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CDU-Mann redet sich bei Lanz um Kopf und Kragen

TV-Nachlese Markus Lanz

"Nicht ablenken, Herr Müller!": CDU-Politiker redet sich bei Lanz um Kopf und Kragen

Aktualisiert am 15.04.2026, 07:23 Uhr Lesedauer:4 Min.

Wie können die deutschen Bürgerinnen und Bürger künftig entlastet werden? Bei "Markus Lanz" äußerte sich CDU-Politiker Sepp Müller zum geplanten Entlastungspaket. Dabei lockte ihn der ZDF-Moderator aus der Reserve, als es um ein geplatztes Treffen zwischen Lars Klingbeil und Katherina Reiche ging.

Eine TV-Nachlese von Natascha Wittmann Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Natascha Wittmann auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Der Krieg im Nahen Osten löst auch hierzulande große Probleme aus. Bei "Markus Lanz" bezog CDU-Politiker Sepp Müller Stellung zum geplanten Entlastungspaket der schwarz-roten Koalition. Dabei redete er sich mehrmals um Kopf und Kragen und lieferte sich ein hitziges Wortgefecht, als es um den Streit zwischen Lars Klingbeil und Katherina Reiche ging.

Der Irankrieg und die dadurch bedingte Blockade der Straße von Hormus führen hierzulande weiter zu steigenden Energiepreisen. Aus diesem Grund hat die Bundesregierung verschiedene Maßnahmen beschlossen, um Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaft zu entlasten. Unter anderem sei es das Ziel, das Tanken wieder günstiger zu machen. Für das geplante Entlastungspaket erntete die schwarz-rote jedoch mächtig Kritik. Markus Lanz debattierte am Dienstagabend über die Maßnahmen sowie den Streit zwischen Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU).

Die Gäste

  • Sepp Müller: CDU-Politiker und Unionsfraktionsvize
  • Anna Lehmann: Journalistin und Leiterin des Parlamentsbüros der "taz"
  • Azadeh Zamirirad: Politologin und Nahost-Expertin der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP)
  • Moritz Brake: Experte für maritime Sicherheit (Uni Bonn)
Journalistin Anna Lehmann sprach am Dienstagabend bei "Markus Lanz" von einer "feinsten Ampelkrise". © ZDF/Markus Hertrich

Der Schlagabtausch

Nach den gescheiterten Verhandlungen in Islamabad wollte ZDF-Moderator Markus Lanz wissen: "Wie nah war die Bundesregierung am Wochenende an einer richtig fetten Regierungskrise?" Journalistin Anna Lehmann antwortete, dass sich die Krise bereits "im Vorfeld" angedeutet hatte: "Es ist schon krass, wenn öffentlich bekannt wird, dass der Vizekanzler (…) die Wirtschaftsministerin zum Gespräch einlädt (…) und sie sagt, sie hat keine Zeit. (…). Das ist mehr als schlechter Stil." Das Resümee der Journalistin? "Das ist schon feinste Ampelkrise, wie wir sie eigentlich nicht mehr erleben wollten."

Lanz hakte erschüttert nach: "Was ist da passiert?" CDU-Politiker Sepp Müller beteuerte jedoch schwammig, dass die Koalitionspartner "in der Sache richtigerweise (…) ihre Argumente ausgetauscht" hätten, "weil wir haben große Herausforderungen". In dem Zusammenhang warnte Müller: "Wir können hier in Deutschland nur Symptome behandeln. (…) Die Ursache liegt nicht in Deutschland." Eine Aussage, die Lanz nicht überzeugen konnte: "Darum geht's ja jetzt nicht, Herr Müller!" Als sich der CDU-Mann weiter um Kopf und Kragen redete, wurde Lanz deutlicher: "Nicht ablenken, Herr Müller! Wie kann es zu sowas kommen?" Statt auf das gescheiterte Treffen von Lars Klingbeil und Katherina Reiche einzugehen, sagte der Politiker: "Friedrich Merz hat Führung übernommen. Friedrich Merz hat das am Wochenende geklärt." Anna Lehmann konterte wütend: "Herr Müller, Sie reden ja jetzt etwas schön!"

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Die Journalistin wetterte weiter: "Lars Klingbeil ist Finanzminister, er ist aber auch SPD-Vorsitzender. Und er hat Vorschläge präsentiert, die für den Koalitionspartner (…) offenbar schwer verdaulich waren." Laut Lehmann habe sich Katherina Reiche deshalb "genötigt gefühlt, öffentlich zu widersprechen". Wie die Journalistin erklärte, sei Friedrich Merz vor allem "mit dem Versprechen Marktliberalität" gewählt worden. "Das hat er immer wieder gesagt und nun macht der Koalitionspartner hier Vorschläge, die genau das Gegenteil sagen", so Lehmann. Markus Lanz fügte hinzu: "Und dann lädt Klingbeil zum Gespräch und sie kommt nicht!" Lehmann nickte: "Genau. (…) Sie ist diejenige, die sagt, was die Partei denkt."

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Der ZDF-Moderator startete einen erneuten Versuch und fragte: "Wie ist so etwas zu erklären?" Statt konkret zu antworten, reagierte Sepp Müller schwammig: "Die Termine machen die Minister selbst." Lanz konterte fassungslos: "Was gibt das für ein öffentliches Bild ab?" Der CDU-Mann sagte nüchtern: "Das Bild, was es abgibt, zeigt auch (…), dass wir hier in Deutschland nur Symptome behandeln können." Lanz ließ dies nicht unkommentiert und schob hinterher: "Es geht um die Art und Weise, wie Sie miteinander kommunizieren!" Sepp Müller wiederholte unbeeindruckt: "Ich mache die Termine der Wirtschaftsministerin nicht." Eine Aussage, die Lanz verzweifeln ließ: "Finden Sie nicht, dass es gerade in der Situation wichtig wäre, sauber zu kommunizieren und das Gefühl von Einigkeit (…) zu verströmen?"

Der besondere Moment

Auch das geplante Entlastungspaket der schwarz-roten Koalition sorgte bei "Markus Lanz" für Zündstoff. Zunächst fragte der ZDF-Moderator in Bezug auf den Tankrabatt: "Ist das eine gute Sache?" CDU-Politiker Sepp Müller reagierte zwiegespalten und gab zu: "Ich persönlich hätte mir zielgerichtetere Maßnahmen vorstellen können. Das ging aber in der kurzen Zeit nicht. Wir brauchen jetzt die Entlastung." Der Politiker ergänzte mit ernster Miene: "Wir müssen ja auch schauen, wie wir die Probleme, die jetzt anstehen, lösen." Lanz zeigte sich unbeeindruckt und merkte an, dass die Ampelkoalition im Jahr 2022 ähnlich argumentiert habe. Damals äußerte Friedrich Merz jedoch in einem TV-Interview die Kritik: "Das ist kein Konzept. Das ist wirklich Flickwerk." Lanz hakte deshalb amüsiert nach: "Spricht er über die Ampel oder über seine eigene Regierung?" Sepp Müller konterte genervt: "Er hat natürlich über die Ampel gesprochen."

Bei "Markus Lanz" geriet CDU-Politiker Sepp Müller (r.) wegen des öffentlich ausgetragenen Koalitionsstreits unter Druck. © ZDF/Markus Hertrich

Lanz lächelte: "Ach so, ich war kurz durcheinander." Müller ergänzte trocken, dass "die Ampel am Anfang nicht das Kartellrecht nachgeschärft" habe: "Wir werden jetzt im zweiten Schritt die Energiesteuer senken." In dem Zusammenhang wollte Lanz wissen, was Sepp Müller von der 1.000-Euro-Prämie halte. Laut des Entlastungspakets sollen Unternehmer künftig die Option erhalten, 1.000 Euro steuerfrei an ihre Arbeitnehmer auszuzahlen. "Sind Sie dafür oder dagegen?", so der ZDF-Moderator. Der CDU-Mann offenbarte: "Ich selbst war überrascht." Lanz ließ dies nicht gelten und hakte erneut nach: "Sind Sie dafür oder dagegen?" Sepp Müller antwortete schließlich konkret: "Ich als Arbeitgeber wäre in der aktuellen wirtschaftlichen Situation dagegen, das zu zahlen." Lanz fragte interessiert weiter: "Und Sie als Herr Müller?" Der Politiker erklärte vorsichtig: "Ich als Herr Müller, als Mitglied der Koalitionsfraktion, habe heute auch dafür geworben, dass im öffentlichen Dienst diese 1.000 Euro nicht gezahlt werden."  © 1&1 Mail & Media/teleschau

Teaserbild: © ZDF/Markus Hertrich Feedback an die Redaktion