Das unterscheidet das Hantavirus von der Corona-Pandemie
Das unterscheidet das Hantavirus von der Corona-Pandemie
Aktualisiert am 14.05.2026, 06:25 Uhr © dpa Lesedauer:3 Min.Nach Infektionen auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff geht in sozialen Netzwerken die Angst vor einem neuen Pandemie-Erreger um. Ein Virologe erklärt, warum die Sorge in dieser Form unbegründet ist und was das Hantavirus von Sars-CoV-2 unterscheidet.
Mehrere Hantavirus-Infektionen auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff haben weltweit Besorgnis ausgelöst – und Erinnerungen an die Corona-Pandemie geweckt. Vor allem in sozialen Netzwerken wird das aktuelle Virus mit dem Covid-19-Erreger verglichen. Fachleute betonen jedoch, dass sich beide Situationen deutlich unterscheiden – insbesondere bei der Übertragbarkeit und dem Risiko für die Allgemeinbevölkerung.
Kann das Hantavirus wie Sars-CoV-2 eine Pandemie auslösen?
In sozialen Netzwerken wird behauptet, das Hantavirus "könnte eine Pandemie auslösen, die viel tödlicher ist als Covid". Fachleute teilen diese Sorge nicht. Das Virus sei nicht mit dem Covid-Erreger Sars-CoV-2 oder mit Influenza vergleichbar, erklärt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.
Zwar gelten bestimmte Hantavirus-Erkrankungen als vergleichsweise schwer und potenziell lebensbedrohlich, doch eine hohe Sterblichkeit allein führt nicht zu einer Pandemie. Entscheidend ist, wie leicht sich ein Erreger verbreitet - und die Übertragbarkeit ist hier wesentlich geringer als bei Sars-CoV-2. Das auf dem Kreuzfahrtschiff zirkulierende Andesvirus ist nach Angaben der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC der einzige bekannte Vertreter der Hantaviren, der überhaupt zwischen Menschen übertragbar ist.
Doch anders als beim Coronavirus gebe es keine schnelle und breite Weitergabe durch viele asymptomatisch Infizierte, betont der Virologe Schmidt-Chanasit. Die ECDC stuft das Risiko für die allgemeine Bevölkerung deshalb als "sehr gering" ein. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt Entwarnung.
Andesvirus-Infektionen von Mensch zu Mensch sind laut ECDC "selten und erfordern meist längeren engen Kontakt, oft in geschlossenen Räumen". Das bedeutet auch: Selbst, wenn mehrere Fälle auftreten, entsteht daraus keine Dynamik wie bei Covid-19.
Darauf deutet auch der sogenannte R-Wert hin – also die durchschnittliche Anzahl der Menschen, die ein Infizierter ansteckt. Eine Studie im renommierten "New England Journal of Medicine" zu einem Ausbruch in Argentinien Ende 2018 zeigt, dass der damalige - ohnehin niedrige - Wert nach einfachen Isolationsmaßnahmen schnell sank. Der Ausbruch mit insgesamt 34 bestätigten Infektionen wurde schnell eingedämmt. Auch Schmidt-Chanasit betont, man habe "bisher jeden Andesvirus-Ausbruch unter Kontrolle gebracht".
Geburtstagsparty 2018 Vergangener Ausbruch zeigt, wie man das Hantavirus eindämmen kann vor 5 TagenDie Corona-Pandemie zeigte dagegen eine völlig andere Dynamik: In Deutschland registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) allein in den Jahren 2020 bis 2022 mehr als 37 Millionen bestätigte Sars-CoV-2-Infektionen.
Ist das Hantavirus eine Nebenwirkung der Covid-Impfung?
In sozialen Netzwerken kursieren Behauptungen, es gebe einen Zusammenhang der Andesvirus-Fälle mit der Covid-Impfung von Pfizer und Biontech. Diese könne angeblich Hantavirus-Lungeninfektionen auslösen oder enthalte sogar den Erreger selbst, wird behauptet.
Als vermeintlicher Hinweis wird ein Dokument angeführt, das Pfizer 2021 im Zulassungsverfahren bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht hatte. Darin taucht auf einer langen Liste der Begriff "Hantavirus pulmonary infection" auf, also Hantavirus-Lungeninfektion.
Pfizer erklärte, in der Liste seien lediglich medizinische Ereignisse gesammelt worden, die nach einer Impfung gemeldet worden waren - völlig unabhängig davon, ob sie mit der Impfung in Verbindung standen. Zudem enthält der Impfstoff nach Herstellerangaben keine Hantaviren.
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Virologe: Vergleich mit Corona-Pandemie nicht überraschend
Josef Holnburger findet die Vergleiche mit der Corona-Pandemie nicht überraschend. Der Geschäftsführer des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas), das Radikalisierung und Verschwörungserzählungen im Internet untersucht, verweist auf die Sorge von Menschen, dass so etwas erneut passieren könnte. Hantavirus: So schätzen Behörden das Risiko ein
- Nach dem Ausbruch des Hantavirus' auf dem Kreuzfahrtschiff "Hondius" schätzt das Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) das Risiko einer Ausbreitung des Hantavirus' laut einer Einordnung vom 6. Mai 2026 für die Allgemeinbevölkerung als sehr gering ein.
- "Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie", sagte auch die amtierende Nothilfekoordinatorin der Weltgesundheitsbehörde (WHO), Maria van Kerkhove, am 7. Mai. Man kenne das Hantavirus schon lange und es sei nicht mit dem Coronavirus vergleichbar. In einer Erklärung vom 8. Mai 2026 spricht die WHO zudem von einem geringen Gesundheitsrisiko auf globaler Ebene.
Im Netz verbreiten sich auch Verschwörungserzählungen. Manche Nutzer vermuten hinter dem Hantavirus einen angeblich geheimen Plan. Ähnliche Muster habe es während der Corona-Pandemie gegeben, erklärt Holnburger. Auch damals glaubten manche Menschen, hinter der Entwicklung stünden verborgene Gruppen mit Einfluss auf Medien und Öffentlichkeit, die gezielt Schaden anrichten wollten. (dpa/bearbeitet von mak)
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