Alexander Fehling über KI in der Filmbranche: "Die Gefahr ist real"
Alexander Fehling über KI in der Filmbranche: "Die Gefahr ist real"
Aktualisiert am 12.05.2026, 14:08 Uhr Alexander Fehling über den ARD-Krimi "Verbrannte Erde": "Was erzählt wird, ist nicht außergewöhnlich. Wie es erzählt wird dafür umso mehr." (Archivbild) © IMAGO/ABACAPRESS/Niviere David Lesedauer:5 Min.Ob in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" oder in der US-Serie "Homeland": Alexander Fehling wirkte bereits an großen, internationalen Produktionen mit. Für "Verbrannte Erde", die Fortsetzung des Spielfilms "Im Schatten" aus dem Jahr 2010, stand er in seiner Heimat Berlin vor der Kamera. Wir haben mit dem Schauspieler über sein "Heimspiel" gesprochen.
Ein Interview von Dennis Ebbecke"Was erzählt wird, ist nicht außergewöhnlich. Wie es erzählt wird dafür umso mehr", sagt Alexander Fehling über die WDR-Kinoproduktion "Verbrannte Erde" (streambar in der ARD-Mediathek, am 18.05. um 00.05 Uhr im Ersten). Der Film handelt von Großstadt, Verbrechen und Kontrollverlust – und erzählt vom Scheitern alter Codes. An der Seite von Mišel Matičević, Marie-Lou Sellem und Marie Leuenberger spielt Fehling den Handlanger Victor.
Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 45-Jährige über seinen überwiegend analogen Lebensstil, den Unterschied zwischen Kinofilmen und TV-Produktionen sowie den Einfluss der KI auf die Filmbranche.
Herr Fehling, "Verbrannte Erde" feierte bereits bei der Berlinale 2024 Premiere, jetzt kommt der Kriminalfilm ins TV …
Alexander Fehling: Ist das wirklich schon wieder so lange her? Wow.
Wie schwierig ist es für Sie, den Fokus nach mehr als zwei Jahren erneut auf dieses Thema zu richten?
Auf der einen Seite fühlt es sich schon komisch an, auf der anderen Seite bin ich daran gewöhnt. Lange Entstehungsgeschichten sind keine Seltenheit. Ehe überhaupt die Dreharbeiten beginnen können, vergeht in der Regel viel Zeit. Schließlich muss erstmal Geld gesammelt werden. Und nach dem Dreh ist immer vor dem Schnitt. Ich kenne das nicht anders, sodass sich der Organismus irgendwann darauf einstellt. In der Zwischenzeit macht man hoffentlich ja andere Sachen.
"Verbrannte Erde" ist die Fortsetzung von "Im Schatten". Warum tritt dieser Film aus dem Schatten seines Vorgängers hervor?
Da ich mich immer ein bisschen schwer damit tue, Eigenwerbung zu betreiben, stellt mich die Frage vor ein paar Probleme – auch wenn mir das Wortspiel gefällt (lacht). Ich glaube aber, dass diejenigen, die "Im Schatten" gut fanden, von "Verbrannte Erde" nicht enttäuscht sein werden. Die Leute können einer Figur, die sie kennen und die mittlerweile natürlich gealtert ist, weiter folgen.
Sie sprechen von Trojan (gespielt von Mišel Matičević), der zwölf Jahre nach seiner Flucht nach Berlin zurückgekehrt ist.
Ganz genau. Hinzu kommt, dass das Publikum neue Antagonisten kennenlernt – einer davon ist der von mir gespielte Victor.
"Für mich persönlich war es schön, direkt nach Hause fahren zu können, nachdem ich mich mit Mišel hinterm S-Bahnhof an der Warschauer Straße bis 5 Uhr morgens im Dreck gewälzt hatte."
Der Film erzählt, wie sich Berlin über die Jahre verändert hat. Ist dieser Blick auf die deutsche Hauptstadt im Wandel der Zeit wichtiger als der Kriminalfall selbst?
Da ist was dran. Der Plot an sich ist nicht das Wichtigste. Natürlich ist er der Dreh- und Angelpunkt, an dem sich alles aufdröselt. Aber gerade das Kino des Regisseurs Thomas Arslan ist ein Kino von Ort und Bewegung. Er hat versucht, auch die Schattenseiten dieser Millionenstadt Berlin auszuleuchten. Was an diesen Orten passiert, spielt dann schon eine Rolle.
Ist der Plot letztlich austauschbar?
"Austauschbar" ist ein zu starkes Wort. Aber ich gebe Ihnen recht: Was den Plot angeht, wird man da nur wenig Neues finden – zumal es sehr viele Krimis gibt. Was erzählt wird, ist nicht außergewöhnlich. Wie es erzählt wird dafür umso mehr. Und das ist oft der große Unterschied zwischen Kinofilmen und TV-Produktionen.
Mit Marie Leuenberger (spielt die Diana), Mišel Matičević und Ihnen sind drei gebürtige Berliner Teil des Casts. Muss man dort geboren sein, um die Geschichte glaubhaft transportieren zu können?
Ich würde gerne ja sagen. Aber eigentlich ist es für die Spielende oder den Spielenden egal. Ich spiele schließlich keine Stadt, sondern kümmere mich um eine Geschichte. Die entscheidende Frage ist doch: Was braucht die jeweilige Geschichte, um wirklich spannend zu sein? Für mich persönlich war es aber schön, direkt nach Hause fahren zu können, nachdem ich mich mit Mišel hinterm S-Bahnhof an der Warschauer Straße bis 5 Uhr morgens im Dreck gewälzt hatte. Das fand ich angenehm.
Filme und Serien Auch Golden Globes legen Regeln zu Künstlicher Intelligenz fest vor 4 Tagen"Homeland": Warum der Serien-Titel für Fehling Programm war
Sie haben damals in der fünften "Homeland"-Staffel, die komplett in Berlin spielt, mitgewirkt. Werden Sie noch häufig auf diese US-Serie und auf "Inglourious Basterds" angesprochen?
Ich habe tolle Erinnerungen an diese Produktionen. Es war eine intensive Zeit, die ich mit sehr interessanten Menschen verbringen durfte – und das mit Blick auf "Homeland" sogar zu Hause. Da war der Titel für mich Programm (lacht). Tatsächlich werde ich noch relativ häufig darauf angesprochen, auch in Interviews. Ich habe dazu aber schon so viel gesagt, dass es mir mittlerweile unangenehm ist, nach mehr als zehn Jahren immer noch darüber zu reden. Das fühlt sich dann so an, als wäre man stehengeblieben. Aber dem ist ja nicht so. Zum Beispiel kommt im Herbst die Verfilmung des Christian-Kracht-Romans "Eurotrash".
Wie verändert Digitalisierung das "Handwerk" Kriminalität? In "Verbrannte Erde" spielen Sie einen Auftraggeber des Berufskriminellen Trojan, der es vor seiner Flucht gewohnt war, analog und ausschließlich mit Bargeld zu arbeiten …
Das stimmt, wobei auch Victor restlos analog arbeitet. Diese digitale Bedrohung verkörpert er ganz und gar nicht. Letztlich ist er auch nur ein Handlanger, der die Wege macht und dabei ziemlich "old school" vorgeht. Wenn Trojan und er kommunizieren, dann per Telefon. Beide sind recht wortkarg. Auf der verbalen Ebene passiert da nicht allzu viel (lacht).
Sind Sie eher analog oder digital unterwegs?
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Prinzipiell bin ich sehr analog unterwegs. Natürlich hilft mir das Internet bei der Recherche, zum Beispiel in der Vorbereitung auf eine neue Rolle. Ich frage mich manchmal, wie meine Kolleginnen und Kollegen das früher gemacht haben. Die mussten sich Filme in Videotheken ausleihen oder ganze Archive durchforsten. Dass wir heute jederzeit online auf Archive zugreifen können, empfinde ich schon als einen großen Pluspunkt.
"As Deep as the Grave" Teaser zeigt mit KI wiederbelebten Val Kilmer vor 25 TagenSie arbeiten auch als Hörbuchsprecher. Wie denken Sie über den Einfluss der KI in Ihrem Beruf?
Ich spüre diesen Einfluss noch nicht, weil ich das Privileg habe, sehr ausgesucht arbeiten zu dürfen. Die Gefahr ist aber real. Einige Kolleginnen und Kollegen haben existenzielle Sorgen – und ich kann sie verstehen. Regulierung ist das große Thema in der digitalen Welt. Da gibt es noch viel zu tun. Meiner Meinung nach lohnt sich jeder Schritt und jeder Kampf. Auf der anderen Seite ist die KI ein Werkzeug, das man sinnvoll nutzen könnte. Doch ich habe den Eindruck, dass wir uns grundsätzlich schwer damit tun. Oft erfinden wir Dinge, weil wir es können – nicht unbedingt, weil wir es brauchen.
Über den Gesprächspartner
- Alexander Fehling ist ein deutscher Schauspieler und Hörbuchsprecher. Für seine Darbietung in "Am Ende kommen Touristen" wurde er 2007 mit dem Förderpreis Deutscher Film ausgezeichnet. Zwei Jahre später war der in Ost-Berlin geborene Darsteller als SS-Soldat Wilhelm in dem Kinofilm "Inglourious Basterds" zu sehen. In der fünften Staffel der Serie "Homeland" spielte Fehling an der Seite von Claire Danes.
