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DDR-Lost-Place in der Ostsee: Insel wird versteigert

Rost, Algen und Vogelkot

DDR-Lost-Place in der Ostsee: Insel wird versteigert

Aktualisiert am 15.05.2026, 21:21 Uhr Die ehemalige Entmagnetisierungsstation Ostervilm im Rügener Bodden soll versteigert werden. © IMAGO/CHROMORANGE/Karl-Heinz Spremberg Lesedauer:2 Min.

Mitten im Greifswalder Bodden liegt ein verfallenes DDR-Relikt: Die künstliche "Insel Ostervilm" mit ehemaliger Marinestation wird am 4. Juni versteigert. Einst waren hier Kunstprojekte geplant - heute prägen Rost, Algen und Vogelkot das Bild.

Wind, Wetter und Vogelkot haben ihre Spuren hinterlassen. Mitten im Greifswalder Bodden liegt eine verlassene Plattform aus DDR-Zeiten, umgeben von Wasser, Algen und rostendem Stahl. Was einst militärischer Sperrbereich war, gilt heute als skurriler Lost Place - und könnte bald den Besitzer wechseln.

Denn am 4. Juni kommt die sogenannte "Insel Ostervilm" unter den Hammer. Das ehemalige Marine-Relikt vor Putbus wird über die Norddeutsche Grundstücksauktionen AG versteigert. Das Auktionslimit für die künstliche Insel mitten in der Ostsee liegt bei 39.000 Euro.

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Vom DDR-Militärstützpunkt zum Lost Place

Die rund 700 Quadratmeter große Plattform wurde in den 1950er-Jahren auf etwa 600 Holzpfählen errichtet. Damals nutzte die NVA-Marine Lauterbach die Anlage als Entmagnetisierungsstation. Über Kabelschleifen im Meer sollten Marineschiffe gegen Magnetminen geschützt werden - ein technisches Überbleibsel aus dem Kalten Krieg, das heute fast surreal wirkt.

Nach dem Ende der DDR verfiel die Station jedoch zusehends. Bereits Anfang der 2000er-Jahre berichtete die "Ostsee-Zeitung" über ambitionierte Pläne für das Eiland. Künstler wollten aus "Ostervilm" einen kreativen Rückzugsort machen - mit Lesungen, Workshops und Ateliers mitten im Meer. Peer Wenmakers aus Bergen und der Düsseldorfer Künstler Gerhard Benz kauften die kleine Insel und sprachen damals sogar von einem "Sanatorium für die Seele".

Doch daraus wurde nichts. Statt Kunstprojekten prägen heute marode Fassaden, zerstörte Fenster und verrostete Stahlteile das Bild. Laut Objektbeschreibung ziehen sich Algen die Mauern hinauf, dazu kommen Setzungsrisse und massive Verschmutzungen durch Vögel. Besichtigungen vor der Auktion sind wegen des schlechten Zustands nicht möglich.

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Ein Überbleibsel vergangener Zeit

Trotzdem besitzt die Plattform eine eigentümliche Faszination. Sie liegt etwa drei Kilometer östlich der Insel Vilm im Greifswalder Bodden und wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Auch eine über eine Tonne schwere Keramikglocke von Gerhard Benz befindet sich noch auf der Anlage - sie gehört allerdings nicht automatisch zum Kauf dazu.

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Die Nutzung des künstlichen Eilands bleibt offen. Denkbar scheint vieles zwischen Kunstprojekt, außergewöhnlichem Rückzugsort oder schlicht spektakulärem Lost Place. Sicher ist nur: Wer hier zuschlägt, kauft keine idyllische Privatinsel mit Sandstrand und Palmen, sondern ein Stück verrosteter, ostdeutscher Geschichte mitten im Meer. (spot)  © 1&1 Mail & Media/spot on news

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