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Darum eskaliert Trump den Zoll-Konflikt mit der EU gerade jetzt

Analyse Brüssel unter Druck 

Darum eskaliert Trump den Zoll-Konflikt mit der EU gerade jetzt

Aktualisiert am 13.05.2026, 19:16 Uhr © 1&1 Mail & Media Lesedauer:5 Min.

25 Prozent Zölle auf Auto-Importe in die USA – damit hat US-Präsident Donald Trump der EU zuletzt gedroht. Die Drohung kommt im Streit um ein Handelsabkommen zwischen den USA und der EU. Ein Experte erklärt, wie die EU reagieren könnte, welcher Weg besonders gefährlich wäre und welche Unternehmen in Deutschland in besonderer Sorge sind.

Eine Analyse von Marie Illner Dieser Text enthält eine Einordnung aktueller Ereignisse, in die neben Daten und Fakten auch die Einschätzungen von Marie Illner sowie ggf. von Expertinnen oder Experten einfließen. Informieren Sie sich über die verschiedenen journalistischen Textarten.

Eigentlich sollte er eine unnötige Eskalation in den transatlantischen Handelsbeziehungen vermeiden, so Bundeskanzler Friedrich Merz im vergangenen Jahr: Der Turnberry-Deal, ein Handelsabkommen zwischen den USA und der EU, auf den sich US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen im vergangenen Jahr geeinigt hatten.

Die USA haben sich größtenteils an die Vereinbarung, die unter anderem eine Obergrenze von 15 Prozent auf US-Zölle für die meisten EU-Exporte vorsieht, gehalten. Die EU aber hat die Vereinbarung noch nicht umgesetzt. Dazu zählen fast die komplette Abschaffung von EU-Zöllen auf US‑Industriegüter. Außerdem soll es neue Zölle bei beispielsweise Stahl, Aluminium und Agrarprodukten geben.

Trump droht der EU mit weiteren Zöllen

Nun wird US-Präsident Trump ungeduldig – und lässt den Zollstreit wieder aufflammen. Auf der Plattform "Truth Social" drohte er, die US-Zölle auf europäische Fahrzeuge kurzfristig wieder auf 25 Prozent anheben zu wollen, sollte die EU das Abkommen nicht bis zum 4. Juli umgesetzt haben.

EU‑intern geht es aktuell nicht weiter, weil sich Parlament, Rat und Kommission nicht einig sind. Vor allem das Parlament drängt nämlich auf Nachbesserungen bei Schutzklauseln und fordert zum Beispiel, dass das Abkommen automatisch ausgesetzt wird, wenn die USA neue Zölle verhängen. Vor allem durch die Grönland-Krise und von Trump erhobene Sonderzölle waren in Brüssel Zweifel an der Verlässlichkeit der Gegenseite aufgekommen.

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Konflikt mit langer Vorgeschichte

Der Zollstreit mit den USA hat bereits eine lange Historie: Bereits in seiner ersten Amtszeit im Jahr 2018 verhängte Trump Strafzölle in Höhe von 25 Prozent auf Stahl- und zehn Prozent auf Aluminiumimporte aus der EU. Die wiederum erhöhte daraufhin die Zölle auf US-Produkte wie Motorräder und Whiskey. Unter der Präsidentschaft von Joe Biden wurden die gegenseitigen Strafmaßnahmen dann zunächst ausgesetzt.

Unter Trumps zweiter Präsidentschaft ging der Zollkonflikt dann weiter: Anfang 2025 verhängte er pauschale Importzölle und Sonderzölle auf etwa Stahl, Aluminium und Fahrzeuge. US-Gerichte haben aber inzwischen mehrere dieser neuen Zölle infrage gestellt oder kassiert.

"Dass die jetzige Vereinbarung von Seiten der Europäischen Union noch nicht unter Dach und Fach ist, ist aus amerikanischer Sicht ein großes Problem", sagt Politikwissenschaftler Heribert Dieter. Die USA stehen stark unter Druck, weil sie große Handelsbilanzdefizite und Haushaltsprobleme haben. Der Finanzminister hatte mit 600 Milliarden an Mehreinnahmen durch die nun kassierten Zölle gerechnet.

Gleichzeitig, sagt Dieter, eile der US-Präsident gegenwärtig von einer Niederlage zur nächsten. "Die Frustration über den aus seiner Sicht unglücklichen Verlauf des Irankrieges könnte auch dazu beitragen, dass er wieder zurückkehrt zur alten Zollbaustelle."

Deutsche Autobauer in großer Sorge

Die jetzige Ankündigung sorgt vor allem in der deutschen Autoindustrie für Unruhe. "Große Angst gibt es in Wolfsburg, in Ingolstadt und in Stuttgart – bei VW, bei Porsche und bei Audi. Zölle von 25 Prozent wären für diese Unternehmen sehr schwierig, weil sie keine Produktionsstätte in den Vereinigten Staaten haben", sagt Dieter. Von heute auf morgen lassen sich solche Werke nicht errichten, die Ankündigung dürfte bestehende Pläne aber beschleunigen.

Entspannt scheint man hingegen in München zu sein. "BMW produziert in den USA in nennenswerten Stückzahlen. Die Produktionsstätte von BMW in den USA ist der größte Exporteur von Pkw aus den USA heraus", sagt Dieter. Wenn die hier hergestellten BMW-Fahrzeuge teurer würden, führe das einfach dazu, dass BMW mehr Fahrzeuge in den USA herstellt. Ähnliches gelte für Mercedes.

Das BMW-Werk befindet sich in South Carolina und ist sogar der weltweit größte Produktionsstandort des Konzerns. Mercedes produziert vor allem in Alabama, vorrangig SUV und E-Autos. "Der Grad der Betroffenheit variiert also sehr stark", sagt der Experte.

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Zieht die EU die "Handels-Bazooka"?

Was hat die EU nun in der Hand, um auf Trumps Drohungen zu reagieren? Man erwarte eine baldige Zolleinigung, hieß es aus Brüssel. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic sagte in einem Interview mit der ARD, das Ultimatum von Trump entspreche "komplett unseren Zeitplänen".

Doch im Gespräch ist auch die sogenannte "Handels-Bazooka" – ein mächtiges handelspolitisches Instrument, das noch nie zum Einsatz kam. Dahinter steckt das Anti-Coercion Instrument (ACI), mit dem die EU reagieren kann, wenn ein Drittstaat Handelsbeschränkungen nutzt, um die EU oder einzelne Mitgliedstaaten zu einer bestimmten politischen Entscheidung zu drängen.

Konkret könnte die EU dann auch Vergeltungszölle auf US-Produkte verhängen oder US-Firmen von EU-Aufträgen ausschließen. Dieter hält das aber nicht für sinnvoll. "Das ist ein Bumerang. Wenn wir die Mauern hochziehen, dann werden andere das auch tun. Die internationale Arbeitsteilung ist ein für Europa nützliches Konzept", erinnert er.

Experte warnt vor gefährlichem Weg

Wenn sich die EU davon verabschiede, gäbe es keinen Grund mehr, etwa China zu kritisieren; dem Land hat die EU in der Vergangenheit zum Beispiel vorgeworfen, den Wettbewerb mit Dumpingpreisen zu verzerren. "Das ist ein gefährlicher Weg", sagt Dieter.

Er ist sich sicher, dass die EU viel grundsätzlicher über ihre Außenhandelspolitik nachdenken sollte. Er stellt infrage, ob die EU sich überhaupt auf den Turnberry-Deal einlassen sollte. Denn: "Wenn die Europäische Union sich auf das einlässt, was sie mit Trump vereinbart hat, dann trägt sie dazu bei, dass die Welthandelsorganisation tatsächlich in ihren letzten Atemzügen liegen wird."

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Damit spielt der Experte vor allem auf den Teil an, in dem vereinbart wurde, dass die EU gar keine Zölle mehr auf in den USA hergestellte Industrieprodukte erhebt. "Das bedeutet eigentlich, dass die Europäische Union auch für alle anderen Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation keine Zölle in dieser Produktgruppe erheben kann", sagt Dieter.

Gemeint ist die sogenannte Meistbegünstigungsklausel, eine Vereinbarung im internationalen Handel, wonach ein Staat einem anderen alle außenhandelspolitischen Vorteile einräumt, die er bereits einem dritten Staat zugestanden hat. "Wenn man dieses Prinzip nicht mehr ernst nimmt, dann nimmt man die ganze multilaterale Handelsordnung nicht mehr ernst", warnt Dieter.

Handelsdeal wirft grundlegende Fragen auf

Der Deal sei also schwieriger, als er auf den ersten Blick ausschaue, weil er grundsätzliche Fragen aufwerfe. "Anscheinend haben diejenigen, die in Brüssel die Verhandlungen geführt haben, sich vorab nicht mit Völkerrechtsexperten unterhalten", mutmaßt Dieter.

Er regt an, dass die Europäer mehr aus den USA importieren und mit gutem Beispiel vorangehen. Dabei erinnert er auch daran, dass die EU deutlich mehr exportiert als sie importiert – das betrifft auch Kapital. "Hier wird die Frage sein: Kriegen wir das irgendwann zurück?"

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Die Europäer selbst hätten es außerdem über Jahrzehnte hinweg im Automobilsektor unterlassen, den bis 2025 geltenden zehnprozentigen Einfuhrzoll für in den USA hergestellte Fahrzeuge abzuschaffen. Für die Unternehmen auf beiden Seiten der Handelsgespräche sei ohnehin eins am wichtigsten: Planungssicherheit.

Über den Gesprächspartner

  • Prof. Dr. Heribert Dieter ist Politikwissenschaftler und Experte für internationale politische Ökonomie. Er forscht und publiziert zu Themen wie Globalisierung, Welthandel und internationaler Finanzpolitik, unter anderem für die Stiftung Wissenschaft und Politik.

Verwendete Quellen

  • tagesschau.de: Welche neuen Eskalationen im Zollstreit drohen
  • bundesregierung.de: Zolleinigung mit den Vereinigten Staaten
Teaserbild: © picture alliance/Pool/ABACA Feedback an die Redaktion