Anke Engelke: "Wir können nur aus dem, was schiefgegangen ist, lernen"
Engelke und Pastewka: "Können nur aus dem, was schiefgegangen ist, lernen"
Aktualisiert am 14.05.2026, 13:36 Uhr Anke Engelke und Bastian Pastewka bei der Film-Premiere von "Glennkill". © IMAGO/Eventpress/IMAGO/Eventpress Berndt Lesedauer:4 Min.In einem abgelegenen irischen Örtchen wird der schrullige Schafhirte ermordet aufgefunden – und für seine Herde beginnt die Spurensuche: Jetzt kommt der internationale Bestseller von Leonie Swann in die Kinos.
Ein Interview von Doreen Hinrichs"Glennkill" verbindet schwarzen Humor und Philosophisches zum fast klassischen Whodunit – jedoch aus der Perspektive von Schafen erzählt. Für die deutsche Synchronfassung liehen unter anderem Bastian Pastewka und Anke Engelke den wolligen Ermittlern ihre Stimmen.
Im Gespräch geben die Comedy-Stars Einblick in ihre Freundschaft und die Sorgen der Branche vor KI.
Frau Engelke, Herr Pastewka, wenn man sich so lange kennt und zusammen arbeitet, schaltet man dann wirklich ab? Oder sprechen Sie auch nach "Dienstschluss" über das Projekt, etwa beim Feierabendbier?
Bastian Pastewka: Haben wir schon mal ein Feierabendbier zusammen getrunken?
Anke Engelke: Wir haben noch nie ein Feierabendbier getrunken.
Pastewka: Wir trinken beide kein Bier.
Engelke: Doch, du hast schon mal ein Bier getrunken.
Pastewka: Ja, 1996.
Engelke: Wir sind keine Bier-Buddies. Wenn es Arbeit ist, ist es Arbeit. Und wenn wir privat zusammen sind, ist es privat. Es gibt noch diese Schnittmenge, wenn wir wissen, wir entwickeln was zusammen. Wir haben zum Beispiel gerade unsere zweite Staffel "Perfekt zusammen?!" [Fortsetzung von "Perfekt verpasst" auf Amazon Prime, Anm. d. Red.] zusammen abgedreht und für "LOL" ganz viel miteinander gearbeitet, zuletzt fürs Weihnachts-Special.
Zur Vorbereitung treffen wir uns bei mir zu Hause, und Basti sagt traditionell: "Wehe, du kochst!" Weil er weiß, dann essen wir erst mal zwei Stunden lang, dann quatschen wir – und dann gibt's einen Cut. Es wird dann wirklich auch gearbeitet, stundenlang, tagelang. Aber wir gehen nach Dreharbeiten nie miteinander irgendwo hin oder rekapitulieren nochmal, was wir da gerade gemacht haben. So sind wir irgendwie überhaupt nicht.
Filme und Serien "Perfekt Zusammen?!": Drehstart für Anke Engelke und Bastian Pastewka 03. Februar 2026Pastewka: Wir haben uns noch nie den Satz gesagt: "Lass uns auch am Mittwochabend mal zusammen essen gehen."
Engelke: Wir sind noch nie miteinander essen gegangen.
Pastewka: Es ist ja viel schöner, von Anke vegan bekocht zu werden. Und ich könnte jetzt hier alle möglichen Gags machen, aber ich sage die Wahrheit: Das, was Anke kocht, ist wahnsinnig lecker.
Engelke: Danke!
Pastewka: Und trotzdem macht es mir Spaß, ihr natürlich immer beim ersten Löffel mit so einer entsetzten Geste zu sagen: "Schmeckt mir überhaupt nicht!" Einfach nur, um ihr eine Freude zu machen. Darum geht es. Es geht nicht darum, immer die Wahrheit voreinander zu sagen. Wir haben eine Vertrautheit miteinander entwickelt, die über Dauerironie läuft.
Wir haben uns gefreut, zusammen bei "Glennkill" sprechen zu dürfen, obwohl wir unsere Rollen Lily und Mopple getrennt aufgenommen haben. Weil wir wussten, dass wir an Tagen wie heute gemeinsam Interviews geben dürfen, was uns Freude macht. Das sind Geschenke, die uns dieser Beruf gibt. Dafür sind wir wahnsinnig dankbar.
Eigener Film wird Nebensache Hugh Jackman und Sutton Foster zeigen sich in New York sehr verliebt vor 24 TagenBastian Pastewka: "Da muss die Sinnfrage gestellt werden"
Den CGI-Schafen in "Glennkill" zuzuschauen, ist ein Vergnügen. Die "realistische" Darstellung führt uns unweigerlich zum Thema Technik und natürlich zum Einsatz von KI. Gerade auch Synchronsprecherinnen und -sprecher machen sich derzeit große Sorgen. Zu Recht?
Pastewka: Also, eine Synchronfassung ist eine Synchronfassung und ein KI-Deepfake ist was anderes. Und ich finde, ganz ehrlich, man hört es auch. Wir sehen ja momentan bei YouTube-Clips schon viele KI-Eindeutschungen, und ich merke sofort: Das ist totaler Unsinn. Es ist inhaltlich Unsinn; und es ist von der Emotion her überhaupt nicht stimmig.
Wollen wir also langfristig irgendwelche Sprechroboter haben? Oder sagen wir: "Wir erzählen es uns so, wie sich Menschen wirklich miteinander austauschen"? Das betrifft alle Genres. Das betrifft Synchronisation, das betrifft Film, das betrifft Hörspiel, das betrifft Fernsehen und so weiter. Das ist eine gesellschaftliche Entscheidung, die zu fällen ist.
Mit dem Ergebnis, dass ... ?
Pastewka: Ich vermute, es wird nicht zum einen oder zum anderen ausgehen, es wird eine bescheuerte Mischform werden und am Schluss interessiert keinen mehr irgendwas. Denn KI ist ja unter anderem auch dazu da, um uns alle ein wenig zu verwirren und Fakten auszublenden. Und spätestens jetzt, wo auch Berliner Synchronsprecherinnen und Synchronsprecher zu Recht protestieren, weil sie erleben, dass ihre Stimmen illegalerweise für Trainingszwecke benutzt werden, um eines Tages irgendjemand anderen so sprechen zu lassen, muss die Sinnfrage gestellt werden.
Galerie Promi-Geburtstag So viel mehr als lustig: Anke Engelke wird 60 21. Dezember 2025Anke Engelke: "Wir können nur aus dem, was schiefgegangen ist, lernen"
Der Film hat neben dem Humor auch nachdenkliche Momente. "Vergessen" spielt eine große Rolle. Das ließe sich leicht auf die gesamtgesellschaftliche Ebene heben und als Hinweis darauf sehen, Erinnerungskultur nicht nur als hohle Phrase zu sehen, sondern aktiv zu leben. Oder ist das zu viel in einen "Schafskrimi" hineininterpretiert?
Engelke: Stimmt, der Film behandelt wie nebenbei dieses Thema, aber am Ende nimmt jeder aus einem Film mit, was er oder sie möchte. Und das ist das Schöne, finde ich, das ist wunderbar demokratisch, dass wir alle das Recht haben, etwas irritierend zu finden, etwas inspirierend zu finden, überfordert zu sein, unterfordert zu sein.
Empfehlungen der Redaktion
- "Glennkill - Ein Schafskrimi": Vom Glück, ein Schaf zu sein
- Wie eine kleine Puppe selbst Hollywoodstars emotional werden lässt
- "LOL" startet mit einem Knaller in die siebte Staffel
Ich bin mir sicher, dass Menschen, die ein offenes Herz haben und bei Verstand sind, sehen werden, dass wir uns anders mit dem Thema Erinnerungskultur auseinandersetzen sollten. Es ist gut, manches ad acta zu legen und zu sagen, das hat mich so verletzt oder so irritiert, dass ich darüber nicht mehr nachdenken möchte. Auf der anderen Seite können wir nur aus Fehlern und auch aus dem, was schiefgegangen ist, lernen. Können und müssen! Insofern ist dieser Film viel philosophischer, als es auf den ersten Blick scheint.
Feedback an die Redaktion