marie Schulte-BockumVor allem an einem Tag könnte es an der Penn Station kritisch werden. Denn während vier Spiele am Wochenende und drei weitere unter der Woche am frühen Nachmittag stattfinden, ist das Spiel am 22. Juni um 20 Uhr. Die geplante Vier-Stunden-Beschränkung vor dem Anpfiff fällt also genau in die Zeit des abendlichen Berufsverkehrs.
Noch arbeitet das Verkehrsunternehmen an den Plänen, vor allem auch an Transportalternativen für Pendler und Fahrgäste, die kein WM-Spiel besuchen. Unter anderem soll es dann Umleitungen mit Fähren nach New Jersey sowie Züge anderer Anbieter geben.
US-Stadien: Fokus auf Autofahrer, Fußgänger bleiben auf der Strecke
Das Beispiel des Metlife Stadiums lässt sich auf so gut wie alle großen Sportarenen in den USA übertragen. Denn anders als in Europa, wo sich viele Arenen mitten in der Stadt befinden, sind die Spielstätten in den Staaten häufig weit außerhalb der Städte gelegen. Entsprechend wurde auch die dortige Infrastruktur stark auf den Autoverkehr ausgelegt – so lassen sich die Tausenden Parkplätze direkt am Stadion erklären.
Wer ein WM-Spiel in den USA besuchen möchte, ist häufig auf Bus und Bahn angewiesen. Zu Fuß durch die Stadt in Richtung Stadion marschieren, wie man es teilweise aus Europa kennt – das ist in den USA unmöglich.
Kein öffentliches Verkehrsnetz in Arlington
Besonders drastisch zeigt sich diese Tatsache bem AT&T Stadium in Arlington, Texas. Die Stadt, die zwischen Dallas und Fort Worth liegt besitzt kein reguläres öffentliches Verkehrsnetz.
Wie "The National" berichtet, empfehlen die Organisatoren den Fans deshalb, zunächst mit dem Zug von Dallas nach Fort Worth zu fahren, um dort dann in kostenlose Charterbusse zum Stadion umzusteigen. Dafür ist ein massives Aufgebot an Bussen notwendig, immerhin passen rund 94.000 Menschen ins Stadion. Schnell ist man ebenfalls nicht in der Arena, die Fahrt kann über 90 Minuten dauern.
In Boston macht sich in Sachen öffentlicher Verkehr ein ganz anderes Problem bemerkbar. Denn nicht nur bei den Stadiontickets, den Parkplätzen oder den Hotels macht sich der immens hohe Preisanstieg während der WM bemerkbar, auch die Verkehrsbetriebe schlagen bei ihren Fahrkarten einiges drauf.
Horrende Preise Fifa kassiert auch bei WM-Parktickets ordentlich ab 12. November 2025Großer Preisanstieg auch bei Zugtickets
So werden für die Hin- und Rückfahrt mit einem Sonderzug von Boston zum außerhalb gelegenen Gillette Stadium 80 US-Dollar fällig. Der "New York Times" zufolge ist der Preis damit etwa vier Mal höher als üblich. Das Stadion liegt in Foxborough, Massachusetts, einer kleinen Stadt, die rund 50 Kilometer von Boston entfernt ist. Wenn es gut läuft, dauert die Fahrt mit dem Zug rund eine Stunde.
Bei der Heimspielstätte der New England Patriots, wie die Jets und die Giants in New York ebenfalls ein Footballteam, ist die Situation ähnlich wie beim Metlife Stadium. Hier gibt es rund 20.000 Parkplätze rund um die Arena, auch hier reisen die Zuschauer bei NFL-Spielen hauptsächlich mit dem Auto an. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, hat es deutlich schwerer.
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Ob es rund um eines der WM-Stadien in den USA tatsächlich zu einem Verkehrskollaps oder zu Chaos auf Straßen und Schienen kommen wird, wird sich erst mit der Zeit zeigen. Die Vorzeichen sind jedoch nicht gerade günstig – und die Fußball-WM 2026 ist um eine Baustelle reicher.
Verwendete Quellen
- abc7ny.com: NJ Transit announces plans to close its section of Penn Station to all but World Cup-bound trains
- northjersey.com: NY Penn Station to close for hours before World Cup matches
- thenationalnews.com: Why getting to a World Cup venue in the US could be as hard as getting a ticket
- nytimes.com: Will the World Cup Create More Headaches for New Jersey Commuters?
- stadiumdb.com: WC 2026: Metlife Stadium without parking – a transport revolution during World Cup
