Als Bill einmal eine "Un–ver–schämtheit" erleben musste
Als Bill einmal eine "Un–ver–schämtheit" erleben musste
Aktualisiert am 14.05.2026, 09:47 Uhr Bill Kaulitz berichtet im Podcast von einer "krassen Anreise" nach Hamburg. Daraus wird eine sehr eigene Idee: Flugverkehr als neuer ÖPNV fürs Land. © IMAGO/Peter Hartenfelser Lesedauer:5 Min.Sie denken bei einem Rockstar-Leben wahrscheinlich vor allem an die angenehmen Seiten. Lange aufbleiben dürfen, fernsehen, wann man will, und im Hotelzimmer auch mal mit den Schuhen aufs Bett. Aber natürlich gibt es auch beim Leben eines Rockstars Schattenseiten. Und von einer dieser Schattenseiten erzählt Bill Kaulitz in der neuesten Folge seines Podcasts "Kaulitz Hills".
Eine Satire von Christian Vock Diese Satire stellt die Sicht von Christian Vock dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht."Wir sitzen hier bei mir im Hotelzimmer in Berlino", holt Bill Kaulitz in der neuesten Folge "Kaulitz Hills" die Zuhörer gleich ab, und normalerweise wäre das völlig egal. Das ist ja das Gute bei einem Podcast, man kann ihn nicht nur fast überall anhören, sondern auch fast überall aufnehmen. In Los Angeles, in Wuppertal, auf dem Klo, im Auto oder beim Salatschleudern. Diesmal ist Bills Aufenthaltsort aber einigermaßen relevant, denn er und sein Bruder Tom haben sich diesmal für eine Video-Folge entschieden, und so sehen wir, dass die beiden nicht in Wuppertal auf dem Klo sitzen, sondern eben in Bills Hotelzimmer in Berlin.
Und so eine Videofolge, so erfahren wir es, ist natürlich ein bisschen aufwändiger als eine normale Podcastfolge, denn da braucht es neben der Hotelsuite noch die Videotechnik und auch ein "Glam-Team", das sich offenbar in einem nicht-einsehbaren Bereich versteckt, das die Kaulitz-Brüder aber ganz lieb grüßen. Dann widmen sich Bill und Tom aber auch schon Inhaltlichem und erzählen, dass sie es nicht mögen, den gebrauchten Kaugummi eines anderen zu kauen. Ich will ehrlich sein: Für so eine Information ist das ein ziemlicher Aufwand. Da wurde mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Rein informationstechnisch.
Mir persönlich hätte da ein normaler Podcast gereicht. Vielleicht wäre selbst der zu viel gewesen. Hätten Bill und Tom mich gefragt, ob sie für die Info, dass sie keine gebrauchten Kaugummis anderer kauen wollen, eine Podcastfolge aufnehmen sollen, hätte ich gesagt: Ich glaube, das lohnt sich nicht. Außer der Kaugummi-Geschichte haben sich die Kaulitz-Brüder inhaltlich aber noch etwas anderes vorgenommen, und so machen die Brüder noch Werbung für ihren "Kaulitz Hills"-Merch, für den baldigen Band-Podcast, für Bills neue Nahrungsergänzungsmittel, für ihren Schnaps, für ihre neue Single und für den Film, in dem sie zwei Synchronisationsjobs übernommen haben.
Satire Kaulitz Hills Was Bill und Tom über Timmy denken – und über anderes vor 6 Tagen von Christian VockBill: "Ich hatte eine ganz krasse Anreise"
Klar, das sind alles wichtige Informationen, für mich persönlich aber ein bisschen zu viele. Ich bin ein sehr unentschlossener Mensch, bei so viel Werbung weiß ich gar nicht, was ich zuerst kaufen soll. Das setzt mir wirklich zu, und vielleicht, liebe Kaulitz-Brüder, können wir es ja so machen, dass ich mich einfach melde, wenn ich ein neues Produkt aus dem Hause Kaulitz brauche. Das entlastet mich, und auch Bill und Tom müssen sich keine Gedanken mehr machen, ob es nicht irgendwann zu viel Werbung ist. Sie finden das übertrieben? Ich nicht, zumal auch und gerade Bill ein großer Freund von individuellen Lösungen zu sein scheint.
"Ich hatte eine ganz krasse Anreise", erzählt Bill nämlich wenig später. Er habe von Los Angeles nach Hamburg fliegen wollen, allerdings diesmal mit einem Zwischenstopp in München. Das sei aber gar nicht schlimm, schließlich fliege er lieber über München, denn: "Ich finde den VIP-Bereich da besser." Das eigentliche Drama habe sich dann beim Weiterflug ereignet, denn: "Dann sagen die kurz vor Hamburg: 'Ja, hallo, der Flughafen in Hamburg ist leider gesperrt, wir fliegen jetzt nach Leipzig.‘"
Nun weiß ich ehrlich gesagt nicht, was daran so krass ist, ich finde, in diesem Satz war alles dabei, was eine nette Ansage haben sollte: Eine kurze Begrüßung, die wichtigste Information und vor allem eine gewisse Rechtzeitigkeit, schließlich wurde die Ansage vor und nicht nach der Landung gemacht. Ich hätte mich geärgert, hätte ich erst in Leipzig herausgefunden, dass ich gar nicht in Hamburg bin. Zum Beispiel, weil mich der Taxifahrer nicht zur Elbphilharmonie gebracht hätte, sondern ins Gewandhaus. Die Elbphilharmonie hat, gerade finanziell, schon für genügend Enttäuschungen gesorgt, da will man nicht noch eine haben.
Die Leiden des Bill Kaulitz
Trotz dieser einwandfreien Ansage findet Bill: "Das finde ich eine Un – ver – schämtheit!" "Das ist eine Unverschämtheit, aber manchmal kann man's nicht ändern, weil es einen Sicherheitsvorfall gibt, zum Beispiel, dann sperren die den Flughafen", gibt Tom zu bedenken, aber Bill habe sich dann gedacht: "Was soll ich denn in Leipzig?" Tom denkt sich dasselbe und hat herausgefunden: "Das ist ja nun ganz woanders." Da hat er Recht, von Leipzig nach Hamburg läuft man ein Weilchen. Wahrscheinlich hat sich Bill deshalb daraufhin gefragt: "Kann ich wenigstens in die Nähe kommen, dass mich dann jemand abholt?"
Und so begann Bills Leidensweg. Ich will Ihnen dessen Einzelheiten ersparen, deshalb erwähne ich nur, was für Bill bei der zweieinhalbstündigen Wartezeit im Flieger das Schlimmste gewesen sei: "Mein Handy hatte keinen Akku mehr." Jetzt können Sie sich in etwa das Ausmaß von Bills Martyrium vorstellen. "Nach zweieinhalb, fast drei Stunden", habe es dann laut Bill die Info gegeben, dass man nach München zurückfliegen werde. Sofort habe Bill mit seinem Team korrespondiert, damit dieses ein Hotel und einen Abholservice organisiert.
Das Team habe aber geantwortet, der Flughafen in Hamburg sei wieder geöffnet, und gefragt: "Warum fliegt ihr nicht nach Hamburg?" "Ergibt keinen Sinn!", findet Bill, ich denke allerdings, dass es wahrscheinlich doch einen Sinn ergibt. Vermutlich haben die zuständigen Behörden, der Flughafenbetreiber und die Fluglinie einfach nur vergessen, Bill persönlich über die Hintergründe zu informieren. Das müssen die sich schon ankreiden lassen, aber bei so einer Flughafensperrung ist das vielleicht einfach im Trubel durchgerutscht.
"Wenn ihr so was postet ..." Bill Kaulitz legt sich mit der AfD an – und hat Erfolg vor 5 TagenDanke, Bill, für diesen Impuls
Daher kann ich irgendwie beide Seiten verstehen, aber statt einander zu grollen, kehren wir lieber zu Bills Ausgangsfrage zurück: "Kann ich wenigstens in die Nähe kommen, dass mich dann jemand abholt?" Ja, warum wurde Bill statt nach Leipzig nicht einfach in die Nähe von Hamburg geflogen? Warum waren Dörfer wie Halstenbek, Bönningstedt oder Neu Wumstorf nicht auf einen Flug aus München vorbereitet? Wussten die etwa nicht, dass Bill Kaulitz an Bord ist? Wenn Bill für sie doch schon damals durch den Monsun gegangen ist, warum gibt es dann hier kein Entgegenkommen? Das wäre doch die Gelegenheit, sich zu revanchieren.
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Und sollten Sie bei Vielfliegerei nicht an VIP-Bereiche, sondern an so was Nebensächliches wie die Klimakrise denken: Versuchen Sie doch lieber mal das Potenzial zu sehen, das in Bills Frage steckt. Wir jammern doch immer, wie schlecht es um den öffentlichen Personennahverkehr auf dem Land bestellt ist – jetzt könnten wir dank Bills Denkanstoß hier endlich mal etwas tun. Deshalb bin ich für die Ausweitung des Flugverkehrs auf den ländlichen Raum, als Ergänzung zum ÖPNV und als Alternative zum Individualverkehr, also zum Auto.
Klar, beim Fliegen ist es ein bisschen unangenehmer als bei der Tram, wenn jemand vergessen hat, zu drücken und das Flugzeug einfach an der Haltestelle vorbeifliegt, aber da setze ich auf Gewöhnungseffekte. Und natürlich müsste dann vielleicht die Flugzeughaltestelle Bönningstedt mit dem VIP-Bereich des Münchener Flughafens konkurrieren. Aber wenn das dafür sorgt, dass Bill nicht mehr zweieinhalb Stunden warten muss, sind das keine Kosten, sondern eine Investition. Daher: Danke, Bill, für diesen Impuls.
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